07. Juli 2020 / 10:52 Uhr

Sonst mehr als 1000 Zuschauer: Freie Sicht auf das Reitturnier in Thönse

Sonst mehr als 1000 Zuschauer: Freie Sicht auf das Reitturnier in Thönse

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse

Ziemlich übersichtlich: Das Turnier in Thönse fand wegen der Corona-Krise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 
Ziemlich übersichtlich: Das Turnier in Thönse fand wegen der Corona-Krise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.  © Debbie Jayne Kinsey
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Die Corona-Krise schränkt Veranstaltungen massiv ein. Wie auch das Reitturnier in Thönse, wo sich sonst um die 1000 Zuschauer tummeln. Der SPORTBUZZER hat sich vor Ort umgeschaut, wie so ein Geister-Turnier abläuft. 

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Die Kombination kennen nur Andreas Schubert und seine Helfer. Mit einem bunten Fahrradschloss ist der Eingang des Turnierplatzes am Ortsausgang von Thönse gesichert. Nur wer auf der Liste steht oder schon ein pinkfarbenes Armband trägt, den lässt der erste Vorsitzende der RSG Roggen-Hof passieren. Viele sind es nicht. Warum, das erklärt ein großes Plakat, das die Veranstalter des Dressur- und Springturniers am Eingangstor aufgehängt haben.

„Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dieses Jahr muss unser Turnier leider vollständig ohne Zuschauerbeteiligung stattfinden“, steht dort geschrieben.

Normalerweise über 1000 Zuschauer

Das Coronavirus und seine Auswirkungen haben auch beim Turnier in dem kleinen Dorf im Nordosten von Hannover vieles über den Haufen geworfen und unmöglich gemacht. Wo sonst mehr als 1000 Zuschauer für reichlich Trubel auf dem Gelände sorgten und die Leistungen von Pferd und Reiter beklatschten, schallt am Samstagnachmittag nur die Stimme von Manuela Frey über die Anlage.

Vom Richtertisch aus kündigt sie per Mikrofon die Reiter und Reiterinnen an, informiert über Ergebnisse und Platzierungen. Immerhin ein kleines Stück Vertrautheit. Ansonsten ist es hier viel zu ruhig für eine Veranstaltung, die immer auch ein Stück weit Reitfest und Dorfereignis ist.

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Das Turnier ausfallen lassen kam nicht in Frage

Ein Pferd, ein Reiter und eine Begleitperson – mehr lassen die Corona-Verordnungen nicht zu. Wer einen Blick auf den Parcours werfen will, hat allzeit freie Sicht. „Sonst wurde nach jeder Nullrunde Musik gespielt, Oma, Opa und die Eltern haben zugeschaut und bei der Ehrenrunde mitgeklatscht“, sagt Organisatorin Heike Feldmann, auf deren Anlage das Turnier seit 2014 stattfindet.

Ihr fehlt an diesem Wochenende besonders die „Leichtigkeit, Geselligkeit und das besondere Flair des Turniers“, das für die Reiter in den Jahren zuvor immer auch ein beliebter Treffpunkt war. „Dieses Mal reitet man – und dann geht man“, sagt Feldmann. 2000 Nennungen gab es 2019, dieses Mal verzeichnete die RSG Roggen-Hof 900 Anmeldungen zu den Prüfungen.

Aufgeben und das Turnier ausfallen lassen, das kam für die Thönser jedoch nicht infrage. „Für die meisten Reiter ist es wichtig, dass sie mal wieder an einem Turnier teilnehmen können. Zumal wir hier auch viele junge Reiter und Pferde haben“, sagt An­dre­as Schubert. Zwar habe es nicht so viele Sponsoren wie sonst gegeben, aber „man hat uns geholfen, wir konnten es gestalten“, sagt der RSG-Vorsitzende.

Sie sind ein gutes Team: Daniela Gau und Luca.
Sie sind ein gutes Team: Daniela Gau und Luca. © Debbie Jayne Kinsey
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Geholfen hat auch ein bisschen das Glück. „Wir haben an einem Wettbewerb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) teilgenommen und gehören zu den 50 Vereinen, die eine Unterstützung gewonnen haben“, sagt Larissa Skierlo, Sport- und Pressewartin des Reitvereins aus Thönse. 1000 Euro für die Ehrenpreise sowie eine Übertragung des Turniers als Livestream im Internet gab es von der FN als Belohnung.

Auch Dressurreiterin Skierlo vermisst die gewohnte „Stimmung und Atmosphäre auf der Anlage. Und wir hatten hier immer eine kleine Shoppingmall, da konnte man vom Glitzergürtel bis zum Reithelm alles kaufen“, sagt die 28-Jährige und zeigt auf den Weg, wo dieses Mal nur Toiletten- und Sanitätswagen stehen.

"Es hat Spaß gemacht"

Im Parcours ist für die Reiter und ihre Pferde dann jedoch (fast) alles wie immer. Auch wenn das Tragen von Masken bei der gemeinsamen Besichtigung der Hindernisse ungewohnt ist, bei den Sprüngen über Oxer und Kombinationen spielt Corona keine Rolle mehr.

„Ich bin froh, dass ich hier reiten kann. Gerade bei meinem Hausturnier wollte ich unbedingt dabei sein“, sagt Daniela Gau, die mit ihrem Pferd Luca an den Start geht. „Auch wenn das normale Drumherum fehlt, es hat Spaß gemacht.“

Motiviert: RSG-Chef Andreas Schubert, Turnierorganisatorin Heike Feldmann und Sportwartin Larissa Skierlo (von links). 
Motiviert: RSG-Chef Andreas Schubert, Turnierorganisatorin Heike Feldmann und Sportwartin Larissa Skierlo (von links).  © Debbie Jayne Kinsey

Lob für die Veranstalter gibt es von Nele Marie Osterode, die mit ihrem Pferd Pitch Black zum ersten Mal nach Thönse gekommen ist. „Der Weg hat sich gelohnt, alles ist super organisiert. Das ist für uns nach langer Pause das erste Turnier. Besonders das Training hat mir in den vergangenen Monaten gefehlt. Immer nur Dressur, das war doof“, sagt die 15-jährige Springreiterin vom RV Springe. Mit dem dritten Platz in der Stilspringprüfung Klasse A* ist Osterode sehr zufrieden.

Das anschließende Zeitspringen sei jedoch für ihr Pferd die bessere Disziplin, sagt sie. „Da kann er Gas geben ohne Ende.“ Und genau das macht Pitch Black. Fast mühelos überquert das Duo die Hindernisse und hätte mit einer starken Leistung wieder eine Chance auf eine gute Platzierung gehabt. Wenn, ja wenn, die junge Reiterin nicht nach dem vorletzten Hindernis rechts abgebogen und das letzte Hindernis einfach links liegen gelassen hätte.

Ihr Missgeschick hakt sie schnell ab. Kann ja mal passieren in diesen besonderen Zeiten.

Und so lief das Turnier sportlich

Mit dem sportlichen Höhepunkt, einer Springprüfung der Klasse M, endete am Sonntagnachmittag das Dressur- und Springturnier der RSG Roggen-Hof. Den Sieg holte sich Florian Berkhoff (RFV Woltorf) mit einer fehlerfreien Runde auf seinem Pferd Chester in 58,83 Sekunden. Ebenfalls ohne Strafpunkte blieb Carolin Baule vom RFV Wunstorf, mit Gero benötigte sie jedoch 63,38 Sekunden. Rang sechs belegte Saskia Sophie Kunz auf Go on‘s Gisela vom RFV Thönse (4 Fehler, 59,89). 

Auch an den Tagen zuvor gab es in Thönse spannende Wettbewerbe, zu denen das Roggen-Hof-Kornspringen gehörte. Bei dieser Punktespringprüfung der Klasse L mit Joker setzte sich Bernward Engelke vom RVF Harsum mit Quizduell vor Darina Depenau mit Cepetto (RSG Unter den Eichen) durch. Robin Warmbold vom RFV St. Georg Burgdorf belegte mit Calisto Rang sieben, Kerstin Greif von der TG Poggenhagen wurde auf Sam Franciso Achte. 

Bei der Dressurprüfung der Klasse L siegte Melina Gehrmann mit Scolero (RFV Beedenbostel) vor Ann-Christin Schuster (RUF Hänigsen) auf Be Happy. Yvonne Conrades (Royal Rain Man, RG Schillerslage) kam auf Rang fünf, Jelka Eike Meyhöfer mit Van der Vaart belegte zusammen mit Christine Goslar vom RFV Otze und A Quando Rang sieben.