05. Juni 2021 / 10:57 Uhr

Fünf Fragen: Merle Homeier und Luna Thiel starten bei den Deutschen Meisterschaften 2021

Fünf Fragen: Merle Homeier und Luna Thiel starten bei den Deutschen Meisterschaften 2021

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Merle Homeier (links) und Luna Thiel sind ohne Corona aus von der Hallen-EM in Torun zurückgekehrt. Beide hatten jedoch ein mulmiges Gefühl. fotos: imago images
Imago Images © Merle Homeier (links) und Luna Thiel hoffen auf gute Ergebnisse.
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An diesem Wochenende stehen in Braunschweig die Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik an. Wir unterhielten uns im Vorfeld mit den beiden Schaumburgerinnen Luna Thiel und Merle Homeier, die bei den Wettkämpfen starten werden.

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Für die beiden Schaumburger Ausnahme-Leichtathletinnen Merle Homeier (LG Göttingen) und Luna Thiel (VfL Eintracht Hannover) geht es an diesem Wochenende zur Deutschen Meisterschaft nach Braunschweig. Schon im vergangenen Jahr war das Eintracht-Stadion der Austragungsort. In diesem sogar wieder mit 2000 Zuschauern pro Tag - größtenteils Ehrenamtliche. Während die Bückeburgerin Homeier im Weitsprung antritt, geht die Obernkirchenerin Thiel im 400-Meter-Lauf an den Start. Medaillenchancen haben beide. Wir unterhielten uns mit den Schaumburgerinnen über die Wettkämpfe, die Vorbereitung, den Olympia-Ausblick und Co.

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Ein Wettkampf vor Zuschauern: Schon in der vorherigen Woche beim Wettkampf in Dessau durften einige Zuschauer die Wettkämpfe im Stadion verfolgen. „Das war schön, auch wenn der Druck dadurch ein wenig größer ist“, findet Homeier. „Man springt ja auch immer ein wenig für das Publikum mit und will ihm was bieten.“ Thiel hofft vor allem auf Unterstützung auf der Zielgeraden. „Die ersten 200 Meter schaffe ich alleine, danach hilft mir jede Unterstützung.“ Sie denkt dabei vor allem an ihren Deutschen Meistertitel 2019 im Berliner Olympiastadion vor rund 36000 Zuschauern zurück. „Die Unterstützung hat ich damals angetrieben und war entscheidend.“

Bilanz der bisherigen Freiluftsaison: Beide Schaumburgerinnen sind sich einig: Da gibt es noch Luft nach oben, auch wenn Thiel eine ganz besondere Leistung gelungen ist. Sowohl in Mannheim als auch in Dessau kam sie nach 53,60 Sekunden ins Ziel. „Da habe ich im Ziel auch zweimal hinschauen müssen, ob das wirklich stimmt“, erzählt die 21-Jährige, die aber mit einem positiven Gefühl nach Braunschweig fährt. „Meine Renneinteilung war zuletzt besser und das Wetter wird in Braunschweig sicherlich auch besser sein.“ Zuletzt waren es für sie Wettkämpfe am späten Abend „bei fünf Grad und Gegenwind.“ Merle Homeier war mit ihrer Weite von 6,31 Meter in Dessau nicht zufrieden. „Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich 2020 in Dessau drei ungültige Versuche hatte“, vermutet die 21-Jährige. „Aber ich bin in der Form mindestens 6,50 Meter zu springen.“ Das bewies sie bereits im vergangenen Jahr mit 6,57 Meter in Dortmund, aber auch im Frühjahr 2021 bei den Deutschen Hallenmeisterschaften, als sie erst nach 6,55 Metern landete.



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Die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft: Das große Manko in der Vorwoche war bei Merle Homeier der Absprung. „Rund 20 Zentimeter“ verschenkte sie durch einen zu frühen Absprung. Nun hat sie zwar im Training noch einige Anlaufkontrollen durchgeführt, doch pünktlich am Brett zu sein sei schwierig. „Das ist eigentlich eine reine Kopfsache.“ Weil die Obernkirchenerin Thiel nicht bei der Staffel-EM dabei war, hatte sie die Möglichkeit „eine harte Trainingswoche“ durchzuziehen. „Meine Trainingsergebnisse waren gut und ich habe ordentlich Selbstbewusstsein getankt.“

Ziele bei der Deutschen Meisterschaft: In den vergangenen Jahren fand man Homeier regelmäßig in den Medaillenrängen. Ganz oben nicht, aber da steht auch die Ausnahmespringerin Malaika Mihambo. Dieses Jahr wird es schwieriger, eine Medaille zu erreichen, vermutet die Bückeburgerin. Auch wenn dies ein Ziel ist. „Das Feld ist zusammengerückt.“ Unter anderem Lucie Kinast, die zuletzt 6,54 Meter sprang, oder auch Maryse Luzolo, die ihre Bestweite ebenfalls im Mai auf 6,59 Meter verbesserte, sind die Konkurrentinnen um die Medaillen. Ansonsten sollen die 6,40 Meter geknackt werden, um die Norm für die U23-EM (8. bis 11. Juli in Tallin) zu schaffen „und ich will das Brett richtig gut treffen.“

Bei der 400-Meter-Läuferin sehen die gesteckten Ziele etwas anders aus. „Das Finale auf jeden Fall und dort wäre es gut, unter die besten sechs zu kommen“, so Thiel, für die die Wettkämpfe auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio wichtig sind.

Der Olympia-Ausblick: Denn die Olympia-Chancen sind bei Luna Thiel immer noch realistisch. Allerdings muss nun auch geliefert werden, denn Ende Juni fällt der Bundestrainer seine Entscheidung. Für bessere Karten hofft die Sportlerin auf eine 52er-Zeit. „Die sollte schon fallen, um mich von meinen Konkurrentinnen abheben zu können.“ Sollte es mit der Nominierung nicht klappen, wäre die U23-EM die „Notlösung.“ Zumindest immer noch theoretische Chancen auf Tokio hat auch Merle Homeier, auch wenn sie es selbst „gar nicht als Ziel“ hat. Die Norm beträgt 6,83 Meter, die die 21-Jährige noch nicht im Tank hat. Die zweite Möglichkeit wäre unter die besten 32 Springerinnen in der Weltjahresbestenliste zu kommen. Dort steht die Bückeburgerin aktuell auf Rang 41. „Mein Trainer hat das Ziel und rechnet immer schon fleißig, aber mein primäres Ziel ist die U23-Europameisterschaft.“