26. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Freiburgs Nils Petersen im Interview: „Profis sind heute kälter“

Freiburgs Nils Petersen im Interview: „Profis sind heute kälter“

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Freiburgs Nils Petersen spielt schon lange in der Bundesliga - und hat Veränderungen in der deutschen Eliteklasse wahrgenommen.
Freiburgs Nils Petersen spielt schon lange in der Bundesliga - und hat Veränderungen in der deutschen Eliteklasse wahrgenommen. © Imago
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Der Freiburger Nils Petersen ist mit 12 Saisontreffern aktuell der erfolgreichste deutsche Stürmer. Im Interview spricht er über die größten Veränderungen im Profifußball.

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Er trifft und trifft und trifft. Mit mittlerweile zwölf Saisontoren ist Nils Petersen die Lebensversicherung des Tabellendreizehnten SC Freiburg. Auch beim 1:1 in Hoffenheim am vergangenen Sonnabend erzielte der Mittelstürmer den Ausgleichstreffer – per Elfmeter, nachdem er selbst gefoult wurde. Ein Interview mit dem aktuell erfolgreichsten deutschen Stürmer.

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Herr Petersen, wie genau wollen Sie mit dem kleinen SC Freiburg erneut den Klassenerhalt packen?

Wir müssen mehr laufen und auch mehr in die Zweikämpfe gehen als der Gegner. Vor allem unsere Heimspiele wollen wir nutzen. Und wir haben außerdem noch viele Spiele gegen direkte Konkurrenten, wo es darum geht sie auf Abstand zu uns zu halten.

Um Pokale oder Meisterschaften wie früher mit dem FC Bayern werden Sie mit Freiburg nie spielen. Vermissen Sie als Topstürmer das nicht?


Ich vermisse keine Pokale! Ich bin stolz, dass ich seit zehn Jahren in der Bundesliga spiele. Ich bin glücklich

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Der Fußball hat sich seit ihrem Profidebüt am 4. Februar 2007 verändert, er ist wahnsinnig schnell geworden. Woran liegt das?

Es ist ein krasses Tempo im Spiel. Denn die Märkte sind heute überall hin offen. Du kannst dir als Verein Sprinter aus Amerika, Afrika und Asien holen. Die besten und schnellsten Spieler dieser Kontinente strömen nach Europa und heben den europäischen Fußball auf ein neues Level.

Das Tempo wird immer wichtiger.

Junge Profis sind heute häufig extrem schnell. Tempo wird ein immer bedeutenderer Faktor in der Bundesliga. Das ist für Spieler wie mich, die keine großen Sprinter sind, ein Nachteil. Es ist wirklich hart, jedes Jahr der Bundesliga gerecht zu werden, bei dem was da nachkommt.

Wie hält man sich zukünftig als älterer Spieler in der Bundesliga?

Die Typen sterben aus, die Profis werden zu lieb – das sagen die Leute, und es ist sicher nicht ganz falsch. Und genau davon profitieren ältere Spieler. Denn Typen werden immer gefragt sein.

Profis können heute sehr früh schon viel Geld verdienen, werden schnell zu Superstars hochstilisiert. Hat der Profi-Ruhm nur Vorteile?

Heute gibt es junge Spieler, die Verträge bis ins Jahr 2023 oder 2024 haben und mit Millionen überschüttet werden. Diese Summen kann gar keiner mehr begreifen.

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Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? ©

Es ist nicht einfach für junge Spieler.

Früher wurdest du mit 22 Jahren ins kalte Wasser geschmissen, heute musst du mit 17, 18 funktionieren, sonst wirst du in Deutschland groß kritisiert.

Geht das auf Dauer gut?

Das eine ist das viele Geld, das andere ist der immer größer werdende Druck für junge Spieler. Ich glaube ohnehin, dass unsere Körper nur für eine bestimmte Anzahl von Jahren im Profifußball gemacht sind.

Wie meinen Sie das?

Wenn du mit 17 Jahren Bundesliga spielst und mit 20 schon 100 Profispiele auf dem Buckel hast, weiß ich nicht, ob du dann noch zehn Jahre Bundesliga spielen kannst. Das wird irgendwann mal eine interessante Langzeitstudie.

Als Profi steht man auch ständig unter Beobachtung.

Du kannst als junger Profi doch nicht mal mehr in einen Club feiern gehen. Denn du stehst ständig unter Druck. Profis sind heute kontrollierter, sie sind kälter. Weil du allen immer gerecht werden musst.

Stellen Sie sich vor, Sie wären vor 30 Jahren Profi gewesen. Was hätte Ihnen daran wohl am besten gefallen?

Ich hätte die Siege mehr begießen können (lacht). Damals wurdest du nicht an jeder Ecke erkannt, es gab keine Handys. Heute sehen die Menschen dich auf dem Fernseher 40 Mal in Großaufnahme. Da hatten die Spieler damals sicher einen kleinen Vorteil, andererseits verdienst du heute besser. Es gleicht sich alles aus. Und hier in Freiburg haben wir schon auch Ruhe. Das genieße ich.