15. November 2020 / 17:13 Uhr

Fünf Gründe: Deshalb ist Lewis Hamilton der verdiente Formel-1-Weltmeister

Fünf Gründe: Deshalb ist Lewis Hamilton der verdiente Formel-1-Weltmeister

André Batistic
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lewis Hamilton ist durch seinen erneuten Titel Rekordweltmeister der Formel 1.
Lewis Hamilton ist durch seinen erneuten Titel Rekordweltmeister der Formel 1. © 2020 Getty Images/imago images/Montage
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Er hat es geschafft: Lewis Hamilton hat sich mit seinem Sieg beim Großen Preis der Türkei zum siebten Mal in seiner Karriere den WM-Titel in der Formel 1 gesichert. Der SPORTBUZZER beleuchtet die Saison des Mercedes-Piloten: Deshalb ist Hamilton verdient Weltmeister geworden.

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Jetzt hat sich Lewis Hamilton endgültig in den Geschichtsbüchern der Formel 1 verewigt: Der 35 Jahre alte Brite ist durch seinen Sieg beim Großen Preis der Türkei in Istanbul zum siebten Mal in seiner Karriere Formel-1-Weltmeister. Eine unglaubliche Karriere-Leistung: Hamilton wird ab sofort in einem Atemzug mit Legende Michael Schumacher, der in seiner illustren Laufbahn ebenfalls auf sieben WM-Titel gekommen war, genannt werden – und darf ab sofort ebenfalls den Titel Rekordweltmeister tragen. Und warum? Weil Hamilton und sein Team Mercedes in diesem Jahr eine ihrer stärksten Saisons seit Beginn der Zusammenarbeit 2013 hingelegt haben. Der SPORTBUZZER nennt fünf Gründe, warum das Weltmeister-Tandem Hamilton/Mercedes in diesem Jahr unschlagbar war und sich verdientermaßen in die Rekordbücher eingetragen hat.

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1. Ein perfektes Team:

Seit Beginn der Ära der Turbo-Motoren 2014 dominiert Mercedes die Konkurrenz nach Belieben: 135 Grands Prix, 107 Pole-Positions, 101 Siege. In dieser Saison stand in zwölf von 14 Rennen ein Pilot des Stuttgarter Autobauers ganz oben auf dem Treppchen – neunmal war dies Hamilton, zweimal sein Teamkollege Bottas, beileibe kein schlechter Fahrer und trotzdem nur Statist. Der beste Fahrer des Feldes im besten Auto: eine Traum-Kombination. "Um ehrlich zu sein: 90 Prozent der Fahrer würden in diesem Auto gewinnen", sagte Red-Bull-Fahrer Max Verstappen zuletzt. Die Aussage diente nicht dazu, Hamiltons Leistungen zu schmälern, aber den Niederländer nervt – wie so viele andere auch – die Langeweile in der Formel 1. "Er ist ein großartiger Fahrer, aber dieses Auto ist einfach so dominant", sagte Verstappen. Wie dominant Mercedes wirklich ist, zeigt in diesem Jahr Racing Point. Mit einem fast eins zu eins kopierten Mercedes-Auto der Vorsaison und Mercedes-Motoren fährt das Team vorne mit.

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2. DAS und Party-Modus:

Die technischen Innovationen des Mercedes-Teams sind unerreicht. Vor Saisonstart schockte das Team um Boss Toto Wolff mit dem selbst entwickelten Dual-Axis-Steering-System (DAS) die Konkurrenz. Die Mercedes-Piloten Hamilton und Bottas können damit auf Geraden das Lenkrad wie Jetpiloten an sich heranziehen und die sogenannte Vorspur, den Winkel, in dem die Vorderräder zueinander stehen, verändern. Das bringt mehr Temperatur in die Reifen und sorgt für mehr Grip nach Re-Starts. Der Clou: Kein anderes Team verfügt über diese Technik, die einen enormen Vorteil mit sich bringt, ab der kommenden Saison jedoch verboten ist.

Dies ist seit dem Monza-GP im September auch der "Party-Modus", den Mercedes schon in der vergangenen Saison nutzte. Während der Qualifikation konnten so zusätzliche PS freigegeben werden. Red Bull kopierte das System erst viel später - zu spät.


3. Unbedingter Wille:

Ja, Lewis Hamilton ist viel auf Instagram unterwegs. Ja, der Brite schreibt eigene Musik und entwirft eigene Kleidung. Aber sein Ziel, Weltmeister zu werden, verliert der 35-Jährige während einer Saison keinen Millimeter aus den Augen. Ein GP-Sieg ist nur ein Schritt zum Titel. Ein zweiter Platz ist eine Niederlage, die in Imola gewonnene Team-WM war nur ein Randaspekt: "Ich denke, es gibt immer Bereiche, in denen man sich verbessern kann", sagte Hamilton vor dem Rennen in der Türkei. "Ich liebe das Rennfahren. Ich liebe die Herausforderung. Und das wird sich so bald auch nicht ändern." Mit so einer Einstellung holt man WM-Titel!

4. Volle Kontrolle in jeder Lage:

Rückschläge sind selten geworden, denn eigentlich hat Lewis Hamilton in jeder Sekunde immer die volle Kontrolle über jede Lage – und vor allem seinen Teamkollegen. Einzig Nico Rosberg schaffte es 2016 in seiner Zeit bei den Silberpfeilen, Jugendfreund Hamilton zu bezwingen und Weltmeister zu werden. Das Verhältnis der beiden litt unter der Rivalität, Rosberg trat kurz nach seinem Triumph zurück und verwehrte seinem Stallrivalen die Chance zur Revanche. Und so fährt Hamilton seither in seiner eigenen Liga, hält bereits die Rekorde für die meisten Pole-Positions (97) und auch die meisten Grand-Prix-Siege (93). Er gewann 2008 im McLaren seinen ersten WM-Titel, 2014, 2015, 2017, 2018, 2019 und nun 2020 folgten sechs weitere im Mercedes.

Sein Rennstall unterstützt ihn nach Kräften: Weil Hamilton, der erste schwarze Formel-1-Pilot der Geschichte, ein großer Unterstützter von Black Lives Matter ist, fährt Mercedes in diesem Jahr nicht in Silber. "Er hat gesagt, wie sehr ihm die Black-Lives-Matter-Bewegung am Herzen liegt", sagte Wolff der Zeitung Österreich. Der Weltmeister schlug vor, das Auto schwarz zu lackieren. "Dann hab ich unsere Lackiererei, den Daimler-Vorstand und alle Sponsoren angerufen und bin wieder zu Lewis: 'Wir haben ein schwarzes Auto.' Er war begeistert", berichtete der Teamchef.

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Lewis Hamilton ist gemeinsam mit Michael Schumacher Rekordweltmeister der Formel 1. Wir zeigen euch die Bilder der Karriere des aktuell besten Rennfahrers der Welt. Zur Galerie
Lewis Hamilton ist gemeinsam mit Michael Schumacher Rekordweltmeister der Formel 1. Wir zeigen euch die Bilder der Karriere des aktuell besten Rennfahrers der Welt. ©

5. Die Schwäche der Konkurrenz:

Mercedes ist zwar stark, aber bei Weitem nicht unschlagbar. Das haben mehrere Rennen in dieser Saison schonungslos offenbart. So schlug sich das Weltmeister-Team in dieser Saison gleich mehrfach selbst: Beim zweiten Silverstone-GP bekam die Mannschaft aus dem englischen Brackley ein Reifenproblem nicht in den Griff, das beim ersten Rennen auf der gleichen Strecke schon Thema war. Beim Monza-GP ließ das Team Hamilton während einer Safety-Car-Phase verbotenerweise in die Box fahren und verlor dadurch das Rennen. In Sotschi ließ Mercedes seinen Star-Piloten an verbotenen Stellen Startübungen absolvieren. Bei allen drei Rennen hieß der Sieger am Ende nicht Hamilton – doch es gab in dieser Saison nicht DEN einen Fahrer, der von diesen Schludrigkeiten profitieren konnte: Der ewige Konkurrent Ferrari gurkt mit beiden Fahrern im Mittelfeld herum, Red Bull um WM-Kandidat Max Verstappen kämpft mit der Zuverlässigkeit des Autos und auch nur mit einem Fahrer, da Verstappen-Teamkollege Alexander Albon über die gesamte Saison viel zu langsam ist.

So bleibt der WM-Titel für Hamilton und Mercedes unter dem Strich natürlich hochverdient. Gefordert wurde das deutsche Werksteam allerdings auch nie wirklich.