03. Oktober 2021 / 19:15 Uhr

FSV Luckenwalde gegen Carl Zeiss Jena: Sehenswerter Kraftakt

FSV Luckenwalde gegen Carl Zeiss Jena: Sehenswerter Kraftakt

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Energieleistung: Der FSV Luckenwalde (gelbe Trikots) hat gegen Carl Zeiss Jena in der Fußball-Regionalliga Nordost einen Zähler erkämpft. 
Energieleistung: Der FSV Luckenwalde (gelbe Trikots) hat gegen Carl Zeiss Jena in der Fußball-Regionalliga Nordost einen Zähler erkämpft. 
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Regionalliga Nordost: Der FSV 63 trennt sich unentschieden vom FC Carl Zeiss Jena.

Am Ende wurde es ganz eng, die Zeit tickte herunter, während das Quintett die Bahnhofstreppe hinauf sprintete: In letzter Sekunde erreichte die kleine Gruppe, die gerade aus dem Werner-Seelenbinder-Stadion gekommen war, den Zug zurück nach Hause. „Wir hatten unseren Freundetag und wollten etwas Schönes zusammen machen, wir hätten auch Minigolf spielen oder an den Wannsee fahren können, aber wir haben uns für einen Besuch beim FSV entschieden, weil man hier im Moment aus begrenzten Mitteln viel macht“, berichtete man im Regionalexpress nach Berlin.

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Der Moment, in dem der FSV Luckenwalde in der Fußball-Regionalliga Nordost aus begrenzten finanziellen Mitteln eine Menge macht, hält nun schon so lange an, dass man von einer Phase sprechen kann. Am Sonnabend wurde der Moment um eine sehenswerte Sequenz verlängert: Der Fläming-Club hatte zu Hause gegen den FC Carl Zeiss Jena beim torlosen Remis nach einem mentalen und kämpferischen Kraftakt einen Zähler erkämpft. „Wir haben eine intensive Partie gesehen“, befand Jenas Trainer Dirk Kunert nach dem Duell vor 783 Zuschauern. „Luckenwalde war bärenstark in den ersten 25 Minuten. Wir wussten, dass sie sofort Vollgas geben und sehr schnell und direkt spielen, wir hatten keinen Zugriff. Wir hatten unsere Möglichkeiten, aber die hatte Luckenwalde auch“, erklärte Kunert. „Ich denke, dass wir in der zweiten Halbzeit einen Tick besser waren. Es hat nicht gereicht, dafür war Luckenwalde einfach zu stark. Sie haben hier gegen gute Mannschaften unentschieden gespielt, wo sie klar gewinnen müssen.“ Sein Team habe auswärts einen Punkt geholt – gegen eine gute Mannschaft, das beweise der Blick auf die aktuelle Tabelle der Regionalliga Nordost.

In Bildern: FSV Luckenwalde mit Remis gegen Carl Zeiss Jena.

Energieleistung: Der FSV Luckenwalde (gelbe Trikots) erkämpfte gegen Carl Zeiss Jena einen Zähler. Zur Galerie
Energieleistung: Der FSV Luckenwalde (gelbe Trikots) erkämpfte gegen Carl Zeiss Jena einen Zähler. © Lars Sittig

In dieser Tabelle gehört der FSV weiter zu den Topteams. „Wir wussten um die Stärke von Jena, sie sind sehr variabel in der Spielanlage“, sagte Luckenwaldes Trainer Michael Braune. „Wir wussten auch, dass es das schwerste Spiel wird bisher – das hat sich bestätigt. Dass es hintenraus ein Fight wird, war klar. Jena war frisch gewesen. Wir müssen aus meiner Sicht ganz klar in Führung gehen, die Möglichkeiten gab es, dann können wir das Spiel vielleicht sogar gewinnen. Ich denke, es war am Ende ein gerechtes Unentschieden, das sich meine Mannschaft auch verdient hat.“

Der FSV trat gegen Jena – als dreifacher DDR-Meister und Finalist im Europapokal der Pokalsieger 1981 einer der traditionsreichsten Clubs im Nordosten – sofort wie eine Mannschaft auf, die nicht auf eine Chance lauert, sondern die Tormöglichkeiten erzwingen will und auch über die nötigen Mittel verfügt. Schnelle Ballstafetten, starke individuelle Aktionen, blitzschnelles Umschalten nach Ballgewinnen – rund 30 Minuten lang zeigte das Luckenwalder Ensemble, warum es bereits 26 Punkte in 13 Spielen erkämpft hat. Anschließend aber musste sich der FSV, der ohne den verletzten Daniel Becker auszukommen hatte, mit einem stärker werdenden Gegner und dem Kräfteverschleiß nach der Nachholpartie am Mittwoch gegen den Chemnitzer FC (1:1) auseinandersetzen. Das FSV-Team tauchte nur noch selten im gegnerischen Strafraum auf – aber selbst an Tagen wie diesen hatte das Braune-Team genug Struktur und in einigen brenzligen Situationen auch das nötige Glück, um einem Schwergewicht wie dem FCCZ aus dem Bundesland Thüringen, der sieben Spiele in Folge gewonnen hatte, nicht die entscheidende Lücke für einen Treffer zu öffnen.

Im Pokal bei Wacker Cottbus Ströbitz

Mit einem sehenswerten Kraftakt hielt Luckenwalde, das noch im ersten Durchgang Leon Hellwig wegen einer Verletzung durch Pascal Borowski ersetzen musste (36.), das Team von den Kernbergen aus der eigenen Kerngefahrenzone fern. „Was die Mannschaft läuferisch angeboten hat, drei Tage nach dem Spiel gegen Chemnitz, mit Wetterumschwung, darauf bin ich richtig stolz“, lobte Coach Braune. „Es war klar, wenn das Spiel noch 15 Minuten länger geht, werden wir irgendwann umfallen. Zwei solche Gegner innerhalb von drei Tagen mit unseren Strukturen, das ist natürlich ein schweres Programm. Wir haben von 13 Spielen in dieser Saison eines verloren, das sagt alles.“

Nun ist erst einmal Pause in der vierten Liga, am kommenden Sonnabend tritt Luckenwalde im Achtelfinale des Landespokals beim Landesligisten SV Wacker Cottbus-Ströbitz an (14 Uhr), anschließend reist der FSV 63 für das Ligaspiel zum VfB Auerbach in das Vogtland (16. Oktober), die nächste Heimpartie bestreitet der Club aus der Kreisstadt am 22. Oktober gegen Tennis Borussia Berlin. Gut möglich, dass auch jemand aus dem wackeren Quintett aus Berlin wieder auf den Rängen des Seelenbinder-Stadions steht. „Es hat uns gut gefallen, es kann durchaus sein, dass wir wiederkommen“, sagte man im Regionalexpress.