05. November 2019 / 15:01 Uhr

Engagierter Flüchtling abgeschoben: SG Oesterweg kämpft um Frimpongs Rückkehr

Engagierter Flüchtling abgeschoben: SG Oesterweg kämpft um Frimpongs Rückkehr

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Richard Frimpong engagiert sich bei der SG Oesterweg und im Dorfleben sehr als ehrenamtlicher Helfer. Nach der Abschiebung lebt der 31-Jährige wieder in Ghana und arbeitet auch dort zusammen mit Kindern.
Richard Frimpong engagiert sich bei der SG Oesterweg und im Dorfleben sehr als ehrenamtlicher Helfer. Nach der Abschiebung lebt der 31-Jährige wieder in Ghana und arbeitet auch dort zusammen mit Kindern. © SG Oesterweg (2)/Sven Kirchhoff/privat/Montage
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Richard Frimpong fehlt der SG Oesterweg sehr. Der hilfsbereite Flüchtling musste zurück in sein Heimatland Ghana. Ein ganzes Dorf in Ostwestfalen hofft auf seine Rückkehr nach Deutschland. Ein Anwalt beschäftigt sich mit diesem Fall.

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„Stay strong, Richie!“ Die Anteilnahme nach der Abschiebung von Richard Frimpong ist in ganz Ostwestfalen riesig. Der Ghanaer musste seine neue Heimat in Oesterweg verlassen. Ein ganzes Dorf vermisst den 31-jährigen Flüchtling als Fußballer, Trainer, Showgruppen-Mitglied und sehr hilfsbereiten Menschen.

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Der Schock saß tief Mitte Oktober im 2284 Einwohner großen Dorf. Mehr als 2000 Menschen teilten einen ergreifenden Facebook-Beitrag der SG Oesterweg über die Abschiebung des sympathischen Ghanaers. Der Klub aus dem Osten der Stadt Versmold konnte es kaum fassen. Über fünf Jahre lang integrierte sich Frimpong im Vereins- und Dorfleben. Nach einem Termin beim Kreishaus in Gütersloh ging alles ganz schnell. Daniel Hermann, zweiter Vorsitzender des Dorfvereins, erinnert sich an die schlimme Nachricht.

„Wir wussten nach der Abschiebung erst gar nicht, wo sich Richie befindet. Auf Nachfrage haben wir dann die Info erhalten, dass er bereits in Ghana ist“, sagt Hermann. Ein Taxifahrer habe den weinenden 31-Jährigen am Flughafen in der Hauptstadt Accra angesprochen und mit zu sich genommen. Durch den weitverbreiteten Artikel über Facebook entstand der Kontakt zu einem Spielerberater, der sich zu der Zeit im afrikanischen Land an der Atlantikküste aufhielt.

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Frimpong trainiert Kinder in Ghana

Frimpongs Weg führte in die „Ghana Angel Soccer Academy“. Die Einrichtung kümmert sich um ghanaische Kinder, die auf der Straße leben und ohne Perspektive aufwachsen. Mit diesem Projekt sollen die fußballerischen Talente neben einer Schulausbildung gefördert werden – ein perfekter Ort für den sportbegeisterten Flüchtling aus Oesterweg. „Er kann dort wohnen, erhält Verpflegung und trainiert als Gegenleistung eine Jugendmannschaft“, berichtet Hermann.

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Der zweite Vorsitzende befindet sich aktuell in Gesprächen mit der Akademie. Mit Geld, Fußballkleidung, Schuhen, Bällen und Trainingszubehör will das kleine Dorf aus Ostwestfalen die Einrichtung unterstützen. Der Kontakt zu Frimpong läuft täglich über WhatsApp. Sein großer Wunsch sei die Rückkehr nach Deutschland. „Ob eine Einreise wieder zurück nach Deutschland möglich ist und wann diese erfolgen könnte, klärt derzeit ein Anwalt“, so Hermann, der mit einem Blick in die Zukunft sagt: „Wenn die Rückkehr nicht klappt, hoffen wir, dass Richie in Accra weiter Anschluss findet und ein vernünftiges Leben aufbauen kann. Wir wollen ihn dabei unterstützen.“

Spieler, Trainer und Unterhaltungskünstler

Denn der Dank für den Einsatz des 31-Jährigen in Oesterweg ist riesig. Frimpong war aktiv als Spieler in der zweiten Mannschaft, Jugendtrainer und durch seine Auftritte in einer Showgruppe bestens im Dorf bekannt. Er trat als Sänger beim „Sommer in der Versmolder City“ oder auch bei der „Altkreis Sportlerwahl“ auf. Der Ghanaer betreute zudem eine Schulklasse beim Grundschul-Cup und unterhielt die Menschen als leidenschaftlicher Trommler sowie Sänger bei einem Jugendturnier. „Jemanden jetzt auf diese Art und Weise zu verlieren, ist mehr als traurig“, sagt Hermann.

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Jan Focken, Pressesprecher des Kreises Gütersloh, erklärte gegenüber der Neuen Westfälischen, dass eine Abschiebung nicht daran gemessen werde, ob jemand ein Straftäter ist oder nicht. Es gehe dabei um das Asylverfahren. Werde dieses durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt, sei der Betreffende ausreisepflichtig. „Reist er nicht freiwillig aus, wie es ihm in Gesprächen in der Ausländerbehörde nahegelegt wird, folgt die Zwangsmaßnahme. Das ist ein Automatismus, der nicht berücksichtigt, ob jemand sympathisch ist oder nicht“, sagt Focken. Und so musste Frimpong trotz erfolgreicher Integration sein geliebtes Umfeld verlassen.

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