08. Juli 2019 / 22:29 Uhr

Nach frühem Aus bei der Frauen-WM: Deutschland verliert den Anschluss

Nach frühem Aus bei der Frauen-WM: Deutschland verliert den Anschluss

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Deutschland ist bei der Frauen-WM in Frankreich bereits im Viertelfinale ausgeschieden und verpasste damit auch die Qualifikation für Olympia 2020.
Deutschland ist bei der Frauen-WM in Frankreich bereits im Viertelfinale ausgeschieden und verpasste damit auch die Qualifikation für Olympia 2020. © imago images / HMB-Media
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Der Frauenfußball boomt – nur im Land des einstigen Trendsetters kriselt es: Deutschland scheiterte bereits im Viertelfinale der Frauen-WM. Wie die Bundesliga gegensteuern will.

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Nun ist es nicht so, dass der deutsche Frauenfußball bei den Finalspielen der WM in Frankreich völlig außen vor war. Am Samstag in Nizza beim kleinen Finale zwischen Schweden und England (2:1) saßen Tina Theune und Maren Meinert, am Sonntag in Lyon beim großen Finale zwischen den USA und den Niederlanden (2:0) Silvia Neid, Ulrike Ballweg, Saskia Bartusiak und Silke Rottenberg auf der Tribüne. Persönlichkeiten aus erfolgreicheren Zeiten der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Darunter jene Bundestrainerinnen, die 2003 und 2007 eine WM gewannen.

Das machen die Spielerinnen der deutschen Nationalmannschaft beruflich

Die Nationalspielerinnen Giulia Gwinn, Dzsenifer Marozsan und Alexandra Popp können nicht allein vom Fußball leben.  Zur Galerie
Die Nationalspielerinnen Giulia Gwinn, Dzsenifer Marozsan und Alexandra Popp können nicht allein vom Fußball leben.  ©
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Kim Kulig sieht Handlungsbedarf beim DFB: "Haben festgestellt, dass viele Nationen besser waren"

Neid hat bei der WM 2019 eine „faszinierende Entwicklung“ beobachtet. Schnelleres Spiel, bessere Laufleistung, höhere Ballsicherheit. Ex-Nationalspielerin Nadine Keßler macht die „gestiegene Qualität“ daran fest, dass die Spielerinnen heute kompletter als zu ihrer aktiven Zeit waren. Die 31-Jährige glaubt, dass der einstige Trendsetter Deutschland noch Zeit brauche, um wieder eine Führungsrolle einzunehmen.

Kim Kulig legte den Finger tiefer in die Wunde. Die Nachwuchskoordinatorin des 1. FFC Frankfurt sieht durch das Viertelfinalaus Handlungsbedarf. „Wir haben festgestellt, dass viele Nationen besser waren“, sagt die 29-Jährige. Das Ausland mache es vor: „Wir müssen investieren, nur dann kann irgendwann auch Gewinn rausspringen.“

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Ihre Aussagen unterstützt Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC, der ab 2020 mit Eintracht Frankfurt kooperiert. Dietrich hat bei der WM „neue Typen und coole Mädels auch auf deutscher Seite gesehen, denen die Zukunft gehören wird.“ Ziel müsse es sein, die frischen Gesichter in Deutschland zu halten und Spielerinnen mit Strahlkraft aus dem Ausland zu verpflichten.

Von Bisanz bis Hrubesch: Die Bundestrainer(innen) der DFB-Frauen

Martina Voss-Tecklenburg ist seit 30. November 2018 Bundestrainerin der DFB-Frauen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Vorgänger und Vorgängerinnen der Ex-Nationalspielerin. Zur Galerie
Martina Voss-Tecklenburg ist seit 30. November 2018 Bundestrainerin der DFB-Frauen. Der SPORTBUZZER zeigt die Vorgänger und Vorgängerinnen der Ex-Nationalspielerin. ©

Wolfsburg und FC Bayern gehen auf dem Transfermarkt oft leer aus

Derzeit passiert das Gegenteil. Die Niederländerin Jackie Groenen wechselt vom 1. FFC Frankfurt zu Manchester United. Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern gehen im Buhlen um die besten Fußballerinnen oft leer aus. Dietrich erwartet, dass die deutschen Vereine die Zeichen der Zeit erkennen: „Der Frauenfußball darf nicht mehr das dritte Rad am Wagen sein. Es muss das zweite Topprodukt neben dem Männerfußball sein.“ In England ist das längst die Devise: Die mit Verbands- und Sponsorengeld aufgepumpte Women’s Super League ist dabei, die Führungsrolle einzunehmen. Mit dem Rückenwind als Ausrichter der EM 2021.

Anfang dieser Woche bei der Managertagung der Frauen-Bundesliga in Frankfurt „wollen die Vereine gemeinsame Maßnahmen zur Zukunftsgestaltung besprechen“, wie Liga-Sprecher Dietrich erläuterte. Ralf Zwanziger (TSG Hoffenheim) und Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg) beispielsweise gelten als kritische Geister, die die WM-Auftritte der deutschen Nationalmannschaft nicht so positiv bewertet haben wie die DFB-Funktionäre. Die Kompetenz der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zweifelt zwar niemand an, aber eine Aufarbeitung ist ratsam, weil es zu Spannungen im Trainerteam unter den Assistenten gekommen sein soll. Noch wichtiger wird es, das Mentalitätsproblem der Mannschaft anzupacken, die mit Rückschlägen, sprich Gegentoren, nicht fertig wird.

Der Sportliche Leiter Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, unterstützt die Analyse. Geboten scheint eine Gesamtstrategie, um auch die Vermarktung fürs Nationalteam zu optimieren. Während der englische Verband schon 20.000 Karten für das Freundschaftsspiel gegen Deutschland am 9. November in Wembley verkauft hat, sind Tickets für das erste EM-Qualifikationsspiel der DFB-Frauen gegen Montenegro am 31. August in Kassel noch gar nicht erhältlich.

Alle bisherigen Weltmeisterteams in der Galerie:

Seit 1991 gibt es Weltmeisterschaften im Frauenfußball. Wir haben Euch Fotos von allen bisherigen Siegern zusammengestellt - und die besonderen Geschichten rund um die bisherigen Turniere. Zur Galerie
Seit 1991 gibt es Weltmeisterschaften im Frauenfußball. Wir haben Euch Fotos von allen bisherigen Siegern zusammengestellt - und die besonderen Geschichten rund um die bisherigen Turniere. ©

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