31. Oktober 2019 / 18:57 Uhr

Fünf Geschichten zum irren Pokalabend zwischen Hertha und Dynamo

Fünf Geschichten zum irren Pokalabend zwischen Hertha und Dynamo

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Vorentscheidend: Thomas Kraft hält den Elfmeter von Dresdens Kevin Ehlers.
Vorentscheidend: Thomas Kraft hält den Elfmeter von Dresdens Kevin Ehlers. © Andreas Gora/dpa
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DFB-Pokal: Nach einem dramatischen Spiel und zwei Toren jeweils kurz vor Spielende zieht Hertha BSC nach Elfmeterschießen gegen Dresden ins Achtelfinale ein. Berlins Keeper Thomas Kraft hält zwei Elfmeter. Derweil sorgen die Anhänger aus Dresden für reichlich Pyro-Ärger im Olympiastadion.

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Keiner der 70 429 Zuschauer dürfte dieses Spiel so schnell vergessen: An einem denkwürdigen Pokalabend rang Hertha BSC den tapfer kämpfenden Zweitligavorletzten Dynamo Dresden erst im Elfmeterschießen (5:4) nieder. Die 120 Minuten zuvor (3:3) boten Stoff für gleich mehrere Partien – fünf Geschichten zum Erfolg der Hertha:

Elfmeterkiller Thomas Kraft: Reden wollte der Berliner Held – wie eigentlich immer – nicht. Dabei hätte Herthas Ersatztorwart allen Grund gehabt, sich zu freuen. Im Elfmeterschießen hielt der 31-Jährige zwei Versuche. Eigentlich sogar drei, doch dieser wurde wiederholt, weil Kraft offenbar nicht auf der Linie stehen blieb. „Mich freut es extrem für ihn als Sportsmann, dass er der Mannschaft den Sieg beschert hat“, lobte Hertha-Trainer Ante Covic seinen Schlussmann. „Als Nummer zwei bist du im Hintergrund und selten in vorderster Front. Heute freuen wir uns für ihn, dass sich die Arbeit, die er tagtäglich absolviert, gelohnt hat.“

Rückkehrer Patrick Ebert: Nicht wortlos, aber leise und nachdenklich stand Patrick Ebert in der Interviewzone des Olympiastadions. 148 Pflichtspiele absolvierte der gebürtige Potsdamer für die Hertha, ehe er die Berliner 2012 Richtung Valladolid verließ. „Das ist sicherlich einer der schönsten und komischsten Abende in meiner Laufbahn“, sagte Ebert im Zwiespalt der großen Gefühle nach seinem ersten Spiel im Olympiastadion nach sieben Jahren. Als er in der 90. Minute seinen Elfmeter zum 2:2 mit etwas Glück ins Tor gebracht hatte jubelten alle – außer Ebert, der seit eineinhalb Jahren für Dynamo aufläuft.

In Fotos: Das Pokalspiel von Hertha BSC gegen Dynamo Dresden.

Fans von Dynamo Dresden zünden bengalisches Feuer.  Zur Galerie
Fans von Dynamo Dresden zünden bengalisches Feuer.  © dpa

Torunarighas schwacher Fuß: Richtig zufriedenstellend läuft die Saison von Herthas Abwehrtalent Jordan Torunarigha noch nicht, nur zweimal stand er bislang in der Startelf, auch am Mittwochabend wurde der 22-Jährige erst spät eingewechselt. Doch Covic hatte damit ein gutes Händchen bewiesen. In der Nachspielzeit der Verlängerung fiel dem Innenverteidiger der Ball vor den rechten Fuß – eigentlich sein schwacher. Doch sein fulminanter Dropkick landete im Netz der Dresdner und rettete die Berliner ins Elfmeterschießen. „Krank. Einfach krank! Das war total verrückt. Ich bekomme den Ball noch gegen den Kopf und Jordan haut ihn einfach rein“, sagte Davie Selke. Und Marko Grujic, der den letzten Elfmeter zum Weiterkommen verwandelte, kommentierte: „Wie Jordan den dann mit seinem schwachen rechten Fuß verwandelt, war bemerkenswert.“ Kuriosität am Rande: In den zwei Pflichtspielen zuvor zwischen Hertha und Dynamo in der 2. Bundesliga gewann jeweils die Heimmannschaft mit 1:0 – durch Eigentore.

Fans: Rund 30 000 Dresdner Fans unterstützten die Sachsen im Olympiastadion, schon nach dem Aufwärmen liefen die Spieler zu ihren Anhängern und bedankten sich im Voraus – genau wie die Berliner. Während der Partie brannten die Gästefans ein Feuerwerk ab – allerdings auch wörtlich. Immer wieder wurden bengalische Feuer gezündet und Kanonenschläge geworfen, einer traf beinahe zwei Polizisten im Innenraum. „Bedenken Sie auch die Geldstrafe, die der eigene Vereine bezahlen muss“, sagte der Berliner Stadionsprecher und wies – vergeblich – auf die Gefahren der bis zu 1000 Grad heißen Pyrotechnik hin.

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Derby-Einstimmung: 120 Minuten plus Elfmeterschießen hängt den Berlinern nun in den Knochen vor dem mit Spannung erwarteten Derby bei Union Berlin am Sonnabend (18.30 Uhr). Union hatte nach dem Pokalerfolg in Freiburg am Dienstag zudem noch einen Tag länger Pause, „vielleicht ist es ein Vorteil für sie, aber das darf für uns keine Entschuldigung sein“, betonte Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio. Die Anhänger der Berliner hatten ihr Team nach dem Elfmeterschießen mit „Scheiß Union“-Rufen angestachelt, die Profis freuten sich bereits beim nächtlichen Auslaufen im leeren Olympiastadion auf das Duell mit dem Stadtrivalen. „Sie haben uns einfach nochmal heißgemacht für das Derby“, schwärmte Marius Wolf von der Pokalstimmung vor mehr als 70 000 Zuschauern und konnte das erste Bundesligaspiel gegen Union kaum erwarten. „Jeder Spieler ist heiß. Solche Spiele kitzeln nochmal ein paar Prozent mehr raus. Wer sich da nicht drauf freut – dann weiß ich es auch nicht.“