12. September 2021 / 09:12 Uhr

Freude am Fußball: Ost-Traditionsteam besiegt Striesener Oldies

Freude am Fußball: Ost-Traditionsteam besiegt Striesener Oldies

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Ex-DDR-Auswahlkapitän Rainer Ernst lief mit Schwung und kindlicher Begleitung in Dresden auf den Rasen.
Ex-DDR-Auswahlkapitän Rainer Ernst lief mit Schwung und kindlicher Begleitung in Dresden auf den Rasen. © Jochen Leimert
Anzeige

Anlässlich der 111-Jahr-Feier der SG Striesen waren prominente Gäste im Dresdner Osten zu Besuch. Die DDR-Starkicker spielten gegen die Alten Herren der SGS und setzten sich am Ende mit 6:1 (2:1) durch.

Dresden. Zeitweise war der Himmel dunkelgrau, dann goss es wie aus Eimern, doch schließlich zog es noch rechtzeitig auf, als das Traditionsteam Ost am Samstagnachmittag unter freundlichem Beifall der Zuschauer bei der 111-Jahr-Feier des Fußball-Landesligisten SG Dresden-Striesen einlief. Der aufgeweichte und in den letzten Tagen überstrapazierte Naturrasen bot zwar nicht die besten Bedingungen, doch davon ließen sich weder die Alten Herren der SGS noch ihre prominenten Gegner schrecken. Mit einer halben Stunde Verspätung gab Entertainer und Fußballfan Gunther Emmerlich per Ehrenanstoß den Ball frei – und los ging`s an der Bärensteiner Straße. 2 x 40 Minuten standen beim Höhepunkt des Jubiläumswochenendes auf dem Programm, beide Mannschaften bewiesen dabei, dass die Freude am Fußball auch mit Ü50 oder Ü60 nicht nachlässt. Am Ende setzte sich nicht ganz überraschend die von Matthias Döschner betreute Promi-Truppe mit 6:1 (2:1) durch.

Anzeige

Weber und Müller wieder gemeinsam auf dem Platz

Döschner und Teammanager Dirk Gründlich hatten wieder einmal eine namhafte Mannschaft ehemaliger A- und Junioren-Auswahlspieler zusammengerufen, um der Einladung aus dem Dresdner Osten Ehre zu erweisen. Mit den Ex-Dynamos Hartmut Schade und Gerd Weber, die in der ersten Halbzeit spielten, waren sogar zwei Olympiasieger von 1976 dabei. Weber, dieses Jahr 65 geworden und ins Rentnerdasein übergewechselt, nahm den weiten Weg aus Baden auf sich, um mal wieder in seiner Heimatstadt zu kicken. Während Schade nur wenige Minuten auf dem Rasen stand, hielt Weber – nicht wie früher im zentralen Mittelfeld, sondern hinten rechts aufgeboten – fast eine Halbzeit lang durch, ehe der rechte Oberschenkel zumachte. „Nichts Ernstes!“, gab der Wahl-Badener Entwarnung, der gut 40 Jahre nach dem Fall Weber/Kotte/Müller mal wieder mit Matthias Müller zusammenspielte und dabei ohne Gram Hammer und Zirkel im Ährenkranz auf der Brust trug.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel der Striesener gegen das Ost-Traditionsteam

Die Alten Herren der SG Striesen beim gemeinsamen Mannschaftsfoto mit den Oststars. Zur Galerie
Die Alten Herren der SG Striesen beim gemeinsamen Mannschaftsfoto mit den Oststars. ©

Die Stars von einst gingen früh in Führung: Dynamo-Knipser Torsten Gütschow, mittlerweile auch schon 59, nutzte seine zweite Chance. „Horschtl“ traf nach Vorarbeit des Leipzigers Matthias Zimmerling flach zum 1:0 ins lange Eck. Die Striesener Oldies aber versteckten sich nicht, Roland Mai vergab fast postwendend das mögliche 1:1, das dann aber Christoph Egerer mit einem Schuss ins linke Eck gelang. Holger Bahra, einst beim 1. FC Magdeburg und Stahl Brandenburg im Tor, hatte dabei keine Abwehrchance. Die Striesener hätten nun auch in Führung gehen können, doch vor dem Tor zeigten sie Nerven. „Eisvogel“ Gütschow, im Sturmzentrum aufgeboten, machte es besser, traf kurz vor der Pause zum 2:1. Steffen Schworm im Tor der Gastgeber war gegen den letzten Fußballer des Jahres im Osten machtlos.

Nach der Pause erhöhten der eingewechselte Christian Fröhlich (3) und Matthias Zimmerling auf 6:1. Steffen Heidrich (einst FC Karl-Marx-Stadt, VfB Leipzig, Energie Cottbus und Dynamo Dresden) vergab noch zwei gute Chancen. Dass er bei der ersten den Flugball volley nicht exakt genug getroffen hatte, ärgerte den gebürtigen Erlabrunner, der seit vielen Jahren in Dresden wohnt: „Das waren früher genau meine Bälle!“ Striesen hatte aber auch noch Gelegenheiten: Lok-Legende Frank Baum musste einmal im Sitzen auf der Linie klären. „Das Ergebnis ist ein bisschen zu hoch ausgefallen“, haderte SGS-Keeper Schworm hinterher ein wenig. Er fügte hinzu: „Als ,Atze' Döschner den Fröhlich gebracht hat, hat der noch mal Betrieb gemacht.“ Mit seinen 43 Jahren war der Ex-Dynamo der mit Abstand jüngste und schnellste Spieler auf dem Feld. „Paule“ war kurzfristig eingesprungen, weil mit Detlef Schößler und Waldemar Ksienzyk zwei eigentlich eingeplante Akteure krankheitsbedingt hatten absagen müssen.

DDR-Größen genießen den Tag

Doch die Enttäuschung über die Niederlage hielt sich bei den Gastgebern in Grenzen. Auch die Gäste waren zufrieden: „Das Ergebnis ist zweitrangig, Hauptsache, die Stimmung war gut“, sagte Damian Halata, einst beim 1. FC Magdeburg und beim 1. FC Lok Leipzig auf Torejagd. Der 59-Jährige hatte in der zweiten Halbzeit mitgekickt, sich offenbar amüsiert. Gut gefallen in Dresden hat es auch Rainer Ernst, der bereits am Freitagabend beim Fußball-Stammtisch zu Gast gewesen war und dort mit Matthias Döschner anekdotenreich über alte Zeiten geplaudert hatte. „Ich bin immer gern in Dresden, das ist eine tolle Stadt“, so der Neustrelitzer, der früher ein gefürchteter Offensiv-Allrounder beim BFC gewesen war, 56 A-Länderspiele für die DDR bestritten, zehn Meistertitel im Osten und 1991 auch noch einen mit dem 1. FC Kaiserslautern im vereinten Deutschland geholt hatte, ehe er nach Frankreich und in die Schweiz wechselte.

Döschner freute sich vor allem über den Zusammenhalt seiner Truppe, ihren Sportsgeist und darüber, dass die leidige Corona-Pause vorbei ist, Spiele wie das am Sonnabend wieder möglich sind: „Wir wollen eine gute Zeit miteinander haben, nehmen zu solchen Spielen immer unsere Frauen mit, übernachten mindestens einmal vor Ort.“ Die Gelegenheit, in Dresden gute alte Bekannte zu treffen, nahmen am Samstag auch bekannte Ex-Spieler wahr, die nicht unmittelbar zum Traditionsteam gehören, weil sie beispielsweise aus gesundheitlichen nicht mehr kicken können. So wurden im Stadion Dresden-Ost u.a. auch die Ex-Dynamos Uwe Jähnig, Andreas Wagenhaus und Gunnar Grundmann gesichtet. Zeit zum Plauschen gab es nach dem Spiel noch reichlich, denn bei Livemusik, Bratwurst, Bier und Feuerwerk feierten die Striesener noch bis weit in den Abend hinein. Und anders als bei der Einweihung des neuen Kunstrasenplatzes am frühen Nachmittag mit Sportbürgermeister Peter Lames (SPD) blieb es auch trocken, von den gut mit kalten Getränken versorgten Kehlen der Besucher einmal abgesehen.


Das Ost-Traditionsteam spielte mit: Holger Bahra, Gerd Weber, Dirk Stahmann, Dirk Schuster, Matthias Müller, Detlef Irrgang, Jürgen Raab, Hartmut Schade, Rainer Ernst, Matthias Zimmerling, Torsten Gütschow, Frank Baum, Matthias Maucksch, Steffen Heidrich, Damian Halata, Christian Fröhlich