21. November 2020 / 12:51 Uhr

Frauke Kuhlmann gewann 1989 und 1991 mit den deutschen Fußballerinnen zwei Titel

Frauke Kuhlmann gewann 1989 und 1991 mit den deutschen Fußballerinnen zwei Titel

Markus Weber
Kieler Nachrichten
Frauke Kuhlmann mit dem deutschen Erfolgsteam der Jahre 1989 und 1991. Die frühere Spielerin des Schmalfelder SV, die in Borstel aufwuchs, ist in der zweiten Reihe die Zweite von rechts.
Frauke Kuhlmann mit dem deutschen Erfolgsteam der Jahre 1989 und 1991. Die frühere Spielerin des Schmalfelder SV, die in Borstel aufwuchs, ist in der zweiten Reihe die Zweite von rechts. © Repro/Markus Weber
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Mariposa heißt es und stammt von Villeroy & Boch. So steht es auf der Rückseite einer jeden Tasse und eines jeden Tellers des 41-teiligen Kaffeeservices. Bei genauem Hinsehen ist noch eine zweite Prägung zu erkennen.

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„Jetzt darf ich es ja verraten“, schmunzelt Frauke Kuhlmann. „Es ist der Hinweis, dass es sich um 1B-Ausschuss-Ware handelt.“ Sie verbindet mit dem Porzellan eine sehr schöne Erinnerung: Es war die Prämie, die der Deutsche Fußball-Bund seiner Frauen-Nationalmannschaft 1989 für den Gewinn der Europameisterschaft überreichte.

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„Der materielle Wert ist gering, aber der ideelle nicht mit Geld aufzuwerten. Ich habe das Service immer noch und halte es in Ehren“, sagt die 53-Jährige. Sie war als erste Nationalspielerin aus dem Kreis Segeberg vor 31 Jahren dabei, als der 2014 verstorbene Trainer Gero Bisanz und seine Fußballerinnen vor 23000 Zuschauern in Osnabrück Norwegen mit 4:1 bezwangen, den ersten Titel nach Deutschland holten und einen Frauenfußballboom auslösten.

Frauke Kuhlmann heute. Gern erinnert sich die 53-Jährige an ihre Jahre im nationalen und internationalen Spitzenfußball.
Frauke Kuhlmann heute. Gern erinnert sich die 53-Jährige an ihre Jahre im nationalen und internationalen Spitzenfußball. © Markus Weber

„Früher waren wir mit großem Idealismus dabei, haben in unseren Vereinen von der Sponsorensuche bis hin zur Ausrüstung alles selbst auf die Beine gestellt“, erinnert sich Frauke Kuhlmann, die 43-mal das Trikot der Nationalmannschaft überstreifte. „Heute ist Frauenfußball auf höchstem Niveau Profisport.“ Und wird ordentlich bezahlt. Für den Olympiasieg 2016 erhielt jede deutsche Spielerin 20000 Euro.

Das Fußballspielen wurde Frauke Kuhlmann nicht in die Wiege gelegt. Zu Hause in Borstel waren Turnen und Leichtathletik die Familien-Sportarten. „Bis zu meinem 16. Lebensjahr gehörte ich auch der Leichtathletiksparte des SV Sülfeld an“, verrät die Doppel-Europameisterin. Fußball spielte aber schon damals eine große Rolle. „Ich habe immer mit den Nachbarjungs gekickt, bin als echtes Bolzplatzkind aufgewachsen.“

Als Frauke zwölf Jahre alt war, gründete Günther Eckler in der SG Seth eine Mädchenmannschaft, der sie sich anschloss. Vier Jahre später wechselte sie zum Schmalfelder SV. Dort konnte die in Bad Segeberg geborene Außenverteidigerin auch außerhalb der Kreisgrenzen auf sich aufmerksam machen. Der Berufung in die Landesauswahl folgte 1984 ihr erstes Länderspiel gegen die Niederlande (1:1). In den folgenden acht Jahren zählte Frauke Kuhlmann zum Stammpersonal. Sie spielte unter anderem mit Doris Fitschen, Heidi Mohr, Ex-Bundestrainerin Silvia Neid und der aktuellen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Im November 1991 nahm sie an der Weltmeisterschaft in China teil, bei der Deutschland im Halbfinale ausschied. Vier Monate zuvor wurden Kuhlmann & Co. in Dänemark zum zweiten Mal Europameister – und erhielten diesmal überhaupt keine Belohnung vom DFB dafür. „Das hat uns nicht wirklich gestört. Wir waren eine Generation, die sehr kameradschaftlich orientiert gewesen ist“, erinnert sich Frauke Kuhlmann, die nach ihrem Wechsel zu Deutschlands damaligem Topteam TSV Siegen mit vielen Kolleginnen aus der Nationalmannschaft in einer Elf spielte.

Doch dann streikte das Knie. Dreimal musste sich Frauke Kuhlmann operieren lassen. Nach der dritten OP, mittlerweile schnürte sie die Schuhe für den VfB Rheine, zwang sie ein irreparabler Knorpelschaden, ihre Karriere zu beenden – mit erst 26 Jahren.

Frauke Kuhlmann beklagt keine verpassten Chancen. Im Gegenteil: „Dem Leistungssport habe ich meine berufliche Zukunft zu verdanken.“ Nach ihrem Fußball-Aus eröffnete sie in Henstedt-Ulzburg ein Sportgeschäft, das sie noch heute betreibt. Kontakt zum DFB oder zu den ehemaligen Mitspielerinnen hat sie kaum noch. „Das ist alles aber nicht schlimm“, versichert Frauke Kuhlmann, die für immer in den Geschichtsbüchern des deutschen Frauenfußballs, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, stehen bleibt: Als Teammitglied beim Gewinn des ersten Europameistertitels. Oder, wie Frauke Kuhlmann, es gerne formuliert: „Wir waren damals Pionierinnen für unseren Sport, hatten praktisch einen Spaten in der Hand und haben gesagt, hier sind wir.“