27. Oktober 2020 / 18:18 Uhr

Frauenfußball-Funktionärin Margit Stoppa: "Es bestehen immer noch Vorurteile"

Frauenfußball-Funktionärin Margit Stoppa: "Es bestehen immer noch Vorurteile"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Turbine-Kapitänin Jennifer Zietz nimmt die Meistertrophäe entgegen.
Zwölf Jahre war Margit Stoppa (l.) die Wächterin über den Spielbetrieb in der Frauen-Bundesliga, hier übergibt sie die Meisterschale 2009 an Turbines Jennifer Zietz. © Jan Kuppert
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50 Jahre Frauenfußball: Die gebürtige Lausitzerin Margit Stoppa spricht im SPORTBUZZER-Interview über ihre Laufbahn als Funktionärin im DFB und in Brandenburg sowie ihren Blick auf Turbine Potsdam.

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Die gebürtige Lausitzerin Margit Stoppa leitete über viele Jahre den DFB-Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball sowie die Frauen-Bundesliga. Mit dem SPORTBUZZER sprach die 72-Jährige, die heute in Berlin lebt, über die Entwicklung des Frauenfußballs in Brandenburg, Höhepunkte in ihrem Leben als Funktionärin und die Perspektive von Turbine Potsdam.

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Frau Stoppa, wie sind Sie als Leichtathletin doch noch zum Frauenfußball gekommen?

Margit Stoppa: Mein Vater nahm mich mit auf den Fußballplatz. Als ich größer wurde, habe ich mit meinem Bruder und den Jungs in der Straße gespielt. Aber Mädchenfußball gab es noch nicht. An der KJS (Kinder- und Jugendsportschule; Anm. d. Red.) in Forst/Lausitz spielten wir als Leichtathleten viel Fußball. Während des Studiums an der DHfK in Leipzig habe ich Handball gespielt, aber Fußball hat mich immer begleitet.

Und noch intensiver wurde es, als Sie nach Berlin gezogen sind.

Durch Freunde, die ich aus der Leichtathletik kannte, meldete ich mich 1975 bei der BSG Motor Köpenick an und spielte dort erstmals im Verein. Wir waren des Öfteren Ostberliner Meister, ich spielte in der Ostberliner Auswahl.

Nach der aktiven Laufbahn sind Sie Funktionärin geworden, zunächst ab 1984 ehrenamtlich beim Fußballverband der DDR. Wie hat man den Frauenfußball dort wahrgenommen?

Ich war in Gremien oft die einzige Frau. Das war halt so, damit konnte ich gut umgehen. Frauenfußball war in der DDR nicht verboten, wurde aber auch nicht gefördert. Anfangs wurden die Frauen auch belächelt. Natürlich haben die Zuschauer auch mal gerufen: „Trikotwechsel!“ An Verhöhnungen kann ich mich nicht erinnern. Es bestehen nach 50 Jahre Frauenfußball noch immer Vorurteile und wir werden mit dem Männerfußball verglichen.

In Bildern: 50 ehemalige Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam – und was aus ihnen wurde

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. ©

Der DFB hat sich gerade mit den Niederlanden und Belgien um die Frauen-WM 2027 beworben. Kann so ein Turnier einen Aufschwung bewirken?

Ich denke schon. Aber so ein Turnier auszurichten, ist die eine Sache, wir müssen auch erfolgreich sein. Die Entwicklung in anderen Ländern ist positiv verlaufen. In Frankreich, Spanien und England geht die Post ab.

Wie kann Deutschland da mithalten?

Wir brauchen nicht nur die Unterstützung der Verbände und Vereine, sondern vor allem eine mediale Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Wir wollen keinen Vergleich mit den Männern, aber eine Anerkennung dieses Sports muss es geben.

Im Fußball-Landesverband Brandenburg haben Sie zusammen mit Sabine Seidel 1997 den Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball gegründet. Wie hat sich der Sport hier entwickelt?

Wenn ich das im Nachgang kritisch betrachte, muss ich sagen, der Frauen- und Mädchenfußball hat im FLB ein stiefmütterliches Dasein gefristet und ist nicht so unterstützt worden, wie wir es uns gewünscht hätten. Positive Ansätze konnten wir in Zusammenarbeit mit den Fußballkreisen erreichen.

Aushängeschild in Brandenburg ist nach wie vor Turbine Potsdam. Verfolgen Sie den Verein besonders aufmerksam?

Ich bin Mitglied im Verein. Zwölf Jahre war ich Spielleiterin der Frauen-Bundesliga, da musste ich natürlich neutral sein, aber im Inneren ist mein Herz immer auf Turbine-Seite gewesen. Ich hoffe, dass die Kooperation mit Hertha BSC ein erfolgreicher Schritt ist, um professionell und spielerisch mitzuhalten. Platz drei ist ja aktuell recht vielversprechend.