02. November 2019 / 06:00 Uhr

Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic über Bayern-Trainer Niko Kovac, Ehrlichkeit im Fußball und die Eintracht-Fans

Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic über Bayern-Trainer Niko Kovac, Ehrlichkeit im Fußball und die Eintracht-Fans

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eintracht-Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic äußert sich im SPORTBUZZER-Interview über die Kritik an seinen ehemaligen Coach bei der SGE und heutigen Bayern-Trainer Niko Kovac.
Eintracht-Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic äußert sich im SPORTBUZZER-Interview über die Kritik an seinen ehemaligen Coach bei der SGE und heutigen Bayern-Trainer Niko Kovac. © imago images / Jan Huebner
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Fredi Bobic steht für den Erfolg von Eintracht Frankfurt: Vor dem Kracher gegen den FC Bayern München am Samstagnachmittag spricht der Sportvorstand im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über Ehrlichkeit im Fußball, Bayern-Trainer Niko Kovac und dessen jüngste Aussagen über die SGE-Fans sowie über die Angriffe der Ultras.

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SPORTBUZZER: Herr Bobic, das Spiel der Eintracht gegen den FC Bayern ist am Samstag um 15.30 Uhr live im ZDF zu sehen – begrüßen Sie diese Entscheidung?

Fredi Bobic (48): Ich finde es einen guten Service der Liga, dass man im TV-Vertrag verankert hat, auch mal ein Spiel frei zu zeigen. Wir freuen uns natürlich, dass wir diesmal dabei sind.

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Können Sie ihrem Vater erklären, was er wann und wo schauen kann?

(lacht) Nein, mein Vater schaut ganz oldschool die Sportschau. Einen Sky-Receiver kann er auch noch bedienen, aber wenn es um Streamingdienste oder ähnliches geht, wird es eng. Wichtig ist, dass man den „Couchsportlern“ diesen Zugang weiterhin ermöglicht, aber im Blick behält, was in der nächsten Generation kommt. Grundsätzlich gilt, dass man die Kraft der Romantik mitnimmt, aber dennoch dynamisch nach vorne arbeitet – in allen Bereichen. Beispielsweise auch, wenn man ins Stadion geht. Irgendwann wird man hier alles über eine App steuern, vom Ticket bis zur Bratwurst. Wir sind in einer Übergangsphase, aber die Digitalisierung wird sich nicht mehr aufhalten lassen.

Mit Niko Kovac kommt ein alter Bekannter nach Frankfurt, der nach dem Pokalspiel in Bochum sagte, man treffe „auf die besten Fans der Liga“.

Da hat er ja auch recht (lacht). Ich glaube, dass Niko während seiner Zeit bei uns mitbekommen hat, was bei der Eintracht abgeht. Ihm wird das jetzt wieder negativ ausgelegt, dabei war er wie immer nur authentisch und ehrlich – das finde ich echt schade.

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Fredi Bobic: "Wenn ich nicht lügen möchte, sage ich lieber nichts"

Kann man in seinem oder ihrem Job überhaupt noch ehrlich sein?

Es ist schwierig. Ich bin auch jemand, der immer seine Meinung sagt. Egal, was andere denken. Ich versuche es hinzubekommen. Wenn ich nicht lügen möchte, sage ich lieber nichts, so handhabe ich das normalerweise.

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Als es zuletzt um die Anfeindungen einiger Fans gegen den neuen Nachwuchschef Andreas Möller ging, haben Sie gesagt: „Die Meinung der Ultras interessiert mich nicht.“ Nicht gerade die diplomatischste Aussage …

Das war auf eine sehr kleine Personengruppe reduziert und ausschließlich auf die Situation bezogen. Es kam dann so rüber, als hätte ich gesagt, dass mich die Meinung der Fans nicht interessiert – das ist Humbug. Jeder, der mich kennt, weiß das. Aber wenn einer meiner Mitarbeiter oder jemand aus meinem Umfeld als „Hurensohn“ bezeichnet wird, ist für mich eine Grenze erreicht, an der ich sage: Über dieses Thema will ich mit Euch nicht mehr diskutieren, Punkt! Da verlassen wir die Ebene der Sachlichkeit und kommen auf ein Niveau, das kann und darf ich in meiner Position nicht zulassen und werde es auch künftig so handhaben – auch bei heiklen Themen. Am sachlichen, konstruktiven Dialog war und bin ich immer interessiert.

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Würden Sie sich diese Offenheit auch von anderen Kollegen wünschen?

Viele sind doch von der Angst getrieben, das ist ein großes Problem. Niemand will Fehler machen, weil er um seinen Job bangt. Ich bin der totalen Überzeugung, dass man sogar Fehler machen muss und Meinungen äußert – das Recht steht einem zu. So war ich schon als Spieler. Wer Angst hat, Dinge zu verändern, wird nicht weiterkommen. Man muss den Ton treffen und Hierarchien nicht vergessen, aber wir sollten insgesamt in der Gesellschaft mutiger sein. Da geht vieles verloren.

Das musste auch Kovac bei Bayern mitunter merken. Haben Sie manchmal Mitleid mit ihm?

Nein, weil es hier nicht um eine schlimme Krankheit oder Armut geht. Wir alle arbeiten in einer extrem exklusiven Branche. Was mir leid tut ist, dass man sich Probleme in tollen Klubs macht, die von außen betrachtet unnötig wirken. Aber das müssen die Bayern oder die Dortmunder mit sich selbst ausmachen. Jeder hat da andere Strukturen und Herangehensweisen.

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"Jeden Tag eine große Freude, wenn man sieht, wie cool man die Eintracht wieder findet"

Wo sieht Fredi Bobic sich und die Eintracht in fünf Jahren?

Mein Ziel ist es, dass wir uns nie mehr Kopfschmerzen über den Klassenerhalt machen müssen – auch wenn ich eines Tages mal weg bin. Wir haben schon vieles geschafft, müssen in vielen Bereichen aber noch viel mehr aufholen – das ist jeden Tag eine große Freude und eine tolle Geschichte, wenn man sieht, wie cool man die Eintracht inzwischen wieder findet. In Frankfurt, in Deutschland, sogar in Europa. Das möchte ich gerne noch weiter mit vorantreiben – wie lange auch immer. Was danach eines Tages kommt – mal sehen. Bei einem Verband sehe ich mich – Stand jetzt – jedenfalls nicht. Ach nee, Stand jetzt bedeutet ja: ich mache es ... (lacht). Im Ernst: So eine politische Funktion wäre nichts für mich.

Am 10. November jährt sich der Tod von Robert Enke zum zehnten Mal. Was hat sich seitdem verändert?

Ich glaube schon, dass es im Sport kein Tabuthema mehr ist, dass man einen Psychologen hat oder einen Mentaltrainer – sogar im Jugendbereich. Wir schauen darauf, wie man mit Druck umgeht, usw. Aber es wird und wurde viel geredet und versprochen – und im Alltag geht dann doch das meiste unter. Das muss man ganz ehrlich zugeben.

Würden Sie einem Spieler, der sich outen will, raten, es zu tun?

Ich würde ihn gemeinsam mit unseren Kommunikationsexperten maximal unterstützen. Weil das eine ganz persönliche Entscheidung ist. Für mich ändert sich dadurch sowieso nichts. Aber wir müssten versuchen, es so zu kommunizieren, dass möglichst viele Leute es verstehen und akzeptieren. Alle wirst du ohnehin nicht abholen können.

Fredi Bobic: Seine Zeit bei Hannover 96.

Kurz vor Schluss der Transferperiode wechselte Fredi Bobic im Sommer 2002 zum Aufsteiger Hannover 96. Hier mit Trainer Ralf Rangnick und Manager Ricardo Moar. Zur Galerie
Kurz vor Schluss der Transferperiode wechselte Fredi Bobic im Sommer 2002 zum Aufsteiger Hannover 96. Hier mit Trainer Ralf Rangnick und Manager Ricardo Moar. ©
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