02. Februar 2021 / 22:11 Uhr

Frauenfußball: Wolfsburg bastelt am "VfL Deutschland"

Frauenfußball: Wolfsburg bastelt am "VfL Deutschland"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
DFB-Trio: Ralf Kellermann hat für die neue Saison Tabea Waßmuth, Lena Lattwein und Sandra Starke (v. l.) zum VfL Wolfsburg geholt.
DFB-Trio: Ralf Kellermann hat für die neue Saison Tabea Waßmuth, Lena Lattwein und Sandra Starke (v. l.) zum VfL Wolfsburg geholt.
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Eine deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft nur mit Spielerinnen des VfL Wolfsburg? Das ist in der kommenden Saison zumindest theoretisch möglich. Der Double-Gewinner hat ab Juli 13 Spielerinnen im Kader, die schon für die A-Auswahl des DFB gespielt haben.

Insgesamt vier Neuzugänge für die kommende Saison stehen bei den Fußballerinnen des VfL Wolfsburg schon fest. Die letzten drei - Mittelfeldspielerin Lena Lattwein, Angreiferin Tabea Waßmuth und Offensivallrounderin Sandra Starke - sind deutsche Nationalspielerinnen. Damit stehen ab Juli gleich 13 (!) Fußballerinnen in Wolfsburg unter Vertrag, die schon für die DFB-Auswahl aufliefen. Anders gesagt: Der amtierende Double-Sieger wird zum "VfL Deutschland" - und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg könnte problemlos eine Startelf auf den Platz schicken, die nur aus Wolfsburgerinnen besteht...

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Nilla Fischer, Pernille Harder oder Sara Gunnarsdottir - Top-Spielerinnen aus dem Ausland prägten neben deutschen Stars wie Alexandra Popp und Almuth Schult über Jahre das Gesicht des VfL. Jetzt rücken deutsche Nationalspielerinnen in den Vordergrund. Der VfL setzt damit seinen Trend aus dem vergangenen Transfersommer - als Pauline Bremer, Lena Oberdorf und Kathy Hendrich kamen - fort.

"Wir gucken immer zuerst auf den deutschen Markt", so Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen. Lattwein und Waßmuth waren schon im vergangenen Jahr ein Thema, verlängerten ihre Verträge in Hoffenheim aber jeweils noch einmal um ein weiteres Jahr. "Jetzt", so Kellermann, "hat sich die Situation für uns so ergeben, dass beide ebenso wie Sandra Starke in Freiburg auslaufende Verträge hatten und damit ablösefrei waren."

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So könnte der VfL Deutschland aussehen
So könnte der "VfL Deutschland" aussehen ©

Dazu kommt: Wollen sich Top-Spielerinnen aus Freiburg, Hoffenheim oder Essen innerhalb der Bundesliga weiterentwickeln, kommen nur drei Teams in Frage: Wolfsburg, Bayern und die Frankfurter Eintracht, die gerade dabei ist, eine Top-Mannschaft aufzubauen. Bei den Bayern ist es im Kader bereits eng, Frankfurt kann die Perspektive Champions League (noch) nicht bieten - und Wolfsburg ist dann für ambitionierte Nationalspielerinnen quasi der logische nächste Schritt.

Ohne Spielerinnen aus dem Ausland wird's aber auch in Wolfsburg weiterhin nicht gehen. Joelle Smits, niederländische Top-Torjägerin, kommt Sommer aus Eindhoven, ein oder zwei weitere Neuzugänge dürfte es noch geben - abhängig davon, was aus den aktuellen VfL-Spielerinnen mit auslaufendem Vertrag wird. Torfrau Friederike Abt würde der VfL gern halten, die Zukunft von Anna Blässe, Lena Goeßling und Lara Dickenmann ist offen. Blässes Perspektive könnte sich kurzfristig klären, ansonsten rechnet Kellermann mit Entscheidungen bis zur Länderspiel-Pause Ende Februar. Fest steht bereits, dass mit Fridolina Rolfö und Ingrid Engen zwei Top-Spielerinnen den VfL verlassen werden.

Klar ist schon jetzt: Mit dem neuen Trainer Tommy Stroot (löst im Sommer Stephan Lerch ab) wird der Umbruch im Kader fortgesetzt - und der Konkurrenzkampf wird eher größer. Durch Olympia in diesem Jahr, der EM im nächsten Jahr und vor allem durch die neue Wettbewerbsstruktur in der Champions League braucht der VfL einen großen, möglichst ausgeglichenen Kader. Kellermann: "Sollten wir in dieser Saison als Vize-Meister in die Champions League kommen und vor der Gruppenphase einsteigen, wären es allein diesem Wettbewerb acht statt wie sonst vier Spiele in der Hinrunde. Das sind vier englische Wochen mehr - und das ist für uns eine neue Situation. Darauf müssen wir vorbereitet sein."