06. April 2021 / 16:29 Uhr

Frauen-Bundesliga vorm Endspurt: Wolfsburg hat "nichts zu verlieren"

Frauen-Bundesliga vorm Endspurt: Wolfsburg hat "nichts zu verlieren"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jubel gegen die Unbesiegbaren: Der Treffer von Ewa Pajor sorgte dafür, dass Bayern erstmals in dieser Saison mehr als ein Gegentor kassierten.
Jubel gegen die Unbesiegbaren: Der Treffer von Ewa Pajor sorgte dafür, dass Bayern erstmals in dieser Saison mehr als ein Gegentor kassierten. © Roland Hermstein
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Nach der Länderspielpause startet der Endspurt in der Frauenfußball-Bundesliga. Der VfL Wolfsburg hat nach dem Sieg im Pokal-Halbfinale gegen Tabellenführer Bayern auch im Meisterschaftskampf wieder mehr Hoffnung.

Wunden lecken beim Verlierer, neuer Optimismus beim Sieger: Das 2:0 der VfL-Fußballerinnen im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern brachte Wolfsburg nicht nur ins Endspiel (30. Mai in Köln gegen Frankfurt), sondern schürt auch die Hoffnung, dass der Titelkampf mit den Münchnerinnen in der Liga vielleicht doch noch spannend wird. Denn womöglich ist der FCB nicht ganz so unverwundbar wie es schien. Was klar für die Bayern spricht: In der Liga ist die Bilanz mit 17 Siegen in 17 Spielen und nur drei (!) Gegentoren (bei im Schnitt vier eigenen Treffern pro Spiel) makellos, der VfL hat fünf Punkte Rückstand. Die Pokal-Partie in Wolfsburg war das erste Saisonspiel, in dem München mehr als ein Gegentor kassierte.

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Aber: Wenn es nach der Länderspielpause am 17./18. April weitergeht, hat der FCB das deutlich anstrengendere Programm - nicht nur, weil in den letzten fünf Saisonspielen durchaus anspruchsvolle Bundesliga-Gegner warten, sondern weil zwischendurch auch noch die beiden Halbfinal-Partien in der Champions League gegen Wolfsburg-Bezwinger Chelsea anstehen. Dass die hohe Frequenz wichtiger Spiele ein Faktor werden kann, war beim Pokal-Aus in Wolfsburg zu sehen, Trainer Jens Scheuer jedenfalls stellte nach dem dritten Auswärtsspiel binnen sieben Tagen fest: „Die erste Halbzeit haben wir verschlafen..." Und auch Bayerns Ex-VfLerin Lina Magull merkte an: "Wir haben einfach nicht das gezeigt, was wir in den letzten Wochen gezeigt haben.“

Klar ist: Wenn der VfL noch eine Chance haben will, die Bayern im direkten Duell am drittletzten Liga-Spieltag (8./9. Mai) einzuholen, muss der Spitzenreiter vorher noch mindestens einmal patzen. Dabei kann die englische Woche, die dem FCB bevorsteht, entscheidend sein: Am Samstag, 17. April, geht's gegen den Tabellendritten Hoffenheim, vier Tage später (Mittwoch, 21. April) steht die Auswärts-Partie in Potsdam an, ehe es am Samstag darauf in der Königsklasse gegen Chelsea geht. "Wenn die Bayern diese Woche ohne Patzer überstehen", glaubt Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, "dann müssen wir davon ausgehen, dass das Rennen gelaufen ist."

Den Druck, den eine Häufung extrem wichtiger Spiele in wenigen Tagen machen kann, kennt der VfL aus den vergangenen Jahren nur zu gut. In dieser Saison ist die Wolfsburger Termin-Lage etwas entspannter als die der Bayern. "Und wir haben quasi nichts mehr zu verlieren", so Kellermann, "der zweite Platz und damit die Qualifikation für die nächste Champions-League ist praktisch sicher."

Dass der VfL im Hinblick auf seine kleine Meister-Chance natürlich nicht mehr patzen darf, versteht sich von selbst. Wichtig darum: Die Personallage bei den Wolfsburgerinnen ist im Gegensatz zu weiten Teilen der Hinrunde jetzt gut, Ewa Pajor kommt nach langer Pause (Knie-OP) immer dichter an ihre Top-Form heran, die Verletzung von Alexandra Popp aus dem Bayern-Spiel stellte sich als nicht so schwerwiegend heraus wie zunächst befürchtet. Möglicherweise muss die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft allerdings auf das Länderspiel am Samstag gegen Australien verzichten und kann nur am Dienstag gegen Norwegen dabei sein.