29. Januar 2020 / 16:42 Uhr

Kommentar: Die Entlassung von Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf wirft Fragen auf

Kommentar: Die Entlassung von Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf wirft Fragen auf

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Düsseldorfs Sportvorstand Lutz Pfannenstiel (l.) hat Trainer Friedhelm Funkel entlassen. Die Trennung ist unglücklich - aus verschiedenen Gründen.
Düsseldorfs Sportvorstand Lutz Pfannenstiel (l.) hat Trainer Friedhelm Funkel entlassen. Die Trennung ist unglücklich - aus verschiedenen Gründen. © imago images/Norbert Schmidt
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Die Entlassung von Friedhelm Funkel beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf mag rein sportlich keine Überraschung sein. Die Art und Weise wirft jedoch Fragen auf, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller.

Dass ein Tabellenschlusslicht in der Bundesliga unter dem Druck des Abstiegskampfes den Trainer entlässt, ist zunächst einmal keine allzu große Überraschung. Die Art und Weise, wie Fortuna Düsseldorf sich jetzt vom bei den Fans nach wie vor hoch angesehenen Friedhelm Funkel getrennt hat, wirft aber Fragen auf.

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Zum Beispiel die, warum Düsseldorfs Sportvorstand Lutz Pfannenstiel noch am Sonntag nach der 0:3-Niederlage bei Bayer Leverkusen gegenüber der Bild sagte, dass die Trainerfrage sich nicht stelle. Dass Funkel seinen Stuhl keine 72 Stunden später dann doch räumen musste, legt den Verdacht nahe: Die Trainerfrage stellte sich für die Fortuna-Bosse trotz der in Phasen ordentlichen Vorstellung im rheinischen Duell sehr wohl - und sie wurde zu Ungunsten des 66 Jahre alten Coaches, der die Erfahrung von mehr als 1000 Partien in der 1. und 2. Bundesliga mitbringt, beantwortet. Früher und eiliger, als viele das gedacht haben mögen.

Funkel-Entlassung: Fortuna Düsseldorf erntet den Spott der Konkurrenz

Einen faden Beigeschmack hat aber vor allem eines: Noch am Dienstagabend - unmittelbar vor Funkels Aus also - vermeldete die Fortuna auf ihrer Homepage, dass der Trainer zu Düsseldorfs Trainer des Jahres gewählt worden sei. Verständlich, dass ein Klub sich mit einem solchen Erfolg eines wichtigen Angestellten gerne schmückt - zumal die Auszeichnung aufgrund des geglückten Klassenerhalts in der vergangenen Bundesliga-Saison auch berechtigt ist. Dass die Nachricht aber über die vereinseigenen Kanäle publiziert wird, während hinter den Kulissen offenbar über die berufliche Zukunft und letztlich über das Karriereende des 66-Jährigen entschieden wurde, mutet grotesk an. All diejenigen, die mehr Respekt für und Vertrauen in die Fußball-Lehrer einfordern, dürften sich angesichts dieser merkwürdigen Episode bestätigt fühlen.

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Obendrein erneteten die Rheinländer auch noch den Spott der Konkurrenz. So ließ der kommende Gegner Eintracht Frankfurt, der am Samstag in der NRW-Landeshauptstadt gastiert, in einem Tweet beinahe beiläufig die Bemerkung fallen, dass Fortuna ja mit der Installation von Funkel-Nachfolger Uwe Rösler den erfahrensten gegen den unerfahrensten Bundesliga-Coach eingetauscht habe.

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Denn Düsseldorf ist Röslers erste Trainerstation im deutschen Profifußball. Weswegen man den Fortuna-Bossen zumindest eines nicht vorwerfen kann: dass ihnen der Mut zu unkonventionellen Entscheidungen fehle. Denn Rösler wird das sinkende Schiff entweder zurück auf Kurs bringen und sich damit vielleicht als eine der Trainer-Entdeckungen der Saison entpuppen. Oder er wird mit ihm untergehen - Richtung 2. Liga.