30. Juni 2020 / 18:12 Uhr

Führung und Aufstieg verspielt! Lok Leipzig scheitert am SC Verl

Führung und Aufstieg verspielt! Lok Leipzig scheitert am SC Verl

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
30.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Bielefeld: Fußball: Regionalliga - Aufstiegsrunde zur 3. Liga, Rückspiel, SC Verl - Lok Leipzig in der Schüco-Arena in Bielefeld. David Urban (r) aus Leipzig liegt nach Spielende auf dem Rasen und wird von Lars Ritzka (l) getröstet.  Der 1. FC Lokomotive steigt nach dem 1:1 gegen Verl nicht in die 3. Liga auf. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Verls Lars Ritzka muss nach dem Abpfiff den am Boden liegenden David Urban trösten. © dpa
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Der 1. FC Lok Leipzig wird auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost spielen. Die Probstheidaer verpassten am Dienstag den so sehnlichst herbeigewünschten Aufstieg in die 3. Liga. Das 1:1 beim SC Verl (Hinspiel 2:2) reichte am Ende nicht.

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Bielefeld. Das ist bitter: Der 1. FC Lok Leipzig muss ein weiteres Jahr in der vierten Liga gegen Halberstadt, Fürstenwalde oder Bischofswerda spielen, obwohl die Probstheidaer seit dem 12. Oktober 2019 kein Spiel verloren haben. Trainer Wolfgang Wolf ist in achteinhalb Monaten mit den Blau-Gelben sogar ungeschlagen. Auch in den Drittliga-Aufstiegsspielen erwiesen sich die Sachsen als ebenbürtiger Gegner. Doch jubeln konnte nach dem 2:2 in Leipzig und dem 1:1 am Dienstag in Bielefeld der SC Verl. Der Vertreter aus der Regionalliga West setzte sich dank der Auswärtstorregel durch und bejubelte den Drittliga-Aufstieg. Lok war im Rückspiel dank eines Eigentores von Stöckner kurz vor der Pause in Führung gegangen, doch Schallenberg besorgte in der 73. Minute den Ausgleich.

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Es hallte in der leeren Bundesliga-Arena, die für die 22 Feldspieler Neuland und Schnupperkurs ist – in Liga drei warten ebenfalls große Fußballtempel. Vor dem Bielefelder Stadion hatten sich um die 50 Lok-Anhänger versammelt, um ihre Mannschaft mit Trommeln anzufeuern. Im Vergleich zum 2:2 am Donnerstag musste Lok-Trainer Wolfgang Wolf einmal wechseln. Der angeschlagene Robert Berger („Es nervt“) wich für Toptorschütze Matthias Steinborn, Maik Salewski übernahm Bergers rechte Verteidigerposition. Dort musste er gegen Verls Topscorer Aygün Yildirim bestehen.

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Schade! Der 1. FC Lok Leipzig erreicht beim SC Verl nur 1:1-Unentschieden (0:1) und spielt somit auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost. Zur Galerie
Schade! Der 1. FC Lok Leipzig erreicht beim SC Verl nur 1:1-Unentschieden (0:1) und spielt somit auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost. ©

Verl-Kapitän besorgt Lok-Führung

Yildirim und Kollegen spielten mit feiner Klinge, ließen den Ball auf dem frisch gewässerten Rasen flüssig laufen. Doch auch die Leipziger Gäste waren bemüht, den Ball übers Grün und nicht durch die Luft zum Mann zu bringen. Merksatz: Ziehen die Schwarz-Weißen „Hausherren“ das Tempo an, sind sie schwer aufzuhalten. Und nach der elfmonatigen XXL-Saison, dem Hitze-Hinspiel und der sechsstündigen Anfahrt am Sonntag schienen bei den Männern von Wolfgang Wolf die Kräfte zu schwinden.

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Public Viewing an der Alten Messe: Fans des 1. FC Lok Leipzig schauen sich gemeinsam das Relegationsrückspiel beim SC Verl an. Zur Galerie
Public Viewing an der Alten Messe: Fans des 1. FC Lok Leipzig schauen sich gemeinsam das Relegationsrückspiel beim SC Verl an. ©

Doch dann kam die Sonne, mit ihr das Vitamin D und Lok zu neuen Körnern. Die Leipziger Metamorphose begann in der 37. Minute mit einer dicken Doppelchance und endete in der 45. Minute. Nicht mit dem Pausenpfiff, sondern mit ohrenbetäubendem Jubel auf der Leipziger Bank. Nach tollem Reflex von Lok-Keeper Fabian Guderitz konterten die Leipziger, eine Flanke von Maik Salewski bugsierte SC-Kapitän Julian Stöckner ins eigene Tor.

Schallenberg-Treffer sticht ins Lok-Herz

Die zweite Hälfte begann mit einer Hiobsbotschaft: Schiedsrichter Arne Aarnink musste verletzt raus, der vierte Offizielle Franz Bokop ersetzte ihn nach 55 Minuten. Die kurze Pause nutzten beide Trainer noch einmal, um ihre Teams einzustellen.

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Wolfgang Wolf (Trainer 1. FC Lok Leipzig): „Ich habe den Jungs gesagt, wie schön es ist, auf dem Heimweg an jeder Raststätte halt zu machen! Mehr Geschlossenheit wie bei uns geht gar nicht. Meine Mannschaft ist da sensationell, sie hat Mut, sie hat Willen! Es hat aber leider nicht gereicht.“ Zur Galerie
Wolfgang Wolf (Trainer 1. FC Lok Leipzig): „Ich habe den Jungs gesagt, wie schön es ist, auf dem Heimweg an jeder Raststätte halt zu machen! Mehr Geschlossenheit wie bei uns geht gar nicht. Meine Mannschaft ist da sensationell, sie hat Mut, sie hat Willen! Es hat aber leider nicht gereicht.“ ©

Im ohnehin harschen Spiel beider Teams wurde mit fortschreitender Zeit der Ton rauer und die Schreie nach Pressschlägen lauter - sechs gelbe Karten für Lok und drei für Verl sagen viel. Schon in der Regionalliga Nordost kassierte Lok von allen Vereinen die meisten Verwarnungen. Dass die Verler Vorstöße auch in den zweiten 45 Minuten erfolgs- und abschlusslos blieben, lag auch am beherzten Verteidigen der Probstheidaer. Egal ob mit Kopf, Bein, Knie oder Sechser Leon Heynke: irgendwas oder irgendwer war immer dazwischen. Selbst Mittelstürmer Djamal Ziane war sich nicht zu schade für Grätschen am eigenen Sechzehner.

In der 73. Minute war jedoch niemand dran. Nach einem seriös vorgetragenen Angriff über Verls rechte Seite landete die Kugel bei Ron Schallenberg. Der Verler schob flach ins lange Eck – keine Chance für Guderitz.

12-Minuten-Krimi in Bielefeld

Ob Loks erfolreichster Joker Romario Hajrulla nach seiner Einwechslung noch etwas bewirken kann? Er hatte in der Nachspielzeit die Gelegenheit, aus Nahdistanz (aber aus Bedrängnis). Kurz zuvor bekamen auch Ishmal Schubert-Abubakari und Niklas Brandt die Chance, Lok noch in Liga drei zu schießen. Die frische Luft auf dem platten Lok-Reifen tat kurz gut, doch der neuerliche Druck verpuffte.

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Jeder Lok-Profi stand in der Verler Hälfte, riskierte alles oder nichts für die einmalige Chance. Die konterstarken Verler konnten damit umgehen, wussten, was zu tun ist. Die zwölf Minuten Nachspielzeit (Schiri-Verletzung, viele Fouls, langer Jubel) wurden zum Krimi und zogen sich wie ein schlechter Tatort.

Nach dem Abpfiff sanken die entkräfteten Lok-Spieler enttäuscht zu Boden.