26. Mai 2021 / 19:27 Uhr

Von Freiburg bis Frankfurt: Die Chronik des Glasner-Abschieds aus Wolfsburg

Von Freiburg bis Frankfurt: Die Chronik des Glasner-Abschieds aus Wolfsburg

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zuletzt nicht mehr im Dialog: Oliver Glasner und Jörg Schmadtke.
Zuletzt nicht mehr im Dialog: Oliver Glasner und Jörg Schmadtke. © imago images/regios24
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Oliver Glasner verlässt den VfL Wolfsburg, geht nach Frankfurt - dass der Vertrag nicht bis zum Ende der Laufzeit erfüllt wird, hatte sich abgezeichnet. Im Binnenverhältnis hatte es öfter geknirscht.

Der Vertrag wurde vorzeitig beendet, Oliver Glasner hat den VfL Wolfsburg nach zwei Jahren verlassen, heuert bei Eintracht Frankkfurt an. Glasner geht als einer der erfolgreichsten Trainer der VfL-Geschichte. Die Platzierungen passten, er holte die zweitmeisten Punkte aller VfL-Coaches in der Bundesliga - das Binnenverhältnis mit dem Team und den anderen Verantwortlichen allerdings passte schon lange nicht mehr. Was auch beweist, dass nicht alle Freunde sein müssen, um im Profi-Geschäft Erfolg zu haben. Es führte aber wahrscheinlich auch mit zu einer Trennung, die letztlich wohl beide Seiten wollen. Eine Chronologie der Probleme.

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Juni 2019: Der VfL stellt den in Deutschland weithin unbekannten Glasner als neuen Trainer vor. Der gebürtige Oberösterreicher kommt vom Linzer ASK. Für Erfolg, so erklärt er, brauche es "eine gute Kommunikation" sowie einen „offenen und ehrlichen Umgang“. Mehr und mehr wird danach allerdings deutlich, dass der Ex-Profi nur zweite Wahl war - die Wolfsburger hatte sich intensiv um Marco Rose bemüht, der ihnen aber von Borussia Mönchengladbach weggeschnappt wurde.

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Dezember 2019: System-Umstellung. Glasner wetterte nach dem 0:1 in Freiburg zum Ende der Hinrunde 2019/20: „Ich bin mit dem Auftritt alles andere als zufrieden, weil wir ungefähr so ins Spiel gegangen sind: Ja, schauen wir mal, es wird schon, und es passiert schon nichts.“ Der Österreicher war erstmals nach einer Niederlage außer sich und zählte seine Verlierer an: „Vielleicht sind einige noch in der letzten Saison hängengeblieben. 80 Prozent vom Kader sind vor zwei Jahren fast abgestiegen. Man muss sich jedes Jahr aufs Neue beweisen. Der eine oder andere ist nicht bereit, etwas nachzusetzen.“ Intern gefiel Glasners öffentliche Schelte nicht jedem, nach außen hin allerdings war er sich noch einig mit Manager Jörg Schmadtke, der dem Team auch die Leviten las. Wolfsburg war in jener Saison ein unangenehmer Gegner, hatte allerdings auch viele Remis gespielt. Und offensichtlich mit dem neuen System gefremdelt. Seltsam genug: Nach der öffentlichen Abkanzelung der Spieler stellte Glasner das System (von Dreierkette wieder auf Viererkette) um und änderte es danach nicht mehr.

November 2020: Die öffentliche Kritik an Transfers. In der Bundesliga war der VfL weiter unbequem, verlor sechs Spiele in Folge nicht, gewann aber auch nur eines, dazu hatte es im Oktober das Aus in der letzten Runde der Europa-League-Qualifikation gegeben. Völlig unverhofft übte Glasner vor der Partie gegen Hoffenheim Anfang November ungewohnt scharfe Kritik an den Transfers des eigenen Klubs, sagte in einem Sky-Interview: "Eines unserer Transferziele war es, einen Spieler mit Tempo und Tiefgang zu holen. Das haben wir halt nicht geschafft." Er hatte damit auch auf Jacob Bruun Larsen angespielt, der zu Hoffenheim gewechselt war. Manager Schmadtke antwortete im SPORTBUZZER trocken: "Das ist ja nicht Phantasialand hier. Man kann nicht Dinge haben wollen, die unrealistisch sind." Er betonte aber auch, er sei kein Trainer-Killer. Wenn es zu dem Zeitpunkt noch intakt gewesen war - das Verhältnis Glasner/Schmadtke war es danach nicht mehr. Es funktionierte allerdings noch "professionell", wie es der Trainer wiederholt nannte. Glasner lieferte Top-Trainingsarbeit, die Mannschaft spielte völlig unbeeinflusst und nahm Kurs auf die Champions-League-Plätze. Wenn mancher gelaubt hatte, die Lage hätte sich vielleicht entspannt - dem war nicht so.

März 2021: Der Eiertanz. Am Anfang des Monats enthüllt der Kicker, dass in Glasners Vertrag eine Ausstiegsklausel existiert. Und die konnte er bis zum vorletzten Spieltag ziehen. Danach wurde er bei verschiedenen Klubs gehandelt. Er selbst vermied jegliches Treuebekenntnis zum VfL. Nach Ablauf der Frist sagte auch der Klub nicht, dass man auf Erfüllung des Vertrages pochen werde. Da befanden sich beide Seiten auch schon in Verhandlungen über das vorzeitige Vertragsende. Wolfsburg bekommt eine Abfindung, Glasners neuer Klub muss umgekehrt nicht so viel zahlen, wie beim Ziehen der Klausel durch den Coach fällig geworden wäre - fünf Millionen Euro.

Mai 2021: Unmittelbar nach dem Saisonfinale (2:3 gegen Mainz) verzichteten Glasner und Schmadtke erstmals darauf, in Sachen Trainervertrag ausschließlich auf die Laufzeit bis 2022 hinzuweisen. Das Saisonfazit des Trainers geriet zu einer Abschiedsrede, zudem kündigte er erstmals klärende Gespräche an, auch Schmadtke sprach von einem "Schwebezustand", den man klären müsse. Die Klärung dauerte nur noch vier Tage, dann wurde der längst öffentliche diskutierte Glasner-Wechsel nach Frankfurt verkündet.