17. August 2019 / 12:30 Uhr

Frauenfußball: In einer Liga voller Probleme bleibt Wolfsburg die Ausnahme

Frauenfußball: In einer Liga voller Probleme bleibt Wolfsburg die Ausnahme

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ab jetzt geht es wieder um diese Schale: Der VfL startet am Sonntag gegen Sand in die neue Saison.
Ab jetzt geht es wieder um diese Schale: Der VfL startet am Sonntag gegen Sand in die neue Saison. © Boris Baschin
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An diesem Wochenende startet die Frauenfußball-Saison, die Bundesliga kämpft vor allem um Aufmerksamkeit. Meister VfL Wolfsburg, der am Sonntag (14 Uhr, AOK-Stadion) gegen den SC Sand beginnt, ist eine Ausnahme.

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Als der VfL Wolfsburg am 3. August sein großes Familienfest feierte, entschuldigte Geschäftsführer Tim Schumacher auf der Bühne die Abwesenheit der Frauenmannschaft. Das Team und Trainer Stephan Lerch könnten wegen des Trainingslagers in Österreich nicht da sein. Niemand wunderte sich über den Hinweis, und wahrscheinlich fiel auch niemandem auf, dass Schumachers Bemerkung sehr viel aussagt über den Stellenwert des Frauenfußballs in Wolfsburg. Denn in München, Mönchengladbach, Leverkusen oder Bremen würde bei ähnlichen Anlässen wohl niemand auf die Idee kommen, auch nur nach der Frauenmannschaft zu fragen.

Wolfsburg ist anders.

An diesem Wochenende beginnt die neue Saison der Frauen-Bundesliga. Dass sie das im Schatten der Männer-Bundesliga tun muss, ist für die Außenwirkung ein Problem, das im Kontext vieler anderer Probleme allerdings kaum auffällt. Der VfL Wolfsburg, der am Sonntag (14 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den SC Sand startet, ist und bleibt das große Aushängeschild dieser Liga – nicht nur, weil er dreimal in Folge das Double gewann und den größten Zuschauerschnitt hat, sondern weil er der Verein ist, in dem der Frauenfußball so selbstverständlich zur Vereins-DNA gehört wie kein anderer Klub. Anders gesagt: Würde Uli Hoeneß sich für Frauenfußball nur halb so viel interessieren wie für Basketball, wäre es im Wolfsburger Trophäenschrank wahrscheinlich leerer.

Frauenteams als Beiwerk

Die Liga startete am Freitagabend mit dem 3:2-Sieg des 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam vor gut 2550 Zuschauern, Eurosport übertrug live. Potsdam und Frankfurt sind als reine Frauenfußball-Klubs mittlerweile Ausnahmen in der Liga, in der sieben von zwölf Teams zu einem Klub mit Profi-Männerfußball gehören, Eintracht Frankfurt wird im nächsten Jahr dazukommen. Auf dem Weg zur Professionalisierung wird das allenthalben als positiver Trend gesehen, aber die Frauenmannschaften laufen zumeist nur als „Beiwerk“ mit, spielen auf Nebenplätzen. In Leverkusen, Bremen und beim Absteiger Mönchengladbach kamen in der Vorsaison selten oder nie mehr als 300 Zuschauer zu den Spielen. „Noch immer kann man mit vergleichsweise geringem finanziellen Engagement im Frauenfußball viel erreichen“, sagt Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der Wolfsburger Frauen. Der VfL hat das vorgemacht, aber kaum einer macht es nach.

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Die VfL-Frauen feiern das Double mit den Fans vor dem AOK-Stadion ©
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Den Frauenfußball in den Klubs professioneller zu betreiben, das würde auch – so Kellermanns Ansatz – zu mehr Professionalisierung beim DFB führen. Und professionellere Verbandsstrukturen würden andersrum dafür sorgen, dass in den Klubs nach besseren Standards gearbeitet wird. Bald soll sich beim DFB ein neuer Frauen-Liga-Verband darum kümmern, die Aufgabenliste – die auch eine Problemliste ist – hat Kellermann im WAZ-Interview bereits skizziert: Modernere Stadien, besser ausgebildete Trainer, professionelle Vermarktung, verlässliche TV-Präsenz. Helfen würde das auch dem DFB-Team, das bei der WM im Sommer mehr enttäuschte als begeisterte. Kellermann: „Wenn die eigene Liga boomt, treten die Spielerinnen auch im Nationaltrikot mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein an.“

Es fehlt an guten Verkäufern

Aktuell aber muss die Liga vor allem um Beachtung kämpfen. Wie schwierig das ist, zeigt die Diskussion um TV-Übertragungen. Dass Eurosport an jedem Freitag eine Partie zeigen wird, hilft für sich genommen der Liga ebenso wie die ARD-Sportschau, die samstags berichten will. Wie sich die beiden Sender die Top-Spiele aufteilen, sorgt allerdings für Probleme - zum Teil sind Hotelübernachtungen für Auswärtsspiele schon gebucht und müssen storniert werden, wenn sich der eigentlich schon festgezurrte Spielplan ändert. Und Reisekosten sind – anders als bei den Männern – in den Etats vieler Frauen-Bundesligisten ein relevanter Faktor. Was dazu kommt: Für Spiele unter der Woche müssen sich manche Bundesliga-Kickerinnen auch schon einmal Urlaub nehmen – weil sie nicht vom Fußball leben können und entsprechend noch einen Hauptjob haben.

Eine komplett missglückte Social-Media-Kampagne im Stil von Vermissten-Anzeigen und eine Bundesliga-Auftakt-Pressekonferenz, deren Inhalt am vergangenen Montag kaum einer mitbekam, zeigen, dass es der Liga auch schlicht an guten Verkäufern fehlt. Ob der neue Namenssponsor da helfen kann, ist fraglich. „Viele erwarten, dass wir an der Entwicklung der Liga großen Anteil haben müssen“, sagt Flyeralarm-Sprecher Rolf Dittrich. „Aber für uns ist es natürlich in erster Linie ein Marketing-Engagement.“ Dittrich war einst beim VfL beschäftigt, in seine Zeit als Wolfsburg-Pressechef fiel 2009 die Meisterschaft der Männer. Die Frauen wurden seitdem fünfmal Meister und halfen in dieser Zeit dem VfL durch manche Image-Krise. Für das Spiel am Sonntag in Wolfsburg, in dem der VfL gegen Sand turmhoher Favorit ist, werden zwischen 1800 und 2000 Zuschauer erwartet, das ist mehr als ordentlich. Sportlich kann dem Meister außer Bayern sowieso niemand das Wasser reichen. In einer Liga voller Probleme bleibt der VfL Wolfsburg auch 2019/20 ein Leuchtturm.

In Bildern: Turbine Potsdam unterliegt zum Auftakt beim 1. FFC Frankfurt mit 2:3.

Die Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam schwören sich mit einem Mannschaftskreis vor dem Anpfiff ein. Zur Galerie
Die Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam schwören sich mit einem Mannschaftskreis vor dem Anpfiff ein. © Jan Kuppert
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