01. April 2022 / 11:47 Uhr

Friedhelm Funkel macht den Check: Das sind meine Favoriten auf den Bundesliga-Aufstieg

Friedhelm Funkel macht den Check: Das sind meine Favoriten auf den Bundesliga-Aufstieg

Moritz Speer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bremens Marvin Ducksch (von links nach rechts), Schalkes Rodrigo Zalazar und Hamburgs Sonny Kittel haben in dieser Saison große Ziele mit ihren Teams. Rekord-Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel (eingeklinkt) traut ihnen noch einiges zu.
Bremens Marvin Ducksch (von links nach rechts), Schalkes Rodrigo Zalazar und Hamburgs Sonny Kittel haben in dieser Saison große Ziele mit ihren Teams. Rekord-Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel (eingeklinkt) traut ihnen noch einiges zu. © IMAGO/Team 2/Oliver Ruhnke/RHR-Foto/Michael Schwarz/Uwe Kraft (Fotomontage)
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Heidenheim, Hamburg, Nürnberg, Schalke, Darmstadt, Bremen und St. Pauli - sie alle haben noch Chancen, den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Rekord-Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel gelang der Sprung ins Oberhaus bereits sechsmal. Im SPORTBUZZER-Gespräch wirft der 68-Jährige einen Blick auf die aktuelle Lage in der 2. Liga - und gibt seine Aufstiegs-Prognose ab. 

Nur noch sieben Spieltage sind in der 2. Bundesliga zu absolvieren, die heiße Phase beginnt. Sieben Klubs haben noch realistische Chancen auf den Aufstieg ins Oberhaus - unter anderem die Traditionsvereine Werder Bremen, Schalke 04 und der Hamburger SV. Von der Pole Position startet jedoch der FC St. Pauli in die letzten Saisonspiele. Der Kiezklub grüßt mit 51 Punkten aktuell von der Tabellenspitze, will erstmals seit der Saison 2010/11 wieder in die Bundesliga zurückkehren. Bremen steht punktgleich dahinter auf Platz zwei, es folgen Darmstadt 98 (48 Punkte), Schalke (47), der 1. FC Nürnberg (46), Hamburg (42, ein Spiel weniger) und der 1. FC Heidenheim (42).

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Um am 34. Spieltag auf einem direkten Aufstiegsplatz zu stehen, sind gute Nerven gefragt. Einer, der weiß, was man im Kampf ums Oberhaus braucht, ist Friedhelm Funkel. In seiner Trainer-Karriere ist der 68-Jährige bereits sechsmal - und damit so oft wie kein anderer Übungsleiter - in die Bundesliga aufgestiegen. Zweimal gelang ihm dieses Kunststück mit Bayer Uerdingen (1992 und 1994) und je einmal mit dem MSV Duisburg (1996), dem 1. FC Köln (2003), Eintracht Frankfurt (2005) und zuletzt mit Fortuna Düsseldorf (2018). Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER hat der Rekord-Aufstiegstrainer die diesjährigen Kandidaten genauer unter die Lupe genommen - und seine Favoriten benannt.

1.FC Heidenheim (Tabellenplatz 7, 42 Punkte, 34:35-Tore)

Die Heidenheimer haben mit Abstand das schlechteste Tordifferenz aller Aufstiegskandidaten aufzuweisen und liegen bereits sechs Punkte hinter dem Relegationsplatz. "Das ist schon ein gehöriger Rückstand", sagt Funkel. "Ich glaube nicht, dass sie noch in den Aufstiegskampf eingreifen können." Die Arbeit von Frank Schmidt, der bereits seit 2007 als FCH-Trainer arbeitet, könne man dennoch "nicht hoch genug einschätzen", so Funkel.

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Hamburger SV (Tabellenplatz 6, 42 Punkte, 46:27)

Durch die jüngsten Rückschläge hat der HSV den Anschluss zu den Aufstiegsplätzen ein wenig verloren. Das Team von Trainer Tim Walter hat immerhin noch das Nachholspiel gegen Erzgebirge Aue (Dienstag, 18.30 Uhr) in der Hinterhand und könnte den Rückstand verkürzen. Trotzdem wirkte es zuletzt so, als würde den Norddeutschen in der entscheidenden Phase die Puste ausgehen. Friedhelm Funkel setzt dennoch auf die Hanseaten. "Ich glaube an den HSV", sagt er: "Sie haben jetzt zwei Heimspiele gegen Paderborn und Aue, da müssen natürlich sechs Punkte her. Wenn sie das schaffen, sind sie wieder dran." Zudem müsse Sonny Kittel "seine Form wiederfinden, er ist der überragende Spieler beim HSV", meint Funkel und fügt an: "Ich habe das Gefühl, dass Tim Walter diese Mannschaft wieder hinbekommt und dass der HSV am Ende Dritter oder Zweiter wird."

1.FC Nürnberg (Tabellenplatz 5, 46 Punkte, 40:34)

Still und heimlich hat sich der 1. FC Nürnberg in die Spitzengruppe der 2. Bundesliga vorgearbeitet, ist mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz eigentlich mittendrin im Aufstiegskampf. So richtig auf dem Zettel hat die Franken jedoch fast keiner. "So könnten sie für die große Überraschung sorgen", sagt Funkel: "Es ist schon beeindruckend, wie ruhig es in Nürnberg geworden ist, das war sonst nicht so. Das ist der Verdienst von Dieter Hecking." "Trotzdem", führt der 68-Jährige aus, "glaube ich, dass es letztendlich nicht reichen wird. Im Aufstiegskampf brauchst du natürlich auch einen richtigen Neuner, der normalerweise 15 bis 18 Tore schießt. Den gibt es beim Club nicht." Bester Nürnberger Torschütze ist aktuell Erik Shuranov mit sechs Saisontreffern.

FC Schalke 04 (Tabellenplatz 4, 47 Punkte, 54:33)

Die beiden Spiele nach der Entlassung von Trainer Dimitrios Grammozis hat Schalke 04 gewonnen. Durch diese sechs Punkte haben sich die Gelsenkirchener bis auf Platz vier vorgeschoben, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt nur noch einen Punkt. Grammozis-Nachfolger Mike Büskens habe "schon ein bisschen Euphorie entfacht", sagt Funkel. "Er hat wahrscheinlich eine etwas andere Ansprache als Dimi (Grammozis, Anm. d. Red.), ist sehr erfahren. Außerdem hat er die Mannschaft wieder mit Viererkette spielen lassen, was ihr meiner Meinung nach sehr guttut." Insgesamt habe Schalke "einen ganz tollen Kader zur Verfügung, das muss man einfach sagen." In den letzten sieben Spielen stehen für die Königsblauen noch fünf Duelle mit direkten Rivalen auf dem Programm. Im heimischen Stadion geht es noch gegen Heidenheim, Bremen und St. Pauli; auswärts muss man noch in Darmstadt und Nürnberg antreten. "Sie haben alles in der eigenen Hand", so Funkel. In Heimspielen würden sie zudem "von 60.000 Fans gepusht" werden. "Deswegen", erklärt der Rekord-Aufstiegstrainer, "glaube ich, dass Schalke die Saison auf Platz zwei oder drei beenden wird."

Darmstadt 98 (Tabellenplatz 3, 48 Punkte, 53:34)

Vor der Länderspielpause haben die Lilien das Top-Spiel bei Werder Bremen denkbar unglücklich mit 0:1 verloren. Die frühe Rote Karte gegen Klaus Gjasula stellte den Spielverlauf auf den Kopf und brachte den SVW schließlich auf die Siegerstraße. Das Team von Trainer Torsten Lieberknecht verlor an diesem Tag die Tabellenführung und rutschte auf Platz drei ab. Im Aufstiegskampf hat Darmstadt natürlich noch alle Chancen, trotzdem tat diese Pleite extrem weh. Aber: "Sie sind nach Rückschlägen bislang immer wiedergekommen, haben auch ein 0:5 gegen den HSV weggesteckt", sagt Funkel. "Die Arbeit von Torsten ist sensationell gut, der Verein ist gut aufgestellt." Dass es am Ende der Saison zu einem Platz unter den ersten Drei reichen wird, glaubt Funkel dennoch nicht: "Ich vermute, dass ihnen hintenraus etwas die Puste ausgehen wird."

Werder Bremen (Tabellenplatz 2, 51 Punkte, 51:36)

Seit Ole Werner die Bremer Ende November 2021 übernommen hat, geht es steil bergauf. Im Schnitt holte der Trainer mit dem SVW bärenstarke 2,58 Punkte pro Spiel und führte sie aus dem grauen Mittelfeld fast nach ganz oben. Nur St. Pauli ist dank einer minimal besseren Tordifferenz noch vor Werder. Klar ist dennoch: Die Bremer sind aktuell die formstärkste Mannschaft der 2. Liga und haben einen qualitativ hochwertigen Kader beisammen. "Mit Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug haben sie zwei Spieler, die in jedem Spiel für Tore gut sind", sagt Funkel. Auch Leonardo Bittencourt könne ein Unterschiedsspieler sein. "Deshalb", so Funkel, "glaube ich, dass die Serie von Bremen anhalten wird. Ole Werner macht das einfach fantastisch. Ich vermute, dass sie als Tabellenerster aufsteigen werden."

FC St. Pauli (Tabellenplatz 1, 51 Punkte, 53:37)

Von der Tabellenspitze startet der FC St. Pauli in die letzten sieben Spiele der Saison. Der Kiezklub hat sich nach Schwierigkeiten zu Beginn der Rückrunde wieder gefangen und ist durch ein 1:0 vor der Länderspielpause gegen Heidenheim wieder auf Platz eins gesprungen. Der Sieben-Punkte-Vorsprung, den sie am Ende der Hinrunde auf Platz drei hatten, ist allerdings futsch. Trotzdem spiele St. Pauli "eine richtig gute Saison", sagt Funkel. Vor allem das Jahr 2021 sei "unfassbar gut" gewesen. "Diese Mannschaft ist allerdings zu abhängig von Daniel-Kofi Kyereh, der jetzt auch wieder mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Anfang der Rückrunde lief es auch nicht rund, als er verletzungsbedingt ausgefallen ist", meint Funkel. "Trotz aller Wertschätzung", führt der 68-Jährige fort, "glaube ich nicht, dass St. Pauli unter die ersten Drei kommen wird."