16. Oktober 2020 / 18:37 Uhr

Kampf vor Eleganz: Turbine will die Bayern nerven

Kampf vor Eleganz: Turbine will die Bayern nerven

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Turbines Gina Chmielinski (l.) im Duell mit der Freiburgerin Meret Wittje.
Turbines Gina Chmielinski (l.) im Duell mit der Freiburgerin Meret Wittje. © Julius Frick
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Der Potsdamer Frauenfußball-Bundesligist ist so gut gestartet wie seit 2011 nicht mehr, doch erst jetzt kommen die großen Bewährungsproben. Ein wenig Inspiration könnte den Turbinen Eiskunstlauf-Ikone Katarina Witt geben.

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Katarina Witt ist bis heute ein Inbegriff für sportliche Eleganz. Ästhetisch wie kaum eine andere beeindruckte die zweifache Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. Als Wahl-Potsdamerin ließ es sich die 54-Jährige nun nicht nehmen, gemeinsam mit einem Sport-Aushängeschild ihrer neuen Zuhause-Stadt vor die Kamera zu treten, sie posierte mit Spielerinnen des Frauenfußball-Bundesligisten 1. FFC Turbine für den Club-Jahreskalender 2021. Am Mittwoch fand die Präsentation inklusive Signierstunde in Witts Potsdamer Fitnessstudio „Kurvenstar“ statt.

Auswärts beim verlustpunktfreien Spitzenreiter

Johanna Elsig genoss das – wenn auch von strengen Coronaregeln flankierte – Zusammentreffen mit Fans. „Die enge Verbindung zeichnet unseren Verein aus. Das kommt wegen der Pandemie insgesamt leider zu kurz“, sagt die Turbine-Verteidigerin, die zufriedene Anhänger vor sich hatte. Schließlich könne man von einer „bisher punktemäßig sehr guten Bilanz“ sprechen. Der Erfolg stimmt. Nur elegant sind die Darbietungen noch nicht. „Da können wir uns vielleicht von Katarina Witt inspirieren lassen“, sagt Elsig und lacht. Im ernsten Tonfall fügt sie hinzu: „Wir haben auf jeden Fall im spielerischen Bereich viel Luft nach oben.“

In Bildern: Turbine Potsdam besiegt Duisburg nach zweimaligem Rückstand.

<b>MSV Duisburg - 1. FFC Turbine Potsdam 2:3 (2:1)</b> Tore: 1:0 Yvonne Zielinski (5.), 1:1 Malgorzata Anna Mesjasz (37.), 2:1 Jorian Nicole Baucom (38.), 2:2 Julia Debitzki (51./Eigentor), 2:3 Selina Cerci (74.). Zur Galerie
MSV Duisburg - 1. FFC Turbine Potsdam 2:3 (2:1) Tore: 1:0 Yvonne Zielinski (5.), 1:1 Malgorzata Anna Mesjasz (37.), 2:1 Jorian Nicole Baucom (38.), 2:2 Julia Debitzki (51./Eigentor), 2:3 Selina Cerci (74.). © Saskia Nafe

Eine Steigerung wünscht sich die 27-Jährige bereits im nächsten Spiel, allerdings relativiert sie, dass am Sonntag auswärts gegen Tabellenführer FC Bayern München (14 Uhr) wohl dann doch primär die bisherigen Qualitäten wieder zählen werden. „Wir müssen die Bayern bekämpfen, sie nerven, immer ein Schatten von ihnen sein“, fordert Elsig. „Es hat uns bislang stark gemacht, dass wir als Team einen guten Kampfgeist entwickelt haben. Den müssen wir unbedingt beibehalten.“

16 von 18 möglichen Punkten

Nach großem personellen Umbruch im Sommer hat das junge Team unter der Regie von Neu-Trainer Sofian Chahed 16 von 18 möglichen Punkten geholt. Es ist Turbines beste Ausbeute zu diesem Zeitpunkt seit der Saison 2011/12, als die vollen 18 Zähler auf dem Konto waren. Mit 15 Punkten ähnlich gut gestartet wie jetzt war der sechsfache deutsche Meister zuletzt 2016/17. Damals war mit Matthias Rudolph auch ein neuer Coach in der Verantwortung, der die Potsdamer Mannschaft von Legende Bernd Schröder übernommen und für frischen Wind gesorgt hatte. Letztlich belegte Turbine den dritten Platz.

Auch aktuell ist der brandenburgische Traditionsverein Dritter und würde diese Position gerne am Saisonende innehaben, berechtigt sie doch nunmehr zum ersten Mal ebenfalls zur Teilnahme an der Champions League. Wie realistisch diese Zielsetzung ist, wird sich in den nächsten drei Ligapartien abzeichnen. Nach dem Match in München folgen die Begegnungen mit den weiteren Top-Teams VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt. „Unsere gute Punktausbeute hängt auch damit zusammen, dass wir bislang noch nicht gegen die ganz Großen gespielt haben“, räumt Chahed ein. „Wir sind gespannt, wie wir die Aufgaben jetzt bewältigen werden. Das sind echte Gradmesser, Bewährungsproben der höchsten Kategorie.“

Wiedersehen mit Ex-Kapitänin Sarah Zadrazil

Ganz hoch hinaus möchte diese Saison Turbines kommender Gegner FC Bayern. Der dreimalige deutsche Meister peilt nach zuletzt vier Vizetiteln in Folge die Rückkehr auf den Thron an. Seine Ambitionen untermauerte der Münchner Verein mit beachtlichen Neuverpflichtungen wie den deutschen Nationalspielerinnen Lea Schüller, Klara Bühl und Martina Hegering – sowie einer gewissen Sarah Zadrazil. Die Österreicherin kickte von 2016 bis 2020 für Potsdam, zuletzt führte sie das Team als Kapitänin an, ehe es die Mittelfeldspielerin an die Isar zog. Dort gelang ihr zum Ligaeinstand gleich ein traumhafter Treffer, der momentan zur Auswahl beim „Tor des Monats“ September in der ARD-Sportschau steht.

Nicht nur Sarah Zadrazil imponiert Chahed. „Bayern hat eine enorme individuelle Qualität“, betont er. „Da müssen wir mit voller Leidenschaft gegenhalten.“ Es soll also eher rustikal statt elegant zur Sache gehen.