26. Juni 2020 / 17:31 Uhr

Flüchtlingsteam des TuS Ehra-Lessien sucht Paten - und hat noch viel vor!

Flüchtlingsteam des TuS Ehra-Lessien sucht Paten - und hat noch viel vor!

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sucht auf kreativem Wege Unterstützung für den TuS Ehra-Lessien II: Coach Heiko Kiene.
Sucht auf kreativem Wege Unterstützung für den TuS Ehra-Lessien II: Coach Heiko Kiene. © Privat
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Die Flüchtlingsmannschaft des TuS Ehra-Lessien steht wegen der Corona-Pandemie vor einer besonderen Herausforderung. Coach Heiko Kiene sucht nach kreativen Lösungen.

Eigentlich ist Heiko Kiene Trainer der zweiten Mannschaft des TuS Ehra-Lessien – einem Team, das zum größten Teil aus Flüchtlingen aus Afrika besteht und das in der 3. Kreisklasse Gifhorn 1 auf einem passablen dritten Platz rangiert. Doch in diesen Wochen ist Kiene mehr als nur der Übungsleiter, er ist auch als Manager der Mannschaft gefordert. Die Corona-Pandemie hat den TuS - wie so viele andere Vereine auch - finanziell hart getroffen. Und stellt dadurch auch das besondere Projekt, das der Verein gemeinsam mit dem Förderverein Mosaik „Ehra-Lessien, ein Dorf – ein Team e.V.“ ins Leben gerufen hat, vor eine schwierige Herausforderung.

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"Es gab im Verein eine große Diskussion, ob wir die Mannschaft noch mal melden können", sagt Kiene. Denn: Flüchtlinge – sowie alle anderen Mitglieder ohne Einkommen – müssen laut Vereins-Satzung keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen, das betrifft 16 der 20 Spieler. Doch eine Mannschaft zu melden, kostet Geld. "Da fallen unter anderem Schiri-Kosten, Spielerpass-Gebühren oder auch Melde-Gebühren an", sagt der Coach. Die Kosten wurden in den letzten Jahren noch vom Förderverein und aus der Vereinskasse bezahlt, doch die ist wie bei anderen Klubs auch im Moment alles andere als prall gefüllt. "Die Sportwoche fällt aus – und die finanziert normalerweise einen großen Teil des Verein-Etats“, erklärt Kiene.

1. Kreisklasse Gifhorn 1: TuS Ehra-Lessien gegen FC Germania Parsau

1. Kreisklasse Gifhorn 1: TuS Ehra-Lessien (weiße Trikots) gegen FC Germania Parsau. Zur Galerie
1. Kreisklasse Gifhorn 1: TuS Ehra-Lessien (weiße Trikots) gegen FC Germania Parsau. ©

Paten-Modell als Lösungsvorschlag

Dennoch haben sich der Coach und der Vorstand darauf geeinigt, dass die Mannschaft auch in der kommenden Saison am Spielbetrieb teilnehmen wird – unter einer Bedingung: "Es ist jetzt mein Thema, das Geld ranzukriegen", sagt Coach Kiene, der bis Mitte Juli dafür Zeit hat, 54 Euro Mitgliedsbeitrag für je einen der 16 Spieler zu beschaffen. Und um das zu bewerkstelligen, will er ungewohnte, kreative Wege gehen – einfach nur ein Spendenkonto einzurichten, soll nicht dazugehören.

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Der Coach hat stattdessen an ein Paten-Modell gedacht. "Dann bekommen die Menschen, die helfen, ein Gesicht dazu. Vielleicht schafft das mehr Identifikation mit dem Team als einfach nur eine Spende zu überweisen", so Kiene. Die Paten würden dann den Mitgliedsbeitrag von jährlich 54 Euro für jeweils einen Spieler übernehmen – als Dankeschön könnten sie beispielsweise einen persönlichen Steckbrief von ihrem Paten-Spieler erhalten und der Klub würde gegebenenfalls ein Treffen organisieren. Obendrein würden die Paten zu den Spielen und Mannschaftsfeiern eingeladen werden - sobald die wieder möglich sind.

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Hilfe auf und neben dem Platz gesucht

Außerdem könnte das Team auch noch tatkräftige Hilfe auf und neben dem Platz gebrauchen. "Wir würden uns freuen, wenn noch neue Spieler zu uns stoßen, die einfach Bock haben auf unser Projekt", sagt Kiene, der außerdem auch noch Fahrer sucht, die sie zu den Saisonspielen begleiten. "Trotz Unterstützung durch den Bus vom Dorftreff Mosaik fehlen noch ein bis zwei Pkw als Unterstützung." Im Optimalfall würde sich ein kleiner Fahrerpool bilden, in dem sich immer einer findet, der Zeit hat.

20 Jungs, die in der 3. Kreisklasse kicken - schön und gut. Aber wenn es nach Coach Kiene geht, muss es dabei nicht bleiben. Denn in der Flüchtlingsmannschaft geht's nicht nur um Fußball, sondern auch um Integration. "Wir haben drei Spieler, die die Flüchtlingswohnanlage in Lessien verlassen haben. Die kicken jetzt in Sprakensehl und Wesendorf", freut sich Kiene. "Ich habe ihnen gesagt, dass es wichtig ist, in dem Dorf zu spielen, in dem man lebt – auch wenn der Abschied schwerfällt.“

Gifhorner Sport: Die Top-Ten-Momente 2019

Rückblick 2019 im Gifhorner Sport Zur Galerie
Rückblick 2019 im Gifhorner Sport ©

Integration ist wichtiges Thema

Und das Thema Integration soll noch intensiver verfolgt werden: Kiene befindet sich mit Nachbarvereinen in Gesprächen über eine Spielgemeinschaft für die übernächste Saison, könnte seinen Jungs so noch mehr Kontakte außerhalb der Wohnanlage bieten - und so würde vielleicht das Zuschauerinteresse an der Mannschaft steigen. In Zusammenarbeit mit der VW-Flüchtlingshilfe und dem VfL Wolfsburg gibt's auch immer mal wieder Aktionen, so unternahm das Team 2019 beispielsweise eine Fahrt in den Harz. Kienes Team könnte außerdem für andere Klubs als Talentpool dienen. "Ich hatte jetzt 51 Pässe in zweieinhalb Jahren in der Hand", so der Coach. "Vielleicht können wir talentierte Spieler auch an höherklassige Vereine weitervermitteln, die Interesse an einer Kooperation haben."

Alle interessierten Paten, Helfer und Helferinnen können sich per Mail bei Trainer Heiko Kiene melden: heiko.kiene@gmail.com.