15. April 2022 / 17:39 Uhr

FSV Optik Rathenow: Carl Zeiss Jena vor Augen, Klassenverbleib im Kopf

FSV Optik Rathenow: Carl Zeiss Jena vor Augen, Klassenverbleib im Kopf

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Ohne Robin Techie-Menson (r.) muss Optik in Jena auskommen – auch Toptorjäger Jonathan Muiomo fällt gelbgesperrt aus.
Ohne Robin Techie-Menson (r.) muss Optik in Jena auskommen – auch Toptorjäger Jonathan Muiomo fällt gelbgesperrt aus. © imago images/Matthias Koch
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Fußball-Regionalligist Optik Rathenow reist am Samstag als krasser Außenseiter nach Jena, Trainer Ingo Kahlisch rechnet sich beim Tabellenzweiten dennoch etwas aus - Techie-Menson und Toptorjäger Muiomo werden bei der Aufgabe in Thüringen fehlen.

Den Karfreitag nutzte Ingo Kahlisch, um mental ein bisschen herunterzufahren. Am Morgen lief der Fußballtrainer des FSV Optik Rathenow über etwas mehr als eine Stunde eine lockere Runde ab. Einige Liegestütze baute er noch in sein individuelles Programm ein, so wie er das öfter macht, um kernig zu bleiben. „Das versuche ich pro Woche einmal alleine für mich zu absolvieren, das tut mir gut“, erklärte Kahlisch. Stress abbauen, den Körper reinigen, frische Luft atmen – das sorgt für klare Gedanken und einen gesunden Ausgleich zur alltäglichen Hatz, die im Falle Kahlischs eine Punktehatz ist.

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Fünf Spieltage vor dem Ende der Regionalliga-Saison liegt der seit 33 Jahren von ihm trainierte FSV Optik Rathenow noch voll im Rennen um den Klassenverbleib. Vor dem schweren Auswärtsspiel an diesem Samstag, 13 Uhr beim FC Carl Zeiss Jena, liegen die Optiker allerdings auf dem drittletzten Platz, der den sicheren Abstieg in die Oberliga bedeuten würde.

Kahlisch: "Wir sind moralisch gerüstet für den Endspurt"

Das Gute an der Lage: Bei Optik stimmt die Haltung im Klassenkampf und das Restprogramm. Nach dem Duell beim Zweiten in Jena stehen untern anderem noch Heimspiele gegen die direkten Konkurrenten Auerbach (23. April) und Fürstenwalde (8. Mai) auf dem Programm. „Wir sind moralisch gerüstet für den Endspurt“, glaubt Kahlisch, der sich entgegen aller Wahrscheinlichkeiten auch in Jena etwas ausrechnet.

„Auswärts bei den Großen haben wir uns bislang recht ordentlich präsentiert“, erklärt der Coach und verweist auf die überraschenden Punktgewinne bei Tabellenführer BFC Dynamo, Lok Leipzig, in Altglienicke und zuletzt beim Chemnitzer FC, als Glodi Zingu in der Nachspielzeit die Optiker glücklich machte. „Wenn man diese Spiele sieht, muss man sagen, dass mit etwas Spielglück auch in Jena etwas möglich ist.“

Dass die Gastgeber in völlig anderen Dimensionen schweben, gerade finanziell, steht freilich auch fest. Kahlisch kann nur darüber schmunzeln, wenn er hört, dass die Thüringer in der kommenden Runde eine halbe Million Euro an Spielergehältern einsparen müssen. In dieser Größenordnung liegt in Rathenow der Etat für den gesamten Verein.

Jena ist eben eine andere Hausnummer, ein Traditionsverein, der 1981 im Finale des Europapokals der Pokalsieger stand und der mit Trainer Andreas Patz sowie dem früheren Bundesliga-Profi Tobias Werner als Sportdirektor wieder nach oben strebt. „Kurzfristig wollen wir wieder in den bezahlten Fußball kommen“, hatte Werner dem SPORTBUZZER vor Jenas 3:1-Hinspielsieg in Rathenow erklärt.


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Zuletzt unterstrichen die Jenaer ihre Ambitionen durch einen 2:1-Auswärtssieg bei Tabellenführer BFC Dynamo, der zuvor bekanntlich die Rathenower im Stadion Vogelgesang 4:0 abgewatscht hatte. Aber der Angriff auf die Spitze und den BFC kommt wohl etwas zu spät, acht Punkte Rückstand scheinen eine zu große Hypothek.

Hängen lassen werden sich die Gastgeber aber allein schon deshalb nicht, weil sie ihren Fans etwas bieten müssen. Gegen Optik kann der Klub auf die Unterstützung der Ultraszene setzen, „das macht es für uns nicht leichter“, sagt Kahlisch, „ich hoffe, wir präsentieren uns gut.“ Der Optik-Plan steht ohnehin: „Wir wollen ein frühes Gegentor vermeiden und müssen aus einer guten Ordnung heraus spielen“, sagt Kahlisch, der eindringlich vor der Spielstärke des Gegners warnt.

Für die Offensivkraft der Hausherren steht stellvertretend Toptorjäger Fabian Eisele, der bislang 16 Mal traf. Optiks treffsicherster Spieler heißt Jonathan Muiomo, fehlt den Rathenowern aber, nachdem er in Chemnitz seine fünfte Gelbe Karte der Saison gesehen hatte. Kahlisch sieht den Ausfall des unheimlich lauffreudigen und spielstarken Stürmers mit einem lachenden und weinenden Auge. Einerseits schmälert das die Erfolgsaussichten der Optiker gewaltig, andererseits kehrt er im bedeutend wichtigeren Duell gegen den VfB Auerbach wieder auf den Rasen zurück.

Robin Techie-Menson (Zerrung) muss ebenfalls passen, Kapitän Jerome Leroy steht im Aufgebot. „Das wird nicht nur eine Einstellungs-, sondern auch eine Konzentrationsfrage“, prophezeit Kahlisch seiner Elf einen anstrengenden Ostersamstag. Gut, dass zumindest der Trainer vorab schon etwas Stress abbauen konnte.