30. August 2020 / 23:16 Uhr

Freiburg-Trainer Streich lobt Protest-Welle im US-Sport: "Elementare Menschenrechte missachtet"

Freiburg-Trainer Streich lobt Protest-Welle im US-Sport: "Elementare Menschenrechte missachtet"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Anti-Rassismus-Proteste in den USA nötigen Freiburg-Trainer Christian Streich Respekt ab.
Die Anti-Rassismus-Proteste in den USA nötigen Freiburg-Trainer Christian Streich Respekt ab. © (c) AP
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Nach den jüngsten Anti-Rassimus-Protesten in den USA hat sich Freiburg-Trainer Christian Streich zu Wort gemeldet. Dass inzwischen auch Sportler gegen die Missstände protestieren, sieht der Bundesliga-Coach als "extrem wichtiges" Zeichen. 

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Die Anti-Rassismus-Bewegung hat in den USA spätestens seit der vergangenen Woche auch den Sport fest im Griff. Die jüngsten Boykotte und Proteste von US-Sportlern in Basketball, American Football, Fußball und anderen Sportarten nötigen auch Akteuren der deutschen Bundesliga Protest ab - unter anderem Peter Fischer, der Präsident von Eintracht Frankfurt, meldete sich bereits unterstützend zu Wort. "Das was dort passiert, ist extrem wichtig", sagt nun auch Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, dem Kicker.

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Der 55-Jährige ist seit vielen Jahren als Mann bekannt, der über den Tellerrand blickt - und oft auch eine klare Meinung zu gesellschaftlichen und politischen Dingen hat. Auch die Geschehnisse in den USA, wo immer wieder Polizeigewalt gegen Schwarze publik wird, verfolgt Streich. Es überrasche ihn "in letzter Konsequenz nicht, dass sich jetzt auch viele weiße Mitbürger und Spieler in vielen Sportarten bekennen", sagte der Breisgauer. "Das ist extrem wichtig, weil es letztlich um Leben und Tod geht, um Gewalt und Mord, elementare Menschenrechte, die missachtet werden."

Internationale Pressestimmen zum Boykott im US-Sport

Die internationale Presse kommentiert die Boykott-Welle im US-Sport. Zur Galerie
Die internationale Presse kommentiert die Boykott-Welle im US-Sport. ©

NBA-Star Antetokounmpo: "Das ist größer als Basketball"

Nach den beispiellosen Boykotten und Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt hatten die Top-Ligen in den USA am Wochenende zuletzt ihren Spiel- und Trainingsbetrieb zwar wieder aufgenommen - doch von Normalität ist nicht nur wegen Corona nichts zu spüren. Das Thema Rassismus bleibt omnipräsent. Insbesondere die NBA-Profis weisen immer wieder auf die Probleme in der amerikanischen Gesellschaft hin. "Das ist größer als Basketball", sagte Star-Spieler Giannis Antetokounmpo nach dem Sieg seiner Bucks gegen Orlando. "Es wird Spiele geben, in denen du 30, 35, 50 oder wie viele Punkte auch immer machen wirst und du wirst dich daran erinnern. So, wie wir uns gefühlt haben, daran werden wir für den Rest unseres Lebens erinnern", sagte er.

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Als erste US-Profimannschaft hatten die Bucks in der vergangenen Woche ein Playoff-Spiel boykottiert und damit eine nie da gewesene Protestserie ausgelöst. Aus der WNBA (Frauen-Basketball), MLS (Fußball), MLB (Baseball) und etwas verspätet der NHL (Eishockey) hatten sich Teams und Spieler angeschlossen. Mannschaften aus der NFL (American Football) verzichteten auf ihr Training und selbst das Tennis-Masters in New York spielte einen Tag lang gar nicht. "Das ist groß. Das ist stark", sagte Antetokounmpo. "Andere Sportler und Mannschaften aus anderen Ligen das gleiche machen zu sehen, ist kraftvoll und zeigt, dass wir das Richtige getan haben."

Streich: Vor aktuellen Entwicklungen "nicht die Augen verschließen"

Die Bucks hatten am Mittwoch stundenlang in der Kabine gesessen und unter anderem mit der Familie von Jacob Blake telefoniert. Der 29 Jährige war vor einer Woche in Kenosha von der Polizei sieben Mal in den Rücken geschossen worden. Milwaukee ist mit dem Auto keine Stunde Fahrtzeit entfernt vom Tatort. In der NBA hatte es seitdem Diskussionen gegeben, ob die Saison überhaupt fortgesetzt werden sollte. Nach mehreren Sitzungen und nachdem unter anderen Lakers-Star LeBron James den Rat von Ex-Präsident Barack Obama angenommen hatte, entschieden sich die Basketballer weiterzuspielen. Sie bekamen von den Teambesitzern dafür unter anderem das Versprechen, dass - wo es möglich ist - die Heimspielstätten als Wahllokale bei der anstehenden Präsidentschaftswahl am 3. November genutzt werden.

Vor den aktuellen Entwicklungen könne man "nicht die Augen verschließen", sagte Streich. "Deshalb ist es total wichtig, was gerade passiert, weil diese Leute in dem Land dort gehört werden." Ohnehin gebe es zurzeit wieder eine Tendenz, "dass sich leider wieder ein gewisser Teil der Menschen nach autoritären Strukturen sehnt, auch wenn diese sie letztlich in ihrer Freiheit einschränken. Das ist mit Blick auf die Geschichte ein Phänomen, dass immer wieder passiert und leider gerade an vielen Orten der Welt stattfindet".