06. April 2021 / 22:37 Uhr

Franz vorm Duell seiner Ex-Klubs: "In Wolfsburg entwickelt sich etwas ganz Besonderes"

Franz vorm Duell seiner Ex-Klubs: "In Wolfsburg entwickelt sich etwas ganz Besonderes"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schaut auf das Duell seiner beiden Ex-Vereine: Maik Franz, der sowohl für den VfL Wolfsburg als auch für Eintracht Frankfurt spielte.
Schaut auf das Duell seiner beiden Ex-Vereine: Maik Franz, der sowohl für den VfL Wolfsburg als auch für Eintracht Frankfurt spielte.
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Erst VfL Wolfsburg, später dann Eintracht Frankfurt - Maik Franz verbindet mit diesen Teams, die am Samstag aufeinandertreffen, besondere Erinnerungen.

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Der Dritte beim Vierten: Der VfL Wolfsburg muss am Samstag (15.30 Uhr) zu Eintracht Frankfurt reisen - ein Spitzenspiel, auf das sich Maik Franz besonders freut, denn der mittlerweile 39-Jährige hat für den VfL die meisten (91) und für die Eintracht die zweitmeisten (50) seiner insgesamt 192 Spiele in der Fußball-Bundesliga absolviert. Warum sind beide Teams in diesem Jahr so gut? Schaffen es beide in die Champions League? Das verrät Franz, der heute Profis aller Sportarten bei Verletzungen sowie Versicherungs- und Steuerfragen berät, im großen SPORTBUZZER-Interview.

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Mit welchem Gefühl schauen Sie auf das Duell Ihrer beiden Ex-Klubs am Samstag?

Erst mal freue ich mich riesig für beide, weil beide eine super Saison spielen. Die Frankfurter liefern schon seit mehreren Jahren einen tollen Job ab. Da geht es richtig voran, auf dem Platz, aber auch daneben. Der Verein hat viel gemacht in Sachen Infrastruktur. Und der VfL spielt nach einem nicht so guten Start eine brutal gute Saison. Nach dem öffentlichen Knatsch zwischen dem Trainer und dem Manager in der Hinrunde haben sie fast jedes Spiel gewonnen. Diese Konstanz ist beeindruckend.

Wenn Ihnen jemand vor der Saison gesagt hätte, am 28. Spieltag spielt der Dritte Wolfsburg beim Vierten Frankfurt…

...dann hätte ich das demjenigen nicht geglaubt. So Sechster gegen Siebter, Kampf um Europa, mit so etwas hätte man rechnen können. Aber dass das Spiel jetzt vorentscheidenden Charakter im Kampf um die Champions League hat, das habe ich nicht erwartet.

Warum sind die Frankfurter in diesem Jahr so gut?

Sie sind ja nicht nur in diesem Jahr so gut, sondern waren es auch in den vergangenen Jahren. Das hängt mit dem stabilen Umfeld des Klubs zusammen. Sie haben mit Fredi Bobic einen Sportvorstand, der seit Jahren einen überragenden Job macht. Zusammen mit seinem Scouting-Team holt er immer wieder Spieler, die innerhalb kürzester Zeit in der Liga durchstarten. Es ist ja nicht so, dass das ein, zwei Glückstreffer waren, sondern es war eine Vielzahl an Spielern, die von ihm geholt wurden und die dann durch die Decke gegangen sind. Respekt davor. Und dann haben sie mit Adi Hütter einen Trainer, der es immer wieder schafft, diese vielen Nationen, die es bei der Eintracht gibt, zu einer Mannschaft zu formen.

Und warum ist der VfL in diesem Jahr so erfolgreich unterwegs?

Da können Sie fast die Schablone drauflegen… Du hast mit Jörg Schmadtke als Manager und Marcel Schäfer als Sportdirektor zwei geholt, die sich perfekt ergänzen. Auf der einen Seite ist da Schmadtke, der im Fußball schon alles gesehen hat, der total viel Erfahrung hat. Und Marcel ist jemand, der hungrig, total wissbegierig und zuverlässig ist, zudem kennt er durch seine lange Zeit als Spieler des Klubs Stadt und Werk bestens. Diese Kombination ist einfach ideal. Dazu noch ein Trainer, der zwar seine eigene Meinung hat, sich aber auch einordnen kann – das ist alles stimmig. Ich finde: In Wolfsburg entwickelt sich gerade etwas ganz Besonderes.

VfL Wolfsburg gegen Köln - Die Bilder

Siegtorschütze Josip Brekalo. Zur Galerie
Siegtorschütze Josip Brekalo. ©

Mit Wout Weghorst hat der VfL einen Top-Torjäger in seinen Reihen, Jay Brooks und Maxence Lacroix haben als Innenverteidiger großen Anteil daran, dass der VfL zusammen mit Leipzig die beste Abwehr der Liga hat…

…und die muss man erst mal knacken. Und doch haben sie keinen Superstar. Klar, Weghorst macht vorn die Buden, er guckt da ein bisschen raus. Aber was ich gut finde, ist, dass sie viele junge, talentierte Spieler haben, die das Zeug dazu haben, in der Bundesliga richtig durchzustarten und es vielleicht mal zu Top-Mannschaften schaffen. Aber noch mal: Ganz entscheidend für das gute Abschneiden ist, dass sie als Mannschaft funktionieren. In Frankfurt ist das nicht anders.

Viele Beobachter werden darauf achten, ob sich etwa Frankfurts André Silva (22 Tore, zweitbester Torjäger der Liga) auch gegen das VfL-Bollwerk behaupten kann. Auf welches Duell werden Sie besonders schauen?

Ich achte lieber darauf, wie die Mannschaften insgesamt mit ihren Situationen umgehen, schließlich treffen da zwei Teams aufeinander, die vor Selbstvertrauen nur so strotzen. Das ist einfach cool, das sind einfach geile Spiele, andere Spiele als etwa Köln gegen Mainz, in dem es um Arbeitsplätze von Mitarbeitern geht. Hier geht es einfach um das i-Tüpfelchen.

Die Frankfurter haben mit dem Sieg bei Verfolger Dortmund ihren Vorsprung ausgebaut, der VfL hatte Mühe beim 1:0 gegen Keller-Kind Köln – sehen Sie Frankfurt im Vorteil?

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Nein, das ist ein 50:50-Spiel. Ja, die Wolfsburger haben sich gegen die Kölner schwergetan, aber sie haben das Spiel am Ende gewonnen – und nur darum geht‘s doch. In solch einer geilen Saison freust du dich einfach über den nächsten Sieg und beschäftigst dich nicht so lange damit, wenn du in einem Spiel vielleicht mal nicht so gut warst. Abhaken, weitermachen, jetzt geht es nach Frankfurt, das wird geil – so denkt man in solchen Situationen doch, zumindest habe ich das so als Spieler gemacht.

An welches Ihrer VfL-Spiele denken Sie gern zurück?

An mein Bundesliga-Debüt. Wir haben damals im August 2001 zwar in Dortmund mit 0:4 verloren, aber ich war irgendwie trotzdem der glücklichste Mensch auf Erden. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, als unser Trainer Wolfgang Wolf kurz vor der Pause zu mir sagte: Maik, mach‘ dich warm! Und ich hab‘ mich in dem Moment gefragt: Gibt es hier noch einen anderen Maik? Oder meint er mich? Vor über 70.000 spielen dürfen, dieses Spiel werde ich niemals vergessen.

Und welches Spiel für die Eintracht ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Im April 2010 haben wir mal mit 3:2 gegen Leverkusen gewonnen – mit einem Fallrückzieher-Tor kurz vorm Ende von mir.

Fallrückzieher-Tor? Sie waren als Abwehrspieler mit dem Spitznamen Iron Maik eher fürs Grobe auf dem Platz bekannt…

(lacht)...das ist ja richtig, ich lag bei dem Fallrückzieher ja auch nicht zwei Meter hoch in der Luft, sondern nur 50 Zentimeter. Aber egal, das Glücksgefühl vor der Frankfurter Kurve war schon gigantisch.

<b>Koen Casteels</b>: Der Torhüter hatte in der ersten Halbzeit kaum etwas zu tun, musste aber wachsam bleiben, weil Köln immer wieder in die Nähe seines Kastens kam. - Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Der Torhüter hatte in der ersten Halbzeit kaum etwas zu tun, musste aber wachsam bleiben, weil Köln immer wieder in die Nähe seines Kastens kam. - Note: 3 ©

Wie gut sind Ihre Kontakte nach Frankfurt noch?

Zu Zeugwart Franco Lionti hab‘ ich noch einen guten Draht, mit Fredi Bobic schreibe ich ab und an mal, das gilt auch für Sebastian Rode.

Und wie ist der Draht nach Wolfsburg?

Ebenfalls noch gut. Zeugwart Herbie Rüttger ist wie ein Ziehvater für mich, Norman Becker vom VfL II ist mein engster Freund, zu Marcel Schäfer oder Pablo Thiam hab‘ ich ebenfalls einen guten Draht. Von den Spielern kenne ich jetzt keinen mehr so richtig - außer Jay Brooks, mit dem ich noch bei Hertha zusammengespielt habe. Aber in Wolfsburg sind schon einige, mit denen ich noch einen engen Austausch pflege.

Wie geht es am Samstag aus?

Keine Ahnung, ich tippe immer falsch. 2:2 – das wäre für beide gut.

Kommen sowohl der VfL als auch die Eintracht am Ende in die Champions League?

Der VfL lässt sich die Königsklasse nicht mehr nehmen! Bei den Frankfurtern kommt es ein bisschen auf dieses Spiel an. Gewinnen sie es, schaffen sie es auch, zumal die Konkurrenten Dortmund und Leverkusen gerade ziemliche Probleme mit der Konstanz haben. Ich freue mich auf das Duell am Samstag, aber eines wird mir fehlen.

Die Fans?

Ja, gerade in so einem Spiel wäre das doch geil. Die Stimmung in diesem Stadion ist ja eh immer wahnsinnig gut. Diese Ekstase, diese Lautstärke gehört zum Besten, was die Liga zu bieten hat, auch in Europa gibt es wenig Vergleichbares. Daher freue ich mich jetzt schon auf den Tag, wenn die Fans endlich wieder in die Stadien dürfen.