18. Februar 2021 / 10:32 Uhr

Frust und viele Fragen nach Saison-Abbruch in Thüringen: "Folgen für den Handball noch nicht absehbar"

Frust und viele Fragen nach Saison-Abbruch in Thüringen: "Folgen für den Handball noch nicht absehbar"

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Wann in Thüringen und damit auch in Altenburg wieder Handball gespielt werden kann, ist aktuell völlig unklar.
Wann in Thüringen und damit auch in Altenburg wieder Handball gespielt werden kann, ist aktuell völlig unklar. © Mario Jahn
Anzeige

Der Thüringer Handball-Verband hat die Saison in allen Ligen abgebrochen, es wird keine Absteiger geben. Die Männer-Thüringenligisten Aufbau Altenburg und LSV Ziegelheim halten das für die richtige Entscheidung. Dennoch gibt es viele offene Fragen und Sorgen.

Leipzig. Der Spielbetrieb in den Ligen des Freistaates Thüringen bis hinunter zu den Nachwuchsklassen findet keine Fortsetzung. Der Thüringer Handball-Verband bricht die Saison 2020/21 ab. Heißt: „Es wird deshalb keine Absteiger geben“, sagte Verbandstrainer Christian Roch dem SPORTBUZZER, „wann es wie weitergeht, hängt von den Entscheidungen der Politik und von den Wünschen der Vereine ab. Möglicherweise tragen wir noch Aufstiegsrunden für einzelne Ligen aus, wenn Teams Interesse haben und dafür melden wollen. Aber beispielsweise hat der Mitteldeutsche Verband noch nicht geklärt, ob er überhaupt Aufsteiger für die Mitteldeutschen Oberligen aufnehmen wird.“

Anzeige

Hoffnungen zerschellen an der Haltung der Politik

Da die Männerteams von Aufbau Altenburg und des LSV Ziegelheim nichts mit dem Spitzenkampf in der Thüringenliga zu tun hatten, müssen sie sich darüber keine Gedanken machen. Oliver Schörnig hält den Abbruch für die einzig mögliche Entscheidung, „Das hatte sich abgezeichnet. Es ist gut, dass wir jetzt Klarheit haben“, meint der Aufbau-Trainer: „Ein vernünftiger Wettbewerb wäre gar nicht mehr möglich gewesen. Für uns ist natürlich positiv, dass der Klassenerhalt gesichert ist und wir auch im kommenden Herbst wieder in der Thüringenliga auflaufen.“

Mehr zum Handball

Das freut auch LSV-Kollege Christian Vincenz. „Es ist schön, dass die Altenburger drinbleiben. Die Derbys sind immer bestens besuchte Höhepunkte“, sagt der Ziegelheimer Coach, der mit seinem Team bisher recht erfolgreich war und wohl keine Abstiegssorgen gehabt hätte. Doch auch er hält den Abbruch für alternativlos: „Schon aus wirtschaftlicher Sicht, denn den Vereinen brechen ohne Zuschauer die Einnahmen weg.“

Im Dezember und im Januar hatte der Thüringer Handball-Verband noch Telefon-Konferenzen mit den Vereinen abgehalten und mögliche Szenarien diskutiert. „Wir hatten da noch die Hoffnung, dass wir die Saison bis Ende Juni abschließen können“, erklärt Christian Roch, „waren uns aber einig, dass wir dafür spätestens am 6. März wieder beginnen müssen, zuvor hätten die Mannschaft vier Wochen zur Vorbereitung gebraucht. Doch wir haben keinerlei positive Signale aus der Politik erhalten, deshalb blieb uns nur der Abbruch.“

Anzeige

Pokal-Punktspielrunden und Freundschaftsspiele denkbar

Christian Roch glaubt zudem, dass zuerst Freiluftsportler wie Leichtathleten oder Tischtennisspieler unterm Dach grünes Licht bekommen. „Hallensportarten mit Zweikämpfen wie wir werden die letzten sein.“ Und so herrscht in der Erfurter Handballverbands-Geschäftsstelle wie fast überall im Land leichte Frustration. „Wir schmieden Monat für Monat neue Pläne und müssen sie immer wieder in die Tonne kloppen“, sagt Roch, „es sind ja auch unsere Auswahlmannschaften betroffen. Für das Frühjahr waren Sichtungsturniere und Ländervergleiche geplant. Wir können nur hoffen, dass vor dem Sommerferien überhaupt noch etwas in Gang kommt.“

Derzeit laute die optimistische Variante für den Thüringer Handball: Anfang April Trainingsbeginn, ab Mai Wettkämpfe. „Wir halten dann Pokal-Punktspielrunden oder Freundschaftsspiele auch im Nachwuchs für denkbar, werden uns natürlich vorher mit den Vereinen kurzschließen und ihre Wünsche bei der Neuorganisation des Spielbetriebs berücksichtigen“, so Christian Roch.

Damit mag sich Oliver Schornig noch nicht befassen. „Bevor ich nicht mal das Go für das Mannschaftstraining habe, denke ich darüber nicht nach. Sonst wird man nur wieder enttäuscht“, erklärt der Coach. Mit seinen Altenburgern stand er zuletzt im Oktober auf der Platte. „Ich lasse die Jungs derzeit in Ruhe. Für die individuelle Fitness ist jeder Akteur selbst verantwortlich, ich gehe davon aus, dass alles etwas tun.“

Aufbau-Trainer: Wir werden uns neu finden müssen

An eine derart lange Pause kann sich Oliver Schörnig nicht erinnern. „Wir werden uns danach neu finden müssen, und ich erachtet es für wenig sinnvoll, Extra-Spielrunden aus dem Boden zu stampfen, die dann doch nicht gewertet werden.“ Freundschaftliche Vergleiche kann er sich dagegen vorstellen, „damit wir ein bisschen Spielpraxis bekommen.“ Die Saison hat er jedenfalls abgehakt: „Dann haben wir eben eine Lücke in der Chronik.“

Christian Vincenz sieht das ähnlich. Er hat seinen Akteuren Vorbereitungspläne mit „Hausaufgaben“ mitgegeben und setzt darauf, dass ab Mai wieder Spiele vor Publikum möglich sind. „Vielleicht können wir zwei freundschaftliche Derbys gegen die Altenburger austragen und auch mal gegen Ronneburg antreten. Dabei würden wir gern auch verdienstvolle Akteure wie Robert Kühne und Oliver Kunz verabschieden, was in der vergangenen Saison nicht mehr möglich war.“

Folgen für die Motivation noch nicht absehbar

Verbandstrainer Roch hält es für verhängnisvoll, dass der Amateursport erneut brach liegt. „Die Folgen für den Handball sind noch nicht absehbar, „nach dem ersten Lockdown wurden die Vereine für ihre Hygiene-Konzepte und die Verbände für ihre Bemühungen noch belohnt, wir durften wieder spielen. Jetzt geht gar nichts mehr.“ So würden die Hoffnungen eher auf dem Herbst ruhen. „Aber wenn wir die neue Saison nicht planmäßig starten und durchziehen können, wird es gravierende negative Auswirkungen geben, vor allem für die Motivation der vielen Ehrenamtlichen und im Nachwuchsbereich.“

Christian Vincenz wünscht in dieser schwierigen Situation allen Handballern: „Negativ (getestet) bleiben, aber positiv gestimmt.“

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv in der Konferenz bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.