14. Mai 2022 / 10:08 Uhr

Freiburg-Profi Lienhart über CL-Avancen, das Pokalfinale und seine Vergangenheit bei Real Madrid

Freiburg-Profi Lienhart über CL-Avancen, das Pokalfinale und seine Vergangenheit bei Real Madrid

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Philipp Lienhart schnuppert mit dem SC Freiburg an der Champions-League-Teilnahme.
Philipp Lienhart schnuppert mit dem SC Freiburg an der Champions-League-Teilnahme. © IMAGO/Langer (Montage)
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Der SC Freiburg ist das Überraschungsteam der laufenden Bundesliga-Saison. Im DFB-Pokalfinale spielt das Team aus dem Breisgau noch um den Titel, in der Liga schnuppert der Sport-Club sogar an der Champions-League-Teilnahme. Der SPORTBUZZER hat vor dem 34. Spieltag mit Innenverteidiger Philipp Lienhart gesprochen.

Die Teilnahme am Europapokal ist für den SC Freiburg vor dem 34. Bundesliga-Spieltag sicher. Sogar der Sprung in die Champions League ist für den Sport-Club noch möglich. Zu einem der Leistungsträger im Ensemble von Trainer Christian Streich gehört Innenverteidiger Philipp Lienhart. Vor dem letzten Spiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr, live sehen mit Sky Ticket [Anzeige]) spricht der 25-Jährige im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), über die zurückliegende Spielzeit, das DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig am 18. Mai sowie seine Vergangenheit bei Real Madrid.

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SPORTBUZZER: Herr Lienhart, mindestens Europa League und vielleicht sogar noch der DFB-Pokalsieg – wie fällt ihr Saisonfazit zwei Spiele vor Ende aus?

Philipp Lienhart (25): Bereits jetzt sehr positiv. Wir gehen ja in jede Spielzeit mit dem Ziel Klassenerhalt. Das haben wir in dieser Saison deutlich übertroffen. Dass wir bald wieder international spielen werden, ist extrem schön für uns alle. Und das Pokalfinale ist auch nochmal etwas ganz besonders zum Abschluss.

Sie mussten zuletzt mit der 1:4-Pleite gegen Union Berlin einen Rückschlag einstecken. Wie sehr hat sie dieses Ergebnis zurückgeworfen?

Es war schon sehr enttäuschend. Aber wir waren einfach nicht gut genug – vor allem in der Defensive. Auch meine Leistung war an diesem Tag schlecht. Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren, waren nicht griffig genug und unaufmerksam. Es hat wehgetan, aber wir richten den Blick wieder nach vorne und wollen in Leverkusen unser anderes Gesicht zeigen.

Ist es ein Vorteil, dass Bayer bereits die Champions League sicher hat?


Das würde ich so nicht sagen. Es kann auch sein, dass sie komplett befreit aufspielen und nochmal stärker werden. Für uns ist aber klar, dass wir punkten wollen.

Bei Bayer dürfte es für Sie und die anderen Verteidiger nicht einfach werden. Mit Patrik Schick steht Ihnen der zweitbeste Bundesliga-Torschütze gegenüber. Wo sehen Sie ihn im Ranking mit Robert Lewandowski, Erling Haaland und Co.?

Jeder Stürmer hat andere Qualitäten. Aber der für mich am schwierigsten zu verteidigende Stürmer war Haaland. Es ist jedoch egal, ob der Gegenspieler Lewandowski, Schick oder Haaland heißt: Sie sind auf verschiedener Weise so gut, dass man 90 Minuten wach bleiben muss und sich keinen Fehler erlauben darf.

"Wir bleiben voll auf Spannung"

Das gilt auch für Leipzigs Christopher Nkunku, auf den Sie mit Freiburg im DFB-Pokalfinale am 21. Mai treffen. Wie schwer ist es, dieses Spiel noch auszublenden?

Nicht so schwer, denn wir schauen bereits die ganze Saison nur auf das nächste Spiel am Wochenende. Das klingt vielleicht wie eine Floskel, aber das hat uns bislang so stark gemacht. Es tut uns ohnehin gut, dass wir vor dem Pokalspiel noch liefern müssen, so bleiben wir voll auf Spannung. Danach kommt dann Berlin. Es wird aber eine große Erfahrung für uns alle.

Im Sommer steht direkt neben Ihnen in der Verteidigung eine Veränderung an. Nico Schlotterbeck verlässt den Klub in Richtung Dortmund, dafür kommt Matthias Ginter aus Gladbach zurück. Wie bewerten Sie diesen "Tausch"?

Für Nico freut es mich erstmal, dass er nach dieser starken Saison diesen Schritt machen kann. Und mit Ginter bekommen wir einen Spieler mit sehr viel Erfahrung. Er ist ein Spieler mit großen Qualitäten, der uns sicher weiterhelfen kann. Es ist aber kein Eins-zu-eins-Tausch.

Wie meinen Sie das?

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Nico ist Linksfuß, Ginter Rechtsfuß – das ist schonmal ein großer Unterschied, gerade was unsere Spieleröffnung angeht. Aber klar, es gibt auch Gemeinsamkeiten: Beide Spieler sind sehr zweikampfstark und haben ihre Stärken im Spiel mit dem Ball. Vom Rest lasse ich mich überraschen. Aber für mich ist schon jetzt klar, dass wir weiterhin viel Qualität auf dem Platz haben werden.

"Christian Streich legt auf kleine Details sehr viel Wert"

Schlotterbeck wurde wie auch in den Vorjahren Caglar Söyüncü und Robin Koch für viel Geld verkauft. Die Übersicht der teuersten Freiburg-Abgänge dominieren Innenverteidiger. Wie erklären Sie sich das?

Naja, wir haben in der Vergangenheit auch gute Offensivspieler wie Luca Waldschmidt abgegeben, aber stimmt schon: Das dürfte damit zu tun haben, dass hier sehr viel Wert auf eine kompakte Defensive gelegt wird. Und Im Training werden wir jeden Tag vom Trainer gefordert, auch in den Video-Nachbereitungen analysieren wir extrem viel. Christian Streich legt auf kleine Details sehr viel Wert – und so verbessern sich auch die Verteidiger.

Sie haben bei Real schon Trainer wie Zinédine Zidane und Rafael Benítez erlebt. Streich ist mit beiden wahrscheinlich überhaupt nicht zu vergleichen…

Das ist ganz schwierig. Christian Streich ist der emotionalste Trainer, den ich bisher hatte. So, wie Christian Streich in den Medien rüberkommt, ist er auch in der Kabine. Er verstellt sich nicht, spricht Klartext und gibt alles, was er hat, um die Mannschaft zu stärken und Spieler besser zu machen.

Das hat er auch bei Schlotterbeck und Co. Geschafft. Diese Spieler haben Freiburg als Sprungbrett genutzt. Ist ein Wechsel zu einem großen europäischen Klub auch ihr Ziel? Sie waren schonmal bei Real Madrid, konnten sich dort aber nicht im Profi-Kader durchsetzen…

Mein Ziel war es immer, auch mit dem Verein in einem europäischen Wettbewerb zu spielen – das haben wir jetzt mit Freiburg erreicht. Für mich ist damit der Optimalfall eingetroffen. Ich fühle mich in dieser Mannschaft und auch in der Stadt sehr wohl, sodass ich mir gut vorstellen könnte noch einige Zeit hier zu bleiben. Aber klar: Wenn es mal soweit sein sollte, dass mich ein Top-Klub haben möchte, werde ich mir sicher Gedanken machen. Ich mache mir aber auch nicht den Stress, dass es unbedingt klappen muss.

Haben Sie eine Wunschliga? Für Söyüncü und Koch ging es damals in die Premier League…

Ich wäre da relativ offen. Am coolsten würde ich aber die La Liga finden (grinst). Ich hatte damals zu meiner Zeit bei Real leider nicht die Möglichkeit, in der ersten spanischen Liga zu spielen. Daher wäre es schön, wenn das irgendwann noch klappen würde und sie so der Kreis schließen würde. Ich mache mir aber keinen Druck. Wenn ich am Ende meiner Karriere über 300 Spiele für Freiburg gemacht habe, würde ich auch mit stolz darauf zurückblicken.

"Habe nochmal einen großen Schritt gemacht"

Sie empfehlen sich zumindest aktuell auf einem sehr starken Level für noch höhere Aufgaben. Wie sehen Sie ihre Form in dieser Saison?

Ja stimmt, es war eine sehr stabile Saison von mir. Wenn ich mich mit mir selbst vor drei Jahren vergleiche, habe ich noch mal einen großen Schritt gemacht. Aber natürlich kann ich mich in vielen Dingen noch weiterentwickeln – ich sehe da durchaus noch Luft. Solche Spiele wie zuletzt gegen Union sollten zum Beispiel möglichst gar nicht mehr vorkommen.

Sie können nach der Saison mit dem SC Freiburg nicht ganz so lange abschalten. Mit Österreich stehen Anfang Juni drei Spiele in der Nations League an – und das mit Ralf Rangnick als neuen Trainer. Wie haben Sie diese Meldung aufgenommen?

Ich habe es auch über die Medien erfahren. Es freut mich aber. Er hat sehr viel Erfahrung im Fußballgeschäft und wird die Mannschaft mit seinen speziellen Ideen stärken. Der ÖFB hat mit Ralf Rangnick einen sehr guten Trainer gefunden.

Sie haben also noch kein Gespräch mit Rangnick geführt?

Nein, wir werden uns dann Anfang Juni kennenlernen.

Dann treffen Sie auch auf ihren ÖFB-Kollegen David Alaba. Er spielt bei Real Madrid eine grandiose Saison. Ist er für alle Österreicher ein Vorbild?

Auf jeden Fall. Man muss sich ja nur die ganzen sportlichen Erfolge und sein Auftreten auf dem Platz anschauen. Wie er es die letzten Jahre gemacht hat, war überragend. Es ist schön und hilfreich, wenn man ihn in der Nationalmannschaft direkt in seinem Umfeld hat und sich Sachen von ihm abschauen kann. David ist ein Weltklasse-Verteidiger und auch für mich ein Vorbild.