05. Juni 2021 / 17:57 Uhr

Frauenfußball-Saisonfinale nicht im TV! Kellermann: "Laufen der Entwicklung hinterher"

Frauenfußball-Saisonfinale nicht im TV! Kellermann: "Laufen der Entwicklung hinterher"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Fernduell ohne Fernsehen: Ralf Kellermann bedauert, dass es vom Saisonfinale der Bundesliga keine TV-Livebilder gibt.
Fernduell ohne Fernsehen: Ralf Kellermann bedauert, dass es vom Saisonfinale der Bundesliga keine TV-Livebilder gibt. © Boris Baschin
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Das Pokalfinale übertrug die ARD, vom Saisonfinale der Frauenfußball-Bundesliga gibt's dagegen keine Live-Bilder im TV. Ralf Kellermann, sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg, findet's "ärgerlich" - und fürchtet: "Wir verlieren weiter an Boden".

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Die Sichtbarkeit des Frauenfußballs im deutschen Fernsehen - ein Dauer-Ärgernis für die Klubs. Nächster Höhepunkt: Von der Meisterschafts-Entscheidung am Sonntag gibt's Livebilder nicht im TV! Wer das Spiel des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen sehen will, ist auf den kostenpflichtigen MagentaSport-Stream im Internet angewiesen. Bayern München gegen Frankfurt (beide 14 Uhr) gibt's auch auf MagentaTV und zusätzlich laut dfb.de im Livestream frei empfangbar auf eurosport.de und joyn.de. Aber eben nicht im Fernsehen. "Das ist ärgerlich!", bedauert Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen. "Und es bestätigt wieder einmal den Eindruck, dass wir in Deutschland der internationalen Entwicklung deutlich hinterherlaufen."

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Sendeplätze und Zeitfenster für Online-Streams werden bei ARD und ZDF durch die "Finals 2021" belegt, deutsche Meisterschaften in 18 verschiedenen Sportarten - Liveübertragungen vom Frauenfußball passten da offensichtlich nicht rein. "Dennoch", so Kellermann, "hätte man da eine Lösung finden können." Und: "In Spanien oder England würde das so nicht passieren, da hat die Sichtbarkeit der Frauenfußball-Ligen einen höheren Stellenwert. Es ist schade, dass das bei uns anders ist - und dass nur wenige die Chancen haben werden, die beiden Spiele jetzt am Sonntag zu verfolgen."

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Der FC Bayern geht mit der deutlich besseren Ausgangslage in dieses Saisonfinale, es reicht ein Punkt für den Titel. Der VfL muss gewinnen und auf einen Patzer des Tabellenführers hoffen. Und selbst wenn es am Ende einen souveräner Bayern-Sieg und dadurch einen nur mäßigen Spannungsbogen geben sollte, gehöre diese Meisterschafts-Entscheidung für Kellermann ins Fernsehen: "Für Bayern wäre es die erste Meisterschaft seit 2016. Was ist denn das für eine Wertschätzung, wenn man diesen Erfolg nicht auch im Fernsehen eine Bühne bietet?"



In der Vergangenheit gab's immer mal wieder Liveübertragungen vom letzten Spieltag der Frauen-Bundesliga - beispielsweise 2015, als mit Bayern, Wolfsburg und Frankfurt noch drei Teams Meister werden konnten und die Spiele (VfL und Frankfurt im direkten Duell, Bayern gegen Essen) in einer Konferenz gezeigt wurden. "Seitdem", so Kellermann, "sind wir offenbar keinen Schritt weiter gekommen - während andere Länder mit Riesenschritten vorangehen." In England beispielsweise wurde im März ein neuer TV-Deal für die Frauenfußball-Liga abgeschlossen, der den Teams nicht nur rund 18 Millionen Euro einbringt, sondern auch die Sicherheit, dass 66 Spiele pro Saison auf Sky oder BBC zu sehen sind.

Bis man in Deutschland über so eine Art von Vertrag zumindest nachdenken kann, vergehen noch zwei Jahre - denn so lange läuft der aktuellle Deal, der MagentaSport ein Erstzugriffsrecht bei den Partien sichert, die allerdings auch von ARD und ZDF verwertet werden können. Wird's erst danach besser? "Solange können wir nicht warten", mahnt Kellermann, "denn wir verlieren weiter an Boden."