24. Januar 2020 / 18:00 Uhr

Frankfurt-Blogger Brink: „Alle da oben zehren davon, dass die Bayern ein wenig durchhängen“

Frankfurt-Blogger Brink: „Alle da oben zehren davon, dass die Bayern ein wenig durchhängen“

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Thorsten Brinks Herz gehört der Eintracht.
Thorsten Brinks Herz gehört der Eintracht. © Getty Images / Privat
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Thorsten Brink bloggt seit zwei Jahren über Eintracht Frankfurt. Der Elfte empfängt am Samstag (15.30 Uhr) Bundesliga-Tabellenführer RB Leipzig. Im Interview spricht der 41-Jährige über die mäßige Hinrunde der Frankfurter, warum er im Urlaub mit seinem Schwager mit Tränen in den Augen auf einer Eckbank stand und welchen RB-Spieler er gern im Eintracht-Kader hätte.

Wie und wann sind Sie Fan geworden?

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Ich hab` als Kind immer vor dem Fernseher gesessen und über meinen Papa gemotzt, wenn er Fußball im Fernsehen geschaut hat. Irgendwann hat es meinem Papa gereicht und er hat mich und meinen Onkel mit zur Eintracht geschleift. Das war in der Saison 1992/93 im Oktober, bei einem Heimspiel gegen Stuttgart. Da saß ich in diesem alten Waldstadion auf der unüberdachten Gegentribüne, neben uns der Fanblock, habe diese Atmosphäre in mich eingesaugt – und dann war es passiert. Das war die Zeit mit Jay-Jay Okocha, Maurizio Gaudino und Tony Yeboah. Zwei Jahre später – mit 16 – hatte ich dann meine erste Dauerkarte.

Warum gibt es keinen geileren Club als die Eintracht in ihren Augen?

Das sind viele Sachen. Frankfurt ist schon eine spezielle Stadt. Vom heruntergekommenen Bahnhofsviertel bis zu den noblen Ecken im Bankersviertel. Und diese Vielfalt – vom Arbeitslosen bis zum hochbetuchten Rechtsanwalt, vom Einheimischen bis zum Zuwanderer – spiegelt sich auch im Stadion wieder. Dann der große Enthusiasmus auf den Rängen, da kann in kritischen Situationen der Funke dermaßen überspringen. Das gibt es bei anderen Clubs, bei denen ich bisher im Stadion war, nicht überall. Die Fans machen tolle Choreografien – zuhause und auswärts. Wir sind einfach eine große Familie.

DURCHKLICKEN: So lief es bisher zwischen RB und Frankfurt

21.01.2017: RB Leipzig gewinnt nicht zuletzt dank eines Torwart-Blackouts samt Roter Karte das Verfolger-Duell gegen Eintracht Frankfurt klar und wahrt den Drei-Punkte-Rückstand auf den FC Bayern München. Der Tabellenzweite setzt sich am zunächst mit etwas Mühe trotz langer Überzahl, am Ende aber verdient mit 3:0 (2:0) durch.
 Marvin Compper, Timo Werner und Eintracht-Profi Jesus Vallejo (67.) mit einem Eigentor erzielen die Treffer für die Leipziger, die die Hinrunde als Aufsteiger mit sensationellen 39 Punkten abschließen.  Zur Galerie
21.01.2017: RB Leipzig gewinnt nicht zuletzt dank eines Torwart-Blackouts samt Roter Karte das Verfolger-Duell gegen Eintracht Frankfurt klar und wahrt den Drei-Punkte-Rückstand auf den FC Bayern München. Der Tabellenzweite setzt sich am zunächst mit etwas Mühe trotz langer Überzahl, am Ende aber verdient mit 3:0 (2:0) durch. Marvin Compper, Timo Werner und Eintracht-Profi Jesus Vallejo (67.) mit einem Eigentor erzielen die Treffer für die Leipziger, die die Hinrunde als Aufsteiger mit sensationellen 39 Punkten abschließen.  ©

Haben Sie einen Lieblingsmoment aus all den Jahren?

Jeder Eintracht-Fan hat wahrscheinlich einige, weil wir nicht so viele Erfolge sammeln wie die großen Clubs. Der letzte große Moment war ganz klar der Pokalsieg von 2018.


Wie haben Sie den Triumph über die Bayern erlebt?

Wir waren mit der gesamten Familie in Österreich im Urlaub in einer Ferienwohnung mit viel zu kleinem Röhrenfernseher, mein Schwager und ich als Eintracht-Fans und meine Schwiegermutter als Bayern-Fan. Das war ein absolutes Highlight, das in so einem Umfeld zu erleben.

Und dann kam dieses berühmte Tor in der Nachspielzeit, als Gacinovic allein auf den Bayern-Kasten zulief und zum 3:1 traf.

Mein Frau hat nur noch gerufen: Die Kinder schlafen. Mir war das herzlich egal. Die zwei Eintracht-Fans standen mit Tränen in den Augen auf der Eckbank und haben sich umarmt. Mein Schwiegervater fragte, ob er uns noch in irgendeine Kneipe fahren soll. Wir sind dann da geblieben, haben aber die Getränkevorräte des Vermieters geplündert. Der nächste Morgen begann für mich sehr sehr spät.

Internationale Pressestimmen: Frankfurt ist DFB-Pokal-Sieger

Eintracht Frankfurt ist sensationell DFB-Pokal-Sieger. Das schreibt die internationale Presse zum Triumph gegen den FC Bayern München. Klickt euch durch unsere Galerie! Zur Galerie
Eintracht Frankfurt ist sensationell DFB-Pokal-Sieger. Das schreibt die internationale Presse zum Triumph gegen den FC Bayern München. Klickt euch durch unsere Galerie! ©

Seit 2017 betreiben Sie mit zwei Freunden den „Maintracht“-Blog. Wie kam es dazu?

Das ist mit einem Kumpel zusammen aus einer Bierlaune heraus entstanden. Und dann haben wir es einfach mal versucht. Auch als eine Art persönliches Ventil, um mal den Frust vom letzten Spiel von der Seele zu schreiben.

War es für Ihre Mannschaft mit Platz 13 eine durchschnittliche oder schlechte Hinrunde?

Weder noch. Der Eintracht-Fan ist ja einiges gewohnt, wenn wir uns die letzten Jahre mal anschauen. Von großen Erfolgen wie dem DFB-Pokal und dem Euro-League-Halbfinale bis zum in der Relegation gerade noch geschafften Klassenerhalt war alle dabei. Ich würde sagen, die Hinrunde war noch ganz in Ordnung. Der Schluss, okay, machen wir mal ein Deckelchen drüber, das kann passieren. Aber das 2:1 in Hoffenheim zum Rückrunden-Auftakt hat uns wieder etwas Hoffnung gemacht.

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Wo hat die Eintracht auf dem Rasen das größte Potenzial für Verbesserungen?

Wir haben im Moment am ehesten ein Problem im Mittelfeld. Da fehlt es an einem Strippenzieher, der das Spiel ein bisschen lesen, lenken und leiten kann. Da müssten wir was tun. Und auch taktisch war das Team zu ausrechenbar, weil wegen der ganzen Euroleague-Spiele kaum Zeit war, einen Plan B einzustudieren. Aber Adi Hütter scheint das in der Vorbereitung für die Rückrunde angegangen zu sein. Gegen Hoffenheim ließ er mit Viererkette spielen.

Wer war der Spieler der Hinrunde?

Da gibt es nur einen: Filip Kostic. Weil der immer motiviert war, weil der immer quirlig war, weil der immer seine Leistung gebracht hat. Er war auch in der schlechten Phase der einzige, der mit 110 Prozent auf dem Platz war und versucht hat, das Ding alleine herumzureißen.

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Welcher Abgang (Ante Rebic, Sebastian Haller, Luka Jovic) hat am meisten wehgetan – und warum?

Für mich Haller. Der hat einfach mehr getan als die anderen beiden. Der hat Torjäger-Qualitäten, der hat auch mannschaftsdienlich mitgearbeitet. Hat Lücken gerissen, hat sich aufgerieben und Gegner gebunden. Jovic dagegen hat gelauert und gewartet und dann hat er genetzt. Das kann man – glaube ich – am ehesten ersetzen. Und dass Rebic nicht immer hoch motiviert ist, habt ihr ja in Leipzig auch schon mitbekommen.

Welchen Spieler von RB hätten Sie gern im Kader?

Da schlage ich den Bogen zu Haller und würde den Sabitzer nehmen. Das ist auch so einer, der technisch versiert ist, den Gegner bindet und Torgefahr ausstrahlt. Er könnte diese Lücke, die Haller hinterlassen hat, locker auffüllen.

Ihr Tipp für Samstag?

Die Spiele gegen Leipzig waren immer eng, im Hinspiel haben wir unglücklich mit 1:2 auf die Mütze gekriegt. Gefühlt hatte RB aber nur drei Torschüsse. Zwischen einem 3:0 und einem 0:5 ist für mich alles drin. Aber ich kann einfach nicht gegen die Eintracht wetten. Daher packe ich meinen Vorsichtstipp aus und sage: Wir rocken das Ding 2:1, aber Timo Werner macht wie immer sein Tor.

Wäre Ihnen ein Sieg im DFB-Pokal am 4. Februar gegen Leipzig lieber oder ein Dreier in der Liga?

Beides wäre mir natürlich lieb. Wenn ich mich tatsächlich entscheiden müsste, würde ich sagen im Pokal. Denn in der Liga kann ich mir nicht vorstellen, dass die Eintracht so die Kurve kriegt, dass es noch mit der Qualifikation für Europa reicht. Und warum nicht wieder nach Berlin fahren? Wir hatten ein Jahr Pause, es ist wieder Zeit (lacht).

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom 2:1 gegen Frankfurt im Hinspiel

RB Leipzig - Eintracht Frankfurt (2:1) Zur Galerie
RB Leipzig - Eintracht Frankfurt (2:1) ©

Finden Sie es gut, dass die Bundesliga auch durch Leipzigs Erfolg spannender geworden ist?

Was soll ich dazu sagen? Ich habe zu RB wie viele ein gespaltenes Verhältnis. Was da auf den Platz gebracht wird, das zeugt von echt guter Arbeit. Wenn ich aber sehe, dass es da keine wirklichen Mitglieder gibt oder lese, dass mit Red Bull Salzburg über Transfers angeblich hart verhandelt wurde, dann kann ich nur müde lächeln. Ja, die Liga ist dieses Jahr spannender. Aber nicht nur wegen Leipzig, auch Mönchengladbach lag lange auf Platz eins. Alle da oben zehren gerade davon, dass die Bayern ein wenig durchhängen.

Welchem Club aus den Top-Fünf würden Sie die Meisterschaft dieses Jahr am meisten gönnen?

Ich würde sagen: Mönchengladbach. Die machen eine ehrliche Arbeit und können von mir aus gern den Meistertitel holen.

Wo wird die Eintracht am Ende der Saison stehen?

Wenn wir es schaffen die Punkteausbeute aus der ersten Saisonhälfte zu wiederholen, mit ein, zwei Siegen mehr gegen die Gegner, gegen die es in der Hinrunde nicht geklappt hat, dann bin ich optimistisch, dass wir uns im Mittelfeld manifestieren. Nach unten mache ich mir keine Sorgen.