12. März 2019 / 12:16 Uhr

Frahn entschuldigt sich für Nazi-Shirt – Winkler: Bärendienst für Sachsen

Frahn entschuldigt sich für Nazi-Shirt – Winkler: Bärendienst für Sachsen

Matthias Puppe
Eklat dann während der Partie: Stürmer Daniel Frahn bekommt nach einem Tor ein T-Shirt gereicht.
Eklat während der Partie: Stürmer Daniel Frahn bekommt nach einem Tor ein T-Shirt gereicht. © imago images / HärtelPRESS
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Daniel Frahn bereut, dass er am Samstag mit einem Shirt in die Chemnitzer Fankurve lief, das Neonazi-Gruppen zugerechnet wird. Am Mittwoch spielt der CFC in Berlin - womöglich ohne Frahn.

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Chemnitz. Daniel Frahn, Stürmer beim Chemnitzer FC, bereut seinen Torjubel mit Neonazi-Shirts am vergangenen Samstag beim Heimspiel gegen die VSG Altglienicke. „Das Shirt, dass ich hoch gehalten habe, diente nicht dazu, ein politisches Statement zu setzen. Mir war auch nicht bewusst, dass dieses Shirt so tief in der Neo-Nazi Szene verankert ist. Dafür möchte ich mich aufrichtig und ehrlich entschuldigen“, schrieb der frühere Kapitän von RB Leipzig auf seinem Facebook-Account.

Er sei definitiv kein Sympathisant der rechten Szene. „Ich stehe für Respekt, Offenheit, Meinungsfreiheit und Toleranz. Viele meiner Freunde kommen aus den verschiedensten Ländern dieser Welt und vor allem meine Familie mit Migrationshintergrund-Tante, Cousins und deren Familie liebe ich über alles“, so Frahn weiter.

Sportgericht entscheidet über Strafe

Ob diese Worte dem 31-Jährigen auch vor dem Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) helfen werden, ist noch unklar. Im Raum steht bei der nicht öffentlichen Verhandlung eine Geldstrafe und Sperre wegen unsportlichen Verhaltens. Diese könnte Frahn bereits am Mittwochabend zum Nachholspiel der Chemnitzer beim alten Rivalen BFC Dynamo im Berliner Jahn-Sportpark treffen (19 Uhr). CFC-Trainer David Bergner plant zumindest fest mit seinem besten Stürmer.

DURCHKLICKEN: Der CFC und seine Fans trauern um einen Neonazi

Schweigeminute vor dem Anpfiff: Ruhe in Frieden, Tommy, steht auf einem Banner. Der Fanblock zündet Pyrotechnik. Zur Galerie
Schweigeminute vor dem Anpfiff: "Ruhe in Frieden, Tommy", steht auf einem Banner. Der Fanblock zündet Pyrotechnik. ©
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Frahn war am Samstag beim 3:2-Führungstreffer der Himmelblauen in die Fan-Kurve gelaufen und hatte dort ein Shirt mit der Aufschrift "Support Your Local Hools“ gezeigt. Das Textil wird der rechtstradikalen Szene zugerechnet, nimmt Bezug auf die frühere Chemnitzer Hooligan-Gruppe HooNaRa – Kurzform für Hooligans Nazis Rassisten. Vor und während der Partie gedachte die Fanszene aufwendig dem verstorbenen HooNaRa-Chef Thomas Haller – der jahrelang unter anderem Chef der CFC-Security war. Auf der Videoleinwand im Stadion wurde ein Bild des bekannten Neonazis als Traueranzeige gezeigt, es gab auch kondolierende Stadiondurchsagen.

SFV-Präsident: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe

„Die Vorkommnisse haben mich erschüttert, der CFC hat dem Fußball, dem Land Sachsen und der Stadt Chemnitz einen Bärendienst erwiesen“, sagte Sachsens Fußball-Präsident Hermann Winkler (55, CDU) am Dienstag gegenüber der LVZ. Winkler mit Blick auf die Tabelle in der Regionalliga Nordost: „Ausgerechnet jetzt, wo wir ein Team haben, das den direkten Aufstieg in die dritte Liga schaffen kann, passiert so etwas.“

Der CFC hat elf Punkte Vorsprung vor dem Berliner AK, ist souveräner Tabellenführer. Daran würde auch ein möglicher Punktabzug durch das Sportgericht des NOFV nichts ändern, so Winkler weiter. Zur Causa Frahn sagte der Europa-Abgeordnete: „Ich mag Daniel Frahn als Typ und als Fußballer. Aber Unwissenheit, wenn es denn eine war, schützt vor Strafe nicht.“

Nach der Entlassung von Fanbetreuerin und Stadionsprecher sowie eine Strafanzeige bei der Chemnitzzer Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt legte auch CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon – seit Zahlungsunfähigkeit starker Mann im Verein – am Dienstag noch einmal nach. Auf Twitter schrieb der Rechtsanwalt: „Die Erledigung von Sicherheit in Stadien durch private Sicherheitsdienste ist Einfallstor für rechtsextreme Ideologien, sichert deren Finanzierung und untergräbt das staatliche Gewaltmonopol.“ Er reagierte damit auf Bundesinnenminister Horst Seehofer, der zuvor gefordert hatte, dass „die Verantwortlichen beim Chemnitzer FC und beim Nordostdeutschen Fußballverband die erforderlichen Konsequenzen ziehen.“

Mehr zum Nazi-Eklat in Chemnitz

Bereits am Sonntag hatte die Sparkasse Chemnitz angekündigt, ihr finanzielles Engagement beim Regionalligisten nicht weiter fortsetzen zu wollen. Wie die Freie Presse am Dienstag berichtet, schlossen sich nun auch Chemieanlagenbau Chemnitz und der Telekommunikationsdienstleister Komsa an und erklärten, ihre Verträge aufgrund der Vorkommnisse beim Verein auslaufen lassen. Andere Unternehmen, wie die Wernesgrüner Brauerei, distanzierten sich von den Vorfällen, ließen weitere Schritte aber noch offen.

Der Chemnitzer FC erstattet Strafanzeige gegen Unbekannt und sagt den Ermittlungsbehörden seine vollständige Unterstützung zu. Alle Infos 👉 bit.ly/CFC_News #CFC

Gepostet von Chemnitzer FC am Montag, 11. März 2019

Rechte Fangruppen seit Jahren beim CFC aktiv

Beim Chemnitzer FC sind seit Jahren auch rechte Fangruppen aktiv - die zum Teil vom Verfassungschutz beobachtet werden. Seit 2004 gibt es die Gruppierung New Society Boys, abgekürzt NS Boys, im himmelblauen Anhang. Der Verfassungsschutz stuft die Boys mit Hitlerjungen im Logo ebenso wie Kaotic Chemnitz als rechtsextremistisch ein. Bei den Chemnitzer Hetzjagden auf Migranten im August 2018 sollen Gruppenmitglieder ein tragende Rolle gespielt haben. Verbindungen gibt es auch zur teilweise ähnlich politisch aktiven Fanszene von Energie Cottbus. Wohl nicht zufällig waren am Samstag im Energie-Stadion auch Beileidsbekundungen für Thomas Haller zu sehen.

Im CFC-Fanblock wurde in Gedenken an Tommy Haller ein großes Kreuz gezeigt.
Im CFC-Fanblock wurde in Gedenken an Tommy Haller ein großes Kreuz gezeigt. © imago images / HärtelPRESS

Der Neonazi galt vor allem in den 1990er Jahren als zentrale Figur in der gewaltbereiten Chemnitzer Szene. Kurz nach der Wende hatte Haller die Gruppe HooNaRa gegründet – Kurzform von „Hooligans Nazis Rassisten“. Später wurde Haller trotz politisch extremer Positionen Chef der Stadion-Security beim Chemnitzer FC und blieb es bis 2006. Rassistische Aussagen in einem Interview wurden ihm dann aber zum Verhängnis. HooNaRa ist im Gegensatz zu NS-Boys und Kaotic Chemnitz inzwischen offiziell aufgelöst, aber dennoch immer noch präsent.

Matthias Puppe / Guido Schäfer / Antje Henselin-Rudolph

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