20. Januar 2020 / 10:01 Uhr

Frankreich-Trainer Deschamps klagt über Termin-Irrsinn: "Die Alarmglocken schrillen"

Frankreich-Trainer Deschamps klagt über Termin-Irrsinn: "Die Alarmglocken schrillen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Didier Deschamps klagt über den engen Terminkalender und die damit verbundenen Verletzungen - etwa von Bayern-Profi Kingsley Coman und Leroy Sané von Manchester City.
Didier Deschamps klagt über den engen Terminkalender und die damit verbundenen Verletzungen - etwa von Bayern-Profi Kingsley Coman und Leroy Sané von Manchester City. © imago images/eu-images
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In der Debatte um den überfüllten Terminkalender im Profifußball warnt Frankreichs Weltmeister-Trainer Didier Deschamps eindringlich vor einer Überlastung der Stars. Der 51-Jährige kritisiert auch die Verbände. Im Fußball fehle es an Zusammenhalt.

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Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps hat sich in die Debatte um den vollen Terminkalender im Profifußball zu Wort gemeldet - und eindringlich vor einer Überlastung der Stars gewarnt. In den letzten Monaten hatten sich in den Topligen Verletzungen von Spielern gehäuft, in der englischen Premier League zogen sich allein in der hektischen Weihnachtsperiode 53 Profis Blessuren zu. Für Deschamps eine direkten Folge des Termin-Chaos. "Ich habe kaum Hoffnung, dass sich daran etwas ändert", klagte der 51-Jährige in seiner Kicker-Kolumne. Der Kalender "wird platzen", urteilte Deschamps.

Deschamps ärgert sich über mangelnden Zusammenhalt im Fußball

Aus Sicht des Weltmeister-Trainers sind vor allem die unterschiedlichen Interessen-Lagen von FIFA, UEFA und den nationalen Verbänden Schuld am randvollen Fußball-Kalender, weil jeder am boomenden Geschäfts partizipieren will - zu Lasten der Spieler. Deschamps nennt als Beispiel die anstehende Klub-WM mit 24 Mannschaften in China. Schon bei der bisher letzten Austragung in Katar hatte es unter anderem den FC Liverpool erwischt, der wegen einer Terminüberschneidung im englischen Ligapokal nur seine U23 auf den Platz schickte und unterlag. Trainer Jürgen Klopp war stocksauer, drohte zunächst sogar mit einem Boykott.

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Für Deschamps liegt das Problem auf der Hand. "Nach meiner Ansicht fehlt es an Zusammenhalt im Fußball", sagte der frühere Juventus- und Marseille-Trainer, der seit 2012 für die Equipe Tricolore verantwortlich ist. "Und man kümmert sich nicht ausreichend um die Gesundheit der Spieler." Als Beispiel führt er sein eigenes Team an. 2019 zogen sich unter anderem Frankreichs Stars Hugo Lloris, Lucas Hernandez, Paul Pogba und Ousmane Dembélé teils schwere Verletzungen zu - ähnlich wie Kingsley Coman vom FC Bayern. Deschamps: "Auch wenn die Profis immer athletischer und belastbarer werden, müssen sie alle drei Tage Leistung bringen."

"Selbst die austrainierten Körper junger Sportler machen das dauerhaft nicht mit"

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"Die Alarmglocken schrillen immer lauter", sagte Deschamps, "zumal auch die jungen Spieler vermehrt davon betroffen sind. Einige von ihnen absolvieren mehr als 60 Spiele im Jahr bei immer kürzer werdenden Pausen." Nach seiner Meinung sind die Verletzungen der Spieler eine direkte Folge dieser Mehr-Belastung. Deschamps erklärt das Dilemma, dem im Sommer auch ManCity-Star Leroy Sané zum Opfer fiel: "Die Spielzeiten enden spät und haben dann verkürzte Vorbereitungszeiten zur Folge. Die Klubs, die die Profis auch bezahlen, wollen sie schnell wieder zum Einsatz bringen. Einige Spieler kommen dann mit zu kurzer Vorbereitung wieder zum Einsatz. Die sommerlichen Tourneen und Reisen sind ein zusätzlicher Stress mit Zeitumstellungen und klimatischen Veränderungen. Selbst die austrainierten Körper junger Sportler machen das ein paar Jahre mit, aber nicht dauerhaft."