03. April 2022 / 14:18 Uhr

"Das ist mir alles zu schwammig": Was Ex-Schiri Rafati am Umgang mit dem Wechselfehler des FC Bayern stört

"Das ist mir alles zu schwammig": Was Ex-Schiri Rafati am Umgang mit dem Wechselfehler des FC Bayern stört

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist und Ex-Schiedsrichter Babak Rafati (links) spricht über den Wechselfehler des FC Bayern in Freiburg.
SPORTBUZZER-Kolumnist und Ex-Schiedsrichter Babak Rafati (links) spricht über den Wechselfehler des FC Bayern in Freiburg. © dpa/IMAGO/Noah Wedel (Montage)
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Der Wechselfehler des FC Bayern im Bundesliga-Spiel beim SC Freiburg löst viele Diskussionen aus. SPORTBUZZER-Kolumnist und Ex-Referee Babak Rafati spricht über die kurioseste Szene am 28. Spieltag.

Einer geht vom Feld, einer kommt drauf. So läuft das normalerweise, wenn in einem Fußballspiel gewechselt wird. Denn auf dem Spielfeld dürfen pro Mannschaft immer nur höchstens elf Spieler sein. Doch am Samstag war das beim Bundesliga-Spiel des FC Bayern beim SC Freiburg anders: Bei den Münchnern waren es plötzlich zwölf! "Die Bayern trifft eine Teilschuld, die Hauptverantwortlichkeit liegt aber beim Schiedsrichter-Team", sagt der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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Das Ganze passierte bei einem Doppel-Wechsel. Dabei leuchtete eine falsche Nummer auf der Anzeigetafel auf. Unter anderem wurde angezeigt, dass der Spieler mit der Rückennummer 29 vom Feld gehen soll. Früher trug diese Kingsley Coman, mittlerweile nutzt er aber die 11. Deswegen fühlte er sich nicht angesprochen und blieb auf dem Feld. Aufgrund der Corona-Pandemie pflegen die Mannschaftsverantwortlichen der jeweiligen Klubs die Trikotnummern vor einer Auswechslung in die Anzeigetafel ein. "Der Vorgang wird vom vierten Offiziellen nur begleitet und der Prozess beobachtet. Das ist absolut suboptimal gelaufen", sagte DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich bei Bild.

Ex-Schiedsrichter Rafati bewertet diese Aussage von Fröhlich als "Ausrede" des Deutschen Fußball-Bundes. "Das ist mir alles zu schwammig. Mir fehlt das klare Bekenntnis vom DFB. Warum stellt sich keiner hin und sagt, dass es ein klarer Fehler vom Schiedsrichter-Team gewesen ist? Dieses Vorgehen zeigt einmal mehr, dass die Fehlerkultur beim DFB nicht gut ist", sagte Rafati. Aus seiner Sicht hätten die Referees bemerken müssen, dass mit Corentin Tolisso nur ein Spieler den Platz verlassen hat und mit Niklas Süle und Marcel Sabitzer zwei Spieler reingekommen sind. "Man muss Mathe in der Schule nicht als Leistungsfach gehabt haben, um diese Rechnung zu verstehen. Hauptschiedsrichter Christian Dingert hat sich auf den vierten Mann verlassen. Da hat sich eine Routine eingeschlichen. Eigentlich hätte es wie in der Kreisliga laufen müssen - da zählen die Schiedsrichter auch immer durch", sagt Rafati.

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FC Bayern etwa 20 Sekunden in Überzahl

Etwa 20 Sekunden lang spielten die Bayern mit einem Mann mehr gegen den SC Freiburg. Am Ende gewannen die Münchner mit 4:1. Gemäß der DFB-Regeln wären Konsequenzen nicht sehr wahrscheinlich, zumal während der kurzen Überzahl nichts Entscheidendes passierte. Auch die Freiburger werden sich wohl zurückhalten - nicht wie während des Spiels Neu-Nationalspieler Nico Schlotterbeck, der auf die Überzahl aufmerksam gemacht hatte. "Diese Ehrlichkeit war wieder typisch für die Freiburger Kultur, einfach echt sympathisch. Ein anderer, erfahrenerer Spieler, hätte den Fehler versucht auszunutzen. Wenn das Spiel ein paar Minuten mit elf gegen zwölf gelaufen wäre, gäbe es jetzt mehr Argumente, um über eine Wertung nachzudenken", sagt Rafati.

Schiedsrichter-Boss Fröhlich will die Situation mit den DFB-Referees noch einmal besprechen. Rafati geht davon aus, dass der Verband den Unparteiischen eine "klare Ansage" machen werde. "Morgen gibt´s bestimmt ein Rundschreiben. Da wird es eine klare Zuordnung geben. Ich gehe davon aus, dass der vierte Offizielle für die Auswechslungen noch mehr in die Verantwortung genommen wird und durchzählen muss. Er gibt dann grünes Licht und das Spiel geht weiter. Dann haben wir wegen so einer Lappalie nicht mehr so einen Wirbel", sagt der frühere FIFA-Referee.