11. September 2020 / 10:24 Uhr

Freier Tag trotz anstehendem Pokalspiel: Wird 96-Trainer Kenan Kocak zum Softie?

Freier Tag trotz anstehendem Pokalspiel: Wird 96-Trainer Kenan Kocak zum Softie?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Coach Kenan Kocak mit Athletiktrainer Timo Rosenberg im Arm.
Coach Kenan Kocak mit Athletiktrainer Timo Rosenberg im Arm. © Florian Petrow
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Jeder Trainer pflegt so seinen Stil. 96-Coach Kocak steht für Strenge und Konsequenz, einer der keine Kompromisse macht, wenn er überzeugt ist von etwas. Sportdirektor Gerhard Zuber gab zuletzt zu, dass er als Spieler „nicht der Richtige für den Trainer“ gewesen wä­re. Nun zeigt sich Kocak plötzlich von seiner weichen Seite.

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96-Trainer Kenan Kocak steht für Strenge und Konsequenz. Der Torwartwechsel bei 96, der Kapitänstausch, das Poboken als Trainingsstrafe, die intensiven Läufe am Ende der Einheiten – alles Indizien für einen Trainer, der keine Kompromisse macht, wenn er überzeugt ist von etwas. Sportdirektor Gerhard Zuber gab zuletzt zu, dass er als Spieler „nicht der Richtige für den Trainer“ gewesen wä­re. Zumal Zuber als Profi in Fürstenfeld oder Voigtsberg eher nicht so der Trainingsweltmeister war. Nun zeigt sich Kocak plötzlich nicht von seiner harten, sondern von der soften Seite.

Jubel über freien Tag bei den 96-Spielern

Jubel gestern auf dem Trainingsplatz. Valmir Sulejmani schoss als sechster Schütze an die Latte. Die Mannschaft feierte den Volltreffer wie einen Pokalsieg. Sechs von 18 Versuchen mussten im Lattenschießen an die Stange, Sulejmani holte mit seinem Versuch den Feierabend heraus. Die Spieler haben heute frei, drei Tage vor dem ersten Pflichtspiel, der DFB-Pokal-Partie in Würzburg. Ein freier Tag so kurz vor einem wichtigen Wettkampf, das ist ungewöhnlich. „Die Mannschaft hat sich das verdient“, sagte Kocak nachher milde.

Bilder vom Training von Hannover 96 (10. September 2020)

Große Freude nach einem Spiel beim 96-Training. Zur Galerie
Große Freude nach einem Spiel beim 96-Training. ©

Zuber: „Krasser Umbruch“

Die Mannschaft. Das ist das neue Gebilde bei Hannover 96, das 15 Abgänge und neun Zugänge verzeichnet. „Krasser Umbruch“ nennt Zuber das. Krass und ein bisschen wild mit einer bunten Mischung mit einem Japaner, einem Schweden und einem Ghanaer. Die angekündigten Top-Transfers, die Geld kosten, hat Kocak nicht oder erst sehr spät (Patrick Twumasi) bekommen. Anfangs schimpfte der Trainer darüber. Nun hat etwas Klick gemacht, bevor Kocak zum ersten Mal sagte: „Ich kümmere mich um die Spieler, die hier sind, und wenn es nur zwölf sind.“

Kocak: „Angst bremst die Spieler“

In den vergangenen Tagen kümmerte sich Ko­cak anders, er kritisiert weniger. Die 96-Spieler sollen für den ersten Wettbewerb frei im Kopf sein. Denn „Angst“ sagte Kocak, „bremst die Spieler“. Pünktlich zum Saisonstart will Kocak jetzt die Angstbremse lösen. Die Bedenken bei den Spielern vor Fehlerfolgen wären übrigens nicht ganz unberechtigt. Kocak ging konsequent mit Spielern um, die ihre Leistung nicht oder nicht mehr brachten.

Viele Verletzte im Kader der 96er – Kocak zeigt sich verständnisvoll

Der Trainer reagiert nun auf das Problem seines personell dünn besetzten Kaders. Der Auftritt des Trainers wirkt allgemein verständnisvoll, wenn es um die Spieler geht. Er weiß ja, dass er wirklich jeden braucht.

Viele sind es nicht, schon gar nicht genug. Die Abwehr stellt sich mit Sei Muroya, Marcel Franke, Timo Hübers und Niklas Hult selbst auf. Im Mittelfeld gibt es neben Mike Frantz, Dominik Kaiser, Genki Haraguchi und Philipp Ochs kaum Alternativen. Ähnlich sieht es bei den Stürmern Marvin Ducksch und Hendrik Weydandt aus.

Die Liste angeschlagener Spieler ist außerdem zu lang für die kurze 96-Kaderliste. 15 Feldspieler standen Kocak gestern nur zur Verfügung, dazu drei Torhüter. Alle 18 traten zum Lattenschießen an, die sechs nötigen Treffer gelangen nicht auf Anhieb. „Die Spieler haben dann noch einen zweiten Durchgang bekommen“, sagt Kocak – ganz soft.