22. Februar 2018 / 15:05 Uhr

Fragwürdige Trennung: Borussia Hannover entlässt Agaoglou - Schustereit übernimmt

Fragwürdige Trennung: Borussia Hannover entlässt Agaoglou - Schustereit übernimmt

Marvin Behrens
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Borussia-Trainer Antonios Agaoglou.
Borussia-Trainer Antonios Agaoglou ist enttäuscht, will dem Verein aber nichts vorwerfen. © Priesemann
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In der Bezirksliga 2 belegt Borussia Hannover Platz 12. Der 1. Vorsitzende ist sich sicher, dass Trainer Antonios Agaoglou dafür wenig kann. Er hatte Pech mit der Personalsituation, so Schwulera. Das sieht der Trainer selbst auch so. Jetzt trennt sich die Borussia von dem Griechen und holt jenen Trainer, der eigentlich Teammanager hätte werden sollen. Wäre das passiert, wäre Agaoglou nämlich noch im Amt.

"Eine envernehmliche Trennung" - doch der fade Beigeschmack bleibt. SV Borussia Hannover hat sich von Trainer Antonios Agaoglou getrennt. Ein Nachfolger ist bereits gefunden: Guido Schustereit übernimmt den Tabellenzwölften der Bezirksliga 2, der nur zehn Punkte aus 12 Spielen holte.

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Marcel Pawlow ist nicht mehr Trainer des MTV Rethmar. Nachdem sich die Verpflichtung von Daniel Kropp zerschlagen hatte, übernahm MTV-Urgewächs Walter Rademacher den Posten des Trainers. Anfang Mai gab der Verein bekannt, dass Gero Witajewski für den Rest der Saison und darüber hinaus als Trainer wirken wird. Zur Galerie
Marcel Pawlow ist nicht mehr Trainer des MTV Rethmar. Nachdem sich die Verpflichtung von Daniel Kropp zerschlagen hatte, übernahm MTV-Urgewächs Walter Rademacher den Posten des Trainers. Anfang Mai gab der Verein bekannt, dass Gero Witajewski für den Rest der Saison und darüber hinaus als Trainer wirken wird. ©

Von Vertrauen zu Misstrauen

Vor zehn Tagen haben sich die Verantwortlichen mit Agaoglou, der in der vergangenen Saison noch Co-Trainer von Benjamin Stumpf war, zusammengesetzt. Zuvor hatte er dem 1. Vorsitzenden Dieter Schwulera die Vertrauensfrage gestellt, ob er noch der richtige Trainer für diese Mannschaft sei.

"Wir sind im Guten auseinander gegangen, aber ich bin enttäuscht"

"Ich hatte meine Zweifel, ja. Aber man hat mich die ganze Zeit gestützt", sagt der scheidende Trainer. Er bat Schwulera, sich eine Meinung von der Mannschaft einzuholen. Dort habe der Vorsitzende dem Team mitgeteilt, dass der Verein Agaoglou nur bis zum Sommer beschäftigt. Erst im Gespräch, in dem der Borussia-Trainer freigestellt wurde, konnte Agaoglou "heraushören, dass sie für die nächste Saison nicht mit mir geplant hätten".

Die Untersützung, die der selbstkritische Agaoglou erfuhr, fand im Verlaufe des Gesprächs ein jähes Ende. "Dieter hat mir gesagt, er traue mir nicht mehr zu, dass ich die Mannschaft noch erreiche. Wir sind im Guten auseinander gegangen, aber ich bin enttäuscht", gibt er offen zu.

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Umstände verhinderten bessere Platzierung

Die fehlende Kommunikation hat Folgen: "Da ist jegliche Vertraunsbasis nicht mehr gegeben", betont Agaoglou. Für den Griechen ist wichtig, dass die Mannschaft, jetzt wo er sie verlässt, auf einem Nicht-Abstiegsplatz steht. Mehr sei auch gar nicht drin gewesen: "Jetzt mal im Ernst: Mit den Problemen, die wir hatten, sind wir noch gut weggekommen. Uns haben so oft Spieler gefehlt - mehr war da gar nicht rauszuholen."

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Viel Lob für Agaoglou

Schwulera bedauert die Trennung vom "exzellenten Trainer" Agaoglou. "Wir haben die Punkte vor der Winterpause nicht eingefahren, daraufhin mussten wir uns trennen. Das sind die Mechanismen, die im Fußball sind. Wir wollen etwas anderes probieren", sagt Schwulera.

"Das zeugt von Größe und einem gewissen Selbstbewusstein"

Seine Sicht der Dinge: "Es war so, dass er nach den Gesprächen uns selber sagte: 'Wenn ihr das Gefühl habt, dass die Mannschaft einen Befreiuungsschlag braucht, will ich nicht im Wege stehen.' Es war eine gemeinschaftliche Entscheidung", so der Vorsitzende, der für die Aufrichtigkeit des halbjährigen Übungsleiter nur Lob übrig hat: "Wir fanden das von Toni eine unheimlich großzügige Geste. Das zeugt von Größe und einem gewissen Selbstbewusstsein."

Schustereit: Erst als Manager vorgesehen, jetzt Trainer

Als es auf die Winterpause zuging, wollte Borussia Hannover einen Manager installieren. Ihr Spitzenkandidat war Guido Schustereit, der nach einiger Bedenkzeit absagte. Wäre diese Konstellation zu Stande gekommen, wäre der Bezirksligist mit Manager Schustereit und Trainer Agaoglou in die Rückrunde gegangen. Der Ist-Zustand: Schustereit hat Agaoglous Trainerposten eingenommen. "Wir hatten im Herbst versucht, ihn als Manager zu etablieren. So kam der Kontakt zu Stande. Guido hat natürlich auch einen Ruf. Wir wussten, dass er schon einiges bewegt hat."

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Schwulera wollte einen neuen Impuls

Umso verwunderlicher, in welchen Tönen der Vorsitzende über den Ex-Coach spricht. "Ein exzellenter Trainer", der "prima Training" macht. Aber warum dann die Trennung? "Manchmal ist man in einer Sackgasse, aus der man nur mit einem Befreiuungsschlag rauskommt. Um die Qualität des Trainers geht es nicht, es geht darum, jemand anderem zuzutrauen, den Hebel umzulegen", lautet die Intention der Borussia. Agaoglou habe einfach Pech gehabt, dass der geplante Neuaufbau im Sommer mit einigen Spielern nicht funktionierte und stets eine andere Mannschaft am Spieltag zusammengestellt werden musste.

"Ich hätte es geschafft"

Priorität hat nun der Liga-Verbleib: "Wir wollen nur nicht absteigen und natürlich wollen wir keine Fahrstuhl-Mannschaft sein. Borussia gehört in die Bezirksliga und wir wollen uns dort etablieren", definiert Schwulera die Ziele des Sportvereins.

Agaoglou ist sich indes sicher: "Ich bin überzeugt, dass wir die Klasse gehalten hätten. Ich hätte es geschafft."

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