07. Oktober 2020 / 12:58 Uhr

Vorwurf der Steuerhinterziehung: DFB-Boss Fritz Keller will Ermittlungen "allumfänglich unterstützen"

Vorwurf der Steuerhinterziehung: DFB-Boss Fritz Keller will Ermittlungen "allumfänglich unterstützen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Präsident Fritz Keller will die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung allumfänglich unterstützen.
DFB-Präsident Fritz Keller will die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung "allumfänglich unterstützen". © dpa/Montage
Anzeige

Rund 200 Beamte durchsuchen am Mittwoch die Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes und Privatwohnungen von DFB-Verantwortlichen. Es geht um den Verdacht der schweren Steuerhinterziehung. Nun reagierte DFB-Präsident Fritz Keller auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

DFB-Präsident Fritz Keller will die aktuellen Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung "allumfänglich unterstützen". Dies sagte der 63 Jahre alte Spitzenfunktionär am Mittwoch bei der Bundespressekonferenz in Berlin. Dort war er wegen der Initiative #MeineStimmeGegenHass der Deutschlandstiftung Integration per Video zugeschaltet. "Ich bin für Aufklärung, um eine saubere Zukunft für den Fußball zu haben", sagte Keller weiter.

Anzeige

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat am Mittwoch die Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes sowie Privatwohnungen von aktuellen und ehemaligen DFB-Verantwortlichen durchsucht. An den Maßnahmen in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz seien rund 200 Beamte beteiligt gewesen. Dabei gehe es um Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015.

Mehr vom SPORTBUZZER

Keller ist seit September 2019 DFB-Boss und hatte vorher kein Spitzenamt beim größten Sportfachverband der Welt. Er sei vor einem Jahr angetreten mit einer Generalinventur, die im letzten Dezember eröffnet worden sei und eine vollumfängliche interne Aufklärung zu allen Vorgängen der letzten Jahre bis zurück in 2003 umfasse, erklärte der 63-Jährige. "Ich kann nur sagen, dass wir vollumfänglich kooperieren werden in der Angelegenheit."

Keller für "vollkommene Transparenz"

Er sei angetreten "auch für eine Öffnung und für eine vollkommene Transparenz, und eigentlich kann ich eine staatliche Unterstützung in den Untersuchungen nur begrüßen", sagte Keller weiter und betonte, er müsse sich erst einmal einen Überblick verschaffen, Fachleute kontaktieren und bei der Staatsanwaltschaft nachfragen.

"Die wegen des Verdachts der fremdnützigen Hinterziehung von Körperschafts- und Gewerbesteuern in besonders schweren Fällen geführten Ermittlungen richten sich gegen sechs ehemalige bzw. gegenwärtige Verantwortliche des DFB", teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Diesen wird vorgeworfen, "Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Fußball-Nationalmannschaft aus den Jahren 2014 und 2015 bewusst unrichtig als Einnahmen aus der Vermögensverwaltung erklärt zu haben". Damit sei der DFB einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro entgangen.

Keine Durchsuchungen bei Niersbach

Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt war in den Jahren 2014 und 2015 Wolfgang Niersbach, der wegen des immer noch nicht restlos aufgeklärten "Sommermärchen"-Skandals um die WM 2006 dann zurücktrat. Bei ihm hatten nach eigenen Aussagen aber keine Durchsuchungen stattgefunden. "Nach den bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten von dieser steuerlichen Unrichtigkeit wussten, sie aber bewusst wählten, um dem DFB hierdurch einen Steuervorteil von großem Ausmaß zu ermöglichen", erklärte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen in der Pressemitteilung.


Der DFB und seine langjährige Vermarktungsagentur Infront hatten kürzlich ihre Zusammenarbeit nach fast 40 Jahren "einvernehmlich" beendet. Laut dem Ermittlungsbericht des Beratrungsunternehmens Esecon habe die Firma 2013 vom DFB den Zuschlag für das Geschäft erhalten, obwohl ein Konkurrent bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe.