17. April 2021 / 08:00 Uhr

Formel-1-Star Max Verstappen über den WM-Kampf mit Hamilton, sein Talent und seinen Fahrstil

Formel-1-Star Max Verstappen über den WM-Kampf mit Hamilton, sein Talent und seinen Fahrstil

Bianca Garloff und Ralf Bach
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Max Verstappen spricht im SPORTBUZZER-Interview über die aktuelle Formel-1-Saison.
Max Verstappen spricht im SPORTBUZZER-Interview über die aktuelle Formel-1-Saison. © IMAGO/HochZwei/Getty/Montage
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Max Verstappen möchte so gern Formel-1-Weltmeister werden. Ob es dazu in dieser Saison reicht? Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Niederländer unter anderem über seinen Red Bull, Lehrmeister und einen unerschrockenen Fahrlehrer.

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Max Verstappen gilt als Enfant terrible der Formel 1 – und als größter Herausforderer Lewis Hamiltons im Rennen um den WM-Titel. An diesem Sonntag (15 Uhr, Sky und RTL) will der 23 Jahre alte Niederländer in seinem Red-Bull-Boliden Hamilton und Mercedes ärgern. Im ersten Rennen der Saison in Bahrain klappte das fast. Nach einem beinharten Zweikampf mit dem amtierenden Champion reichte es "nur" zu Platz zwei. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), spricht Verstappen unter anderem über die neue Saison - und die Tatsache, dass Talent nicht alles ausmacht.

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SPORTBUZZER: Max Verstappen, haben Sie die knappe Niederlage vom Auftakt in Bahrain (Platz zwei) schon verdaut?

Max Verstappen (23): Ja. Für uns war es ein positives Wochenende, auch wenn es etwas enttäuschend war, das Rennen nicht zu gewinnen. Es deutet aber alles darauf hin, dass wir ein sehr konkurrenzfähiges Auto haben. Und ich habe gelernt, dass nach dem ersten Rennen noch nichts verloren ist.

Wie lange haben Sie noch Geduld, was den ersten WM-Titel betrifft?

Es ist nicht nur Geduld, du brauchst auch Glück. Du brauchst das Team und das Auto. Du musst im richtigen Moment am richtigen Fleck sein. Das war Lewis in den letzten Jahren auf jeden Fall.

Sie hatten zwei Lehrmeister: Ihren Vater Jos und Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Wer hat Sie mehr geprägt?

Mein Vater (Formel-1-Pilot von 1994 bis 2003; d. Red.). Er fing mit mir an zu arbeiten, als ich vier Jahre alt war und hörte erst damit auf, als ich zu Toro Rosso ging.

Verstappen: "Talent macht ungefähr 70 Prozent des Erfolges aus"

Sie gelten in der Formel 1 als der Fahrer, der das meiste Gefühl im Hintern, in Gas- und im Bremsfuß hat. Woher kommt das Talent?

Talent muss einem in die Wiege gelegt werden. Ich hatte das Glück, dass sowohl meine Mutter als auch mein Vater Rennen fuhren. Da bekam ich die Gene gleich doppelt.

Wie kann man in Bezug auf die Formel 1 Talent am besten definieren?

Talent ist, wenn einem am Anfang viele Dinge leicht von der Hand gehen. Dass man Dinge sofort richtig macht, ohne darüber nachdenken zu müssen. Aber nur mit Talent kommst du nicht weit. Talent macht ungefähr 70 Prozent des Erfolges aus. Den Rest musst du dir hart erarbeiten.

Wie würden Sie die 30 Prozent harte Arbeit beschreiben, die den Unterschied ausmachen?

Beim Kartfahren ging es zum Beispiel darum zu verstehen, wie die Reifen funktionieren oder der Motor, neben dem du ja praktisch sitzt. Mein Vater war da mein Lehrmeister. Mit der Zeit verstehst du nicht nur, wann du schnell bist, sondern auch warum. Und dann geht es darum, dich immer wieder zu verbessern. Das ist in der Formel 1 nicht anders. Man findet immer Verbesserungsmöglichkeiten, man muss sie nur suchen.

Wann haben Sie das erste Mal am Steuer eines Autos gesessen?

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Das war in unserem Mercedes-Sprinter, den wir damals für die Reisen zu den Kartstrecken brauchten. Ich war zwölf oder 13 Jahre alt. Der Sprinter stand auf einem abgesperrten Parkplatz neben der Kartstrecke. Mit dem bin ich dann ein bisschen über den Parkplatz gefahren. Ganz gesittet. Das erste Mal im Kart gesessen habe ich mit vier.

So fährt Max Verstappen privat Auto

Wie verlief Ihre Führerscheinprüfung?

Gut. Ich kann mich noch erinnern, dass ich am nächsten Tag zu einem Formel-1-Rennen fliegen musste. Das heißt: Der eine Schuss, den ich hatte, musste sitzen. Zum Glück hat es geklappt.

Ist der Fahrprüfer nicht vor Ehrfurcht erstarrt, weil er wusste, wer neben ihm sitzt?

Nein, überhaupt nicht. Der behandelte mich genauso wie alle anderen. Und das war auch richtig so.

Wie fahren Sie auf der normalen Straße? Sehen Sie lauter Hamiltons neben sich oder sind Sie völlig entspannt?

Ich fahre nicht so viel. Denn in meiner wenigen Freizeit will ich es genießen, zuhause zu sein. Wenn ich fahren muss, bin ich entspannt. Ich fahre eher gemütlich und achte auf alle Regeln. Schnell Auto fahren kann ich in der Formel 1.

Wie kann man kurz den Unterschied zwischen einem Formel-1-Auto und einem normalen PKW erklären?

Ein Rennauto ist für das Limit gebaut. Die Bremsen müssen für extreme Verzögerung sorgen, die Reifen für extreme Haftung. Wir fahren in der Formel 1 ja mit 1000 PS. Das sind Spitzenwerte. Es gibt auch Sportwagen für die Straße, die viel PS haben. Aber ein PKW muss andere Kriterien erfüllen: Er muss einfach zu fahren sein und als Fortbewegungsmittel dienen, das keinen Stress verursacht, sondern Fahrvergnügen auf hohem technischem Niveau.

Muss es immer ein Neuwagen sein? Sie haben CarNext als Partner, eine Plattform, die in großem Stil Gebraucht­wagen online vermittelt.

Das muss jeder selbst entscheiden. Ich denke, es gibt viele Gebrauchtwagen, bei denen man nicht sieht, ob sie nun gebraucht sind oder neu. Aber grundsätzlich passt ein Partner natürlich zu mir als Formel-1-Pilot, dessen Geschäft das Auto ist. Gerade wegen der Covid-Pandemie ist es umso wichtiger, seriös online einkaufen zu können. Das betrifft auch den Automarkt.