04. Juni 2019 / 08:30 Uhr

DFB-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor der Frauen-WM im Interview: "War nicht immer so locker"

DFB-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor der Frauen-WM im Interview: "War nicht immer so locker"

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg steht vor ihrer ersten WM mit den DFB-Frauen.
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg steht vor ihrer ersten WM mit den DFB-Frauen. © Getty Images
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Am 7. Juni startet die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Kurz vor dem Start ihres ersten Turniers auf der Trainerbank des DFB-Teams spricht Martina Voss-Tecklenburg im Interview mit dem SPORTBUZZER über ihre Pläne und Ziele.

Martina Voss-Tecklenburg verströmt Vorfreude auf die Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli). Die Bundestrainerin hat sich eine Mischung aus Gelassenheit und Anspannung, Fröhlichkeit und Ernsthaftigkeit angeeignet. Ziel: Die 51-jährige Ex-Nationalspielerin will dem Team ein neues Gesicht geben und an alte Erfolge anknüpfen.

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In einem Werbespot der Nationalmannschaft hält Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg das Kaffeeservice, das es 1989 nach dem EM-Titel als Prämie gab. Haben Sie das noch?

Ja, das wird bei uns tagtäglich benutzt. Hermann (Ehemann Hermann Tecklenburg, Anm. d. Red.) nimmt das immer aus dem Schrank.

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Dann war diese verspottete Würdigung seitens des DFB doch werthaltiger als gedacht?

Ich empfinde es so. Es war auch mein erster Titel mit der Nationalmannschaft – und das ist meine Erinnerung daran. Mein Service ist leider total unvollständig, denn ein Teil steht in Köln, ein Teil in Dortmund im Fußballmuseum und ein Teil war wohl mal in Nürnberg. Aber es ist trotzdem im Alltag im Hause Voss-Tecklenburg gut integriert. (lacht)

Der deutsche WM-Kader für Frankreich 2019:

Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. Zur Galerie
Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. ©

Werbespot im Fokus: "Ja, das sind wir"

Der Clip hat siebenstellige Zugriffszahlen. Was haben Sie bei der Passage gedacht, in der es über die DFB-Frauen heißt: „Wir haben keine Eier – wir haben Pferdeschwänze“?

Wir saßen im Februar zusammen, als Uwe Hellmann (Leiter Brand Management Commerzbank, Anm. d. Red.) uns das Skript vorgestellt hat und wissen wollte: „Könnt ihr das mitgehen?“ Dieser Satz war mir lange gar nicht mehr präsent, bis ich dann im Mai das Ergebnis gesehen habe. Da dachte ich nur: „Wow!“ Und je häufiger ich es mir ansah, konnte ich sagen: „Ja, das sind wir.“

So richtig wird Frauenfußball nur bei Großereignissen wahrgenommen.

Es geht nicht nur unserer Sportart so. Wir haben bei der Handball-WM im Winter alle der deutschen Mannschaft die Daumen gedrückt. Wenn wir im Sommer eine tolle sportliche Leistung bringen, können wir einen Transfer zurück in die Frauenbundesliga bewirken.


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Wo der Zuschauerschnitt bei 800 liegt.

Im Ligabetrieb müssen wir uns nicht verstecken. Da haben England, Frankreich, Spanien oder Italien im Durchschnitt nicht mehr Zuschauer, aber sie haben es durch spezielle Events geschafft, Interesse zu wecken. Wir waren weit vorne. Viele Nationen haben auf uns geschaut und sich etwas abgeschaut.

Torhüterin Almuth Schult hat die mangelnde Rückendeckung beklagt.

Ich fand es bemerkenswert, dass Almuth ihre Haltung vertritt. Wenn die Spielerinnen etwas so empfinden, muss man das ja hinterfragen. Ich möchte nur eine differenzierte Betrachtung. Im Vergleich zu anderen Sportarten haben wir in unserem Verband sehr viel Support.

Von Bisanz bis Hrubesch: Die Bundestrainer(innen) der DFB-Frauen

Martina Voss-Tecklenburg ist seit 30. November 2018 Bundestrainerin der DFB-Frauen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Vorgänger und Vorgängerinnen der Ex-Nationalspielerin. Zur Galerie
Martina Voss-Tecklenburg ist seit 30. November 2018 Bundestrainerin der DFB-Frauen. Der SPORTBUZZER zeigt die Vorgänger und Vorgängerinnen der Ex-Nationalspielerin. ©

"Dafür habe ich mich entschuldigt"

Alle bisherigen Weltmeisterteams in der Galerie:

Seit 1991 gibt es Weltmeisterschaften im Frauenfußball. Wir haben Euch Fotos von allen bisherigen Siegern zusammengestellt - und die besonderen Geschichten rund um die bisherigen Turniere. Zur Galerie
Seit 1991 gibt es Weltmeisterschaften im Frauenfußball. Wir haben Euch Fotos von allen bisherigen Siegern zusammengestellt - und die besonderen Geschichten rund um die bisherigen Turniere. ©

Sie werden als ehrgeizig und ernsthaft, gleichzeitig offen und locker eingeschätzt. Bringen Sie die positiven Eigenschaften von Silvia Neid und Steffi Jones zusammen?

Wenn es so sein sollte, ist es schön. Ich bin nicht Silvia und nicht Steffi. Aber bei Silvia mit ihrem Erfahrungsschatz frage ich schon nach. Steffi schätze ich als Mensch, weil wir uns als Spielerinnen ein Zimmer geteilt hatten. Als Trainerin bin ich meinen eigenen Weg gegangen. Ich trage einen anderen Rucksack mit Erfahrungen als vor zehn Jahren. Ich war nicht immer so locker, sondern viel verbissener, habe gespürt, dass es den Spielerinnen nicht hilft. Es ist mir heute unangenehm, wie ich in Duisburg mal einzelne beleidigt habe – dafür habe ich mich entschuldigt.

Sie haben nur die Olympiaqualifikation als Ziel angesetzt.

Weil wir uns in einer Umbruchsituation mit vielen jungen Spielerinnen befinden, von denen 15 ihre erste Frauen-WM spielen. Ich bin der Überzeugung, dass sechs bis acht Mannschaften die Chance haben, Weltmeister zu werden. Um unter den besten drei europäischen Teams zu landen, die sich für Tokio qualifizieren, müssen wir wahrscheinlich ins Halbfinale kommen.