19. Mai 2020 / 10:18 Uhr

FSV Oschatz ist Verlierer der Quotienten-Regelung „Wir sind die Gelackmeierten“

FSV Oschatz ist Verlierer der Quotienten-Regelung „Wir sind die Gelackmeierten“

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
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Auch Übungen für Koordination und Beweglichkeit stehen beim ersten Training des FSV Oschatz auf dem Programm. © Rainer Schwurack
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Der FSV Oschatz trainiert wieder – doch die Stimmung ist gedrückt, weil der Kreisliga-Spitzenreiter wohl nicht aufsteigen darf und sich vom Fußball-Verband ungerecht behandelt fühlt.

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Endlich ging es wieder los. Nach monatelanger Zwangspause wegen der Corona-Pandemie rollte beim FSV Oschatz der Ball. Trainer Steffen Wiesner hatte zum ersten Training gebeten, 14 Spieler des Fußball-Kreisligisten waren gekommen und schwitzten auf Kunstrasen.

„Es ist schön, wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte Wiesner, „auch wenn es schwierig ist, die Abstands-Regelungen einzuhalten und wir natürlich noch nicht alles machen können. Aber wir wollen langsam wieder im Schwung kommen.“ Das Team absolvierte Pass- und Torschussübungen, tat zudem etwas für Beweglichkeit und Koordination. Gespielt wurde auch, allerdings nur im Modus Vier gegen Eins ohne Zweikämpfe. Mit dem Fitnesszustand seiner Jungs ist der Coach zufrieden, niemand schleppte Übergewicht mit sich herum. „Man hat schon gesehen, dass die Spieler etwas für ihre Kondition getan hatten, ob nun auf dem Fahrrad oder beim Joggen.“

Steffen Wiesner war froh, seiner Arbeit nachgehen zu können und wenigstens für kurze Zeit auf andere Gedanken gekommen zu sein. Denn die Stimmung im Verein ist, gelinge gesagt, gedrückt. Anders formuliert: Die Enttäuschung über die vom Nordsächsischen Fußball-Verband festgelegte Aufstiegsregelung ist riesig, Trainer und Mannschaft fühlen sich um den Lohn ihrer Mühen gebracht. „Wir sind auch deshalb sauer, weil wir kein Mitspracherecht hatten und der Verband die Vereine nicht nach ihrer Meinung gefragt hat“, so Wiesner.

Quotienten-Regelung fällt FSV auf die Füße

Der FSV Oschatz hatte die Kreisliga-Herbstmeisterschaft gefeiert und führt die Tabelle der abgebrochenen Saison mit 30 Punkten aus 14 Partien an. Dennoch scheint der ersehnte Sprung in die Nordsachsenliga ein Traum zu bleiben, weil der zweitplatzierte ESV Delitzsch, der aus 13 Partien 29 Zähler holte, aufgrund der vom Verband zum Maßstab erklärten Quotienten-Regelung vorn liegt, deshalb das alleinige Aufstiegsrecht erhält und dieses auch wahrnehmen will (wir berichteten).

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So fällt den Oschatzern wohl die 1:2-Heimniederlage im ersten und einzigen Rückrundenspiel gegen Beilrode auf die Füße. Diese Punkten fehlen jetzt zum Platz an der Sonne, und die Mannschaft hat keine Chance mehr, den Ausrutscher wettzumachen. „Wir haben eine super Hinrunde gespielt und werden nun dafür bestraft, dass wir ein Spiel mehr als Delitzsch absolviert haben“, grollt Wiesner, „das hätte der Verband auch anders entscheiden können, wir sind die Gelackmeierten und meine Jungs niedergeschlagen.“

Besonders bitter: Normalerweise sind in der Kreisliga die beiden Erstplatzierten aufstiegsberechtigt, der FSV hätte also auch als Zweiter in die höhere Klasse gedurft. Doch in Corona-Zeiten ist eben nichts normal.

Personalplanungen auf Eis

Es gibt keine Absteiger, und da der Verband die Nordsachsenliga „nur im Notfall“ aufstocken will, hat er sich für nur einen Aufsteiger entschieden – und die Oschatzer schauen in die Röhre. Es sei denn, eine Mannschaft zieht sich freiwillig aus der Kreisoberliga zurück. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Bis zum 15. Juni müssen die Vereine ihre Teams für die jeweiligen Ligen melden, vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. „Wir können nur abwarten, die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Wiesner, der das Ganze als ungerecht empfindet: „Der Verband sollte sich einen Kopf machen und noch einmal neu nachdenken.“ Die Döllnitzstädter haben ihr Team jedenfalls für die Nordsachsenliga angemeldet – sie wollen unbedingt in höhere Gefilde.

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Abstand halten – heißt derzeit noch die Devise – immerhin rollt wieder der Ball. © Rainer Schwurack
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Die Ungewissheit erschwert auch die Personalplanungen. Wiesner hatte für den Aufstiegsfall schon zwei Verstärkungen im Defensivbereich vorbereitet, die nun auf Eis liegen. Positiv dagegen: Wie Einzelgespräche ergaben, will die bisherige Mannschaft zusammenbleiben und in der kommenden Saison einen neuen Anlauf nehmen, wenn es jetzt nicht klappen sollte. Auch Torjäger Johannes Runge hat seine Bereitschaft für ein weiteres Kreisliga-Jahr signalisiert. Und der Trainer? „Ich werfe nicht das Handtuch, das bin ich meinen Jungs schuldig“, versichert Wiesner.

Auf Nordsachsenliga eingestellt

FSV-Präsident David Hagemeister freut das. „Steffen hat nach schwierigen Jahren den Grundstein für den sportlichen Aufschwung gelegt, wir sind froh über sein Engagement“, sagt der 43-Jährige, seit Mai 2019 Chef des Vereins mit rund 150 Mitgliedern, darunter 120 Kindern und Jugendlichen. Auch er hofft natürlich noch auf den Aufstieg. „Wir besitzen eine gute Infrastruktur, wir arbeiten kostendeckend, die nächste Saison ist finanziell gesichert und unser Budget auf die Nordsachsenliga eingestellt“, beteuert Hagemeister, „wir würden das hinkriegen, wir wollen endlich wieder attraktive Derbys gegen Wermsdorf, Dahlen und Mügeln.“

Er ist davon überzeugt, dass die jetzige FSV-Mannschaft eine Etage höher bereits mithalten könnte. „Wir sind sportlich gut aufgestellt, wichtige Positionen im Team doppelt besetzt. Wir haben hungrige junge Leute mit viel Potenzial und Talente, die aus der A-Jugend nachrücken.“ Die Nachwuchs-Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen würden Früchte tragen. „Auch hier soll es erfolgreich weitergehen.“