12. Mai 2020 / 08:56 Uhr

Welche Folgen hat der Saisonabbruch in Brandenburg? Die wichtigsten Antworten!

Welche Folgen hat der Saisonabbruch in Brandenburg? Die wichtigsten Antworten!

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Der FLB stellt seinen Spielbetrieb vorerst ein.
Der FLB stellt seinen Spielbetrieb vorerst ein. © SPORTBUZZER-Montage
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Am Montagabend hat der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) bekanntgegeben, dass die Saison in allen Ligen im Amateurfußball abgebrochen wird. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Seit Montagabend herrscht Klarheit: Die Fußballsaison in Brandenburg wird aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgebrochen, das gab der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) nach seiner Vorstandssitzung bekannt. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen dazu:

Wer hat die Entscheidung getroffen?

Der Vorstand des FLB hat sich am Montagabend per Videokonferenz zusammengeschaltet. Zum Vorstand zählen unter anderem Präsident Jens Kaden, Geschäftsführerin Anne Engel, die acht Fußballkreis-Vorsitzenden und diverse Ausschussvorsitzende, insgesamt gut 20 Personen. "Die Entscheidung zum Saisonabbruch fiel einstimmig", sagte Hartmut Lenski, Vorsitzender im Fußballkreis Havelland, im Gespräch mit dem SPORTBUZZER.

Gibt es einen Meister?

Nein, einen offiziellen Meister der jeweiligen Ligen wird es in dieser Saison nicht geben. Es wird durch die Quotientenregel nur der Aufsteiger der jeweiligen Liga bestimmt. "Es herrscht überall gedrückte Stimmung und es wären ja noch einige Spieltage zu spielen gewesen, da wäre es nicht richtig, einen Meister zu küren", begründet Hartmut Lenski, zugleich auch Vertreter der acht Fußballkreise im FLB, die Entscheidung.

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Wie funktioniert die Quotientenregel?

In vielen Ligen haben nicht alle Teams die gleiche Anzahl von Spielen absolviert, weshalb sich dadurch ein verzerrtes Tabellenbild ergibt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) empfiehlt bei einem Saisonabbruch die Anwendung der Quotientenregel, dieser Empfehlung ist der FLB gefolgt. Bei der Quotientenregel wird die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der Spiele dividiert, daraus ergibt sich für jedes Team ein Quotient. Die Mannschaften werden anschließend nach der Größe der Quotienten abwärts sortiert. Beispiel Brandenburgliga: Spitzenreiter RSV Eintracht 1949 hat in 17 Spielen 44 Punkte geholt, daraus ergibt sich ein Quotient von 2,59. Die Verfolger MSV Neuruppin (2.), 1. FC Frankfurt (3.) und SV Altlüdersdorf (4.) haben in 18 Spielen 34 Punkte geholt, was für alle einen Quotienten von 1,89 ergibt. Bei gleichem Quotienten kommt das bessere Torverhältnis zum Tragen.

Was ändert sich bei Auf- und Abstieg?

"Die Abstiegsregelungen 2019/2020 [...] werden außer Kraft gesetzt. Ausnahme bilden hierbei die Mannschaften, die bereits vor dem 12.03.2020 vom Spielbetrieb ihrer Klasse zurückgezogen worden sind", heißt es in der Mitteilung des FLB vom Montagabend. Die Aufsteiger werden nach der Quotientenregel ermittelt. Weil es keine Absteiger gibt, wird es in der Saison 2020/21 größere Ligen geben, bislang waren in der Regel 16 Teams in einer Spielklasse vertreten. Um in der Saison 2021/22 wieder auf diese Regelzahl von 16 Mannschaften pro Liga zu kommen, wird es 2020/21 dann mehr Absteiger geben.

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Gibt es eine fünfte Landesklasse?

Nach SPORTBUZZER-Informationen wurde die Einführung einer fünften Landesklasse diskutiert, so wie es vor der Fußballkreis-Reform 2014 bereits fünf Landesklassen - damals Landesklasse Mitte - gab. Damit sollten in den acht Brandenburger Kreisoberligen - den höchsten Spielkassen auf Kreisebene - die Härtefälle, die durch die Quotientenregel entstehen, aufgefangen werden. So verliert der FSV Admira 2016 beispielsweise in der Kreisoberliga Dahme/Fläming seine Spitzenposition (42 Punkte nach 18 Spielen, Quotient: 2,33) an den Zweitplatzierten Eintracht KW (40 Punkte nach 17 Spielen, Quotient: 2,35). Bei der möglichen Einführung einer fünften Landesklasse hätte es zwei Aufsteiger gegeben. Doch dieses Modell wurde verworfen, erklärt Hartmut Lenski: "In manchen Kreisen wäre dann durch die Quotientenregel plötzlich der Tabellendritte aufgestiegen, das Problem hätte sich also nur weiter nach unten verlagert." Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, soll es trotzdem Nachrücker geben, "die Grundsystematik des Aufstiegs wird erhalten bleiben", sagt Lenski.

Entscheiden die Fußballkreise unterschiedlich?

Theoretisch könnten die acht Fußballkreise eigenständig Regelungen treffen, wie mit dem Saisonabbruch umgegangen wird. "Wir haben uns als Fußballkreis-Vorsitzende aber darauf verständigt, dass wir allesamt einheitliche Entscheidungen treffen", sagt Hartmut Lenski - einen Flickenteppich an Entscheidungen innerhalb Brandenburgs wird es somit nicht geben.

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Gäbe es eine eigene Nationalmannschaft für Brandenburg, wären diese Spieler dabei: ©

Was passiert mit den Pokalwettbewerben?

Im Gegensatz zum Ligaspielbetrieb werden die Pokalwettbewerbe auf Landes- und Kreisebene fortgesetzt. "Im Landespokal geht es auch um die Qualifikation für den DFB-Pokal und damit um viel Geld", begründet Hartmut Lenski die Entscheidung. Im AOK-Landespokal empfängt im Halbfinale Grün-Weiß Lübben (Brandenburgliga) den SV Babelsberg 03 (Regionalliga Nordost) und der FSV 63 Luckenwalde (Oberliga Süd) den FSV Union Fürstenwalde (Regionalliga Nordost). Über die Kreispokale kann sich der Sieger wiederum für den AOK-Landespokal qualifizieren. Zudem sind die Pokalwettbewerbe schon weit fortgeschritten und meist nur noch die Halbfinalpaarungen und das Finale zu spielen. Wenn es die Corona-Maßnahmen erlauben, sollen die Pokalwettbewerbe noch vor dem 30. Juni 2020 zu Ende gespielt werden, erklärt Lenski, ansonsten werden sie nach der Sommerpause fortgesetzt.

Wann könnte die Saison 2020/21 beginnen?

Im Rahmenterminkalender für die Saison 2020/21 war der Saisonstart auf Landesebene für den 22. August 2020 terminiert, in der Woche davor sollten die ersten Pokalrunden gespielt werden - doch das war vor der Corona-Krise. "Ich persönlich meine, das könnte klappen. Aber seriös lässt sich das jetzt noch nicht sagen", erklärt Lenski. Auf jeden Fall soll die Saison nicht vor dem 22. August 2020 beginnen, auch wenn es in der kommenden Saison durch die größeren Ligen mehr Spieltage geben wird, sagt der Vorsitzende des Fußballkreises Havelland.

Der Artikel wird fortlaufend ergänzt.