16. Oktober 2017 / 17:44 Uhr

Frauen-Bundesliga: Turbine-Torhüterin Lisa Schmitz wird gegen Wolfsburg von der tragischen Figur zur Heldin

Frauen-Bundesliga: Turbine-Torhüterin Lisa Schmitz wird gegen Wolfsburg von der tragischen Figur zur Heldin

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Frauen-Bundesliga: Turbine Potsdam holt Punkt beim VfL Wolfsburg.
Turbine-Torfrau Lisa Schmitz. © Jan Kuppert
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Frauen-Bundesliga: Die Schlussfrau des Potsdamer Erstligisten erlebt gegen den Deutschen Meister ein Wechselbad der Gefühle.

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Für einen Moment lag Lisa Schmitz auf dem Rücken und hielt die Hände vors Gesicht. Sie wusste sofort: „Mein Fehler!“ Anna Blässe hatte den Ball nach nicht einmal einer Viertelstunde im Top-Spiel der Frauenfußball-Bundesliga zwischen dem VfL Wolfsburg und Turbine Potsdam (2:2) scharf vor das Gästetor gebracht – und Potsdams Keeperin ihn dann mit dem ausgestreckten Arm ins eigene Netz bugsiert. In dieser Szene war Lisa Schmitz die tragische Figur. „Den habe ich mir selbst reingehauen“, gibt sie zu. Doch die 25-Jährige rappelte sich wieder auf – und hielt den Potsdamer Punktgewinn in der Schlussphase mehrfach spektakulär fest.

Schmitz: "Ich spekuliere auf den Querpass"

Lisa Schmitz erinnert sich noch an die Situation. „Ich spekuliere auf den Querpass in den Rückraum“, sagt sie. Deshalb habe sie einen Schritt nach rechts gemacht, weg vom Pfosten, und so die kurze Ecke aufgemacht. „Der wurde mir dann zum Verhängnis.“ Denn dorthin kam der Ball. „Ob gewollt oder nicht, das weiß ich nicht“, sagt die Turbine-Torfrau, die seit 2015 die Nummer 1 an der Havel ist. Ihr Trainer Matthias Rudolph sagte später in die Mikrofone: „Da schießen wir eigentlich ein Eigentor.“

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Die Szene, die zum 1:0 für den VfL führte. © Boris Baschin

Es zeugt von mentaler Stärke, dass die gebürtige Kölnerin den kapitalen Patzer schnell wegsteckte. Je länger das Spiel dauerte, desto souveräner wurde die Potsdamer Keeperin. „Ich war schon kurz sauer auf mich selbst“, gibt sie zu. „Aber dann habe ich mir gedacht, dass ja noch lange zu spielen ist. Dann wurde ich von Minute zu Minute sicherer, habe mir auch viel zugetraut.“

Zwei Glanzparaden in der Schlussphase

Nach 22 Minuten war Lisa Schmitz bei einem Schuss aus kurzer Distanz hellwach, später pflückte sie auch die hohen Bälle aus der Luft, und streckte sich schließlich erfolgreich nach Alexandra Popps Kopfball (81.) und Ewa Pajors Schlenzer (83.). „Wolfsburg hat am Ende enorm Druck gemacht“, berichtet die Torhüterin, „es ging Schlag auf Schlag, da war keine Zeit zum Nachdenken.“ Sie habe der Mannschaft schließlich auch etwas zurückgeben wollen.

Frauen-Bundesliga: Turbine Potsdam holt Punkt beim VfL Wolfsburg. Zur Galerie
Frauen-Bundesliga: Turbine Potsdam holt Punkt beim VfL Wolfsburg. © Jan Kuppert

Der Fehler ist abgehakt, Lisa Schmitz stolz auf eine „sensationelle Teamleistung“. Und trotzdem hat die Turbine-Torfrau noch unschöne Überbleibsel aus der Partie beim Deutschen Meister davongetragen. Nach einem Zusammenstoß in der Luft ziemlich zu Beginn des Spiels landete Lisa Schmitz unsanft auf dem Wolfsburger Rasen. „Ich habe mir auf die Zunge gebissen, bin blöd auf Steißbein, Rücken und Kopf aufgekommen – mir tut alles weh“, berichtet sie.

Heimatbesuch am freien Wochenende

Immerhin hat die Torhüterin jetzt Zeit, die Blessuren in Ruhe auszukurieren. Während die Teamkolleginnen Tabea Kemme, Johanna Elsig und Svenja Huth mit der DFB-Auswahl um WM-Quali-Punkte gegen Island (Freitag, 16 Uhr, in Wiesbaden) und die Färöer (Dienstag, 16.10 Uhr, in Großaspach) kämpfen, trainiert Lisa Schmitz in Potsdam. „Ich wäre natürlich gerne dabei gewesen“, sagt sie. Stattdessen werde sie das freie Wochenende für einen Besuch in ihrer Heimat Köln nutzen. Den kann sie mit einem guten Gefühl antreten. „Wir sind zufrieden mit dem Punkt in Wolfsburg. Hätten wir verloren, würde es für uns schon mies aussehen.“