26. April 2018 / 14:45 Uhr

Fünf Gründe für RB Leipzigs Probleme in der Rückrunde

Fünf Gründe für RB Leipzigs Probleme in der Rückrunde

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Man möchte gar nicht hinsehen: Es läuft nicht bei RB Leipzig im so wichtigen Saisonendspurt.
Man möchte gar nicht hinsehen: Es läuft nicht bei RB Leipzig im so wichtigen Saisonendspurt. © Imago
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Die Gegentorflut, kaum Alternativen in der Defensive, Leistungsträger am Limit, fehlende Konstanz der Neuzugänge und die Mentalitätsfrage. In der Rückrunde summieren sich die Probleme bei RB Leipzig. 

Leipzig. Von einem internationalen Startplatz ins Mittelfeld der Bundesliga abgerutscht: So sieht die aktuelle Diskrepanz bei RB Leipzig zwischen der Hin- und Rückrunde aus. In Zahlen heißt das 28 Punkte in den ersten 17 Spielen und Platz fünf. In der Rückrundentabelle stehen 19 Zähler in 14 Partien, Rang neun sowie ein Torverhältnis von minus zwei Treffern zu Buche. Fünf Gründe für RB Leipzigs Probleme in der zweiten Saisonhälfte.

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1. Die Abwehr

Die größten Sorgen bereiten die vielen Gegentore. Das Problem: Fast jeder Abwehrspieler leistete sich zuletzt grobe Schnitzer – von den jüngsten wie Dayot Upamecano sowie Ibrahima Konaté, über die Außenverteidiger Bernardo und Lukas Klostermann, bis hin zu den erfahrenen wie Stefan Ilsanker und Kapitän Willi Orban. Die Entstehung: Konter, Standards, individuelle Fehler. Eine echte Konstante, bis auf Keeper Peter Gulacsi, fehlte. Dass dann der ungarische Nationaltorhüter mit seinem Fehler vergangenes Wochenende gegen Hoffenheim das 0:1 verursachte, war symptomatisch für den Zustand der Defensive.

Sportdirektor Ralf Rangnick fordert: „Für mich ist der Schlüssel, dass wir insgesamt als Mannschaft wieder so verteidigen, dass der Gegner nicht ständig zu so vielen klaren Torchancen kommen kann.“ Doch das RB-Spiel lebt von Automatismen, die geschult werden müssen. Während der Doppelbelastung war das meist nur per Videoanalyse möglich. Die Abwehr wurde vom Trainer in den vergangenen Wochen immer wieder im System (Dreier bzw. Viererkette), als auch personell verändert. Stabilität hat das nicht gebracht. Teilweise waren die Wechsel aufgrund von Sperren oder Verletzungen aber alternativlos.

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2. Fehlende Verstärkung im Winter

Im Winter hatte Hasenhüttl für den mit einem Kreuzbandriss bis zum Saisonende fehlenden Marcel Halstenberg und aufgrund der Doppelbelastung Ersatz in der Defensive gefordert. Den konnten ihm Sportdirektor Ralf Rangnick und die Scoutingabteilung in der Kürze der Zeit nicht liefern. Als sich der als Außenverteidiger umgeschulte Konrad Laimer Anfang April auch verletzte, waren die Alternativen dahin. Nach dem Muskelriss des Österreichers begann die Flut an Gegentoren. „Es ist die Erfahrung aus diesem Jahr, was mit Spielern passiert, wenn sie ihre 40 Spiele intus haben, wir aber nicht die Alternative haben, um ihnen eine Pause zu geben“, erklärte der RB-Coach. Mit Routinier Marvin Compper hatte der Verein zudem einen Innenverteidiger im Winter zu Celtic Glasgow ziehen lassen.

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3. Leistungsträger unter ihren Möglichkeiten

Drei Leistungsträger konnten nicht an ihr famoses erstes Bundesligajahr in Leipzig anknüpfen. Emil Forsberg – mit 20 Assists in der vergangenen Spielzeit bester Vorlagengeber, fehlte in der Mitte der Saison acht Spiele wegen einer Bauchmuskelzerrung. Seitdem erzielte er nur einen Treffer – nun fällt er bis zum Saisonende wegen seiner Rotsperre aus. In 21 Partien im Fußball-Oberhaus gelangen ihm nur zwei Torvorlagen.

Bis zu seiner Schulterverletzung im November war Marcel Sabitzer ohne Pause im Einsatz – vier Assists, zwei Tore – der Österreicher ging als Kämpfer in allen Bereichen voran. Zwar wurde er bis zum Rückrundenstart wieder fit, fand aber nicht zu alter Form. Seiner zweiten Schulterverletzung Mitte April folgte eine OP und das damit verbundene Saison-Aus.

Timo Werner erzielte acht seiner bisher elf Bundesligatore in der Hinrunde. Sein letzter Treffer im Fußballoberhaus gelang dem 22-Jährigen am 18. März gegen Bayern. Im Saisonendspurt ist dem Nationalstürmer die Kaltschnäuzigkeit abhandengekommen.

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4. Konstanz der Neuzugänge

Die drei Neuzugänge Jean-Kevin Augustin, Bruma sowie Kevin Kampl ließen ihre Fähigkeiten zwar ab und an aufblitzen, konnten aber vor allem in der Rückrunde nicht überzeugen. Der Franzose verbuchte fünf seiner acht Torbeteiligungen in der Hinrunde. Kampl war nur bei einem Treffer in der Rückrunde direkt involviert. Dem Portugiesen fehlt seit elf Ligaspielen ein Erfolgserlebnis in der Offensive. Im Rückwärtsgang ist bei allen noch Luft nach oben.

5. Mentalität

Nach vier Partien ohne Sieg fand Hasenhüttl drastische Worte: „Wenn wir in den letzten Spielen nicht wieder eine Schippe drauf legen und die Fehler hinten abstellen, haben wir dort oben auch nichts verloren. Dann haben wir zwar ganz nette individuelle Qualität, aber als Mannschaft nicht die Qualität, dort oben zu stehen.“ Die Verunsicherung beim Tabellensechsten ist greifbar. „Das nach den vielen Toren in den letzten 14 Tagen nicht gerade jeder vor Selbstvertrauen strotz und wir personell auch hinten sehr gebeutelt waren, spielt alles hinein. Aber Probleme und solche Situationen fordern die Bereitschaft, sich dagegen zu wehren und nicht zu akzeptieren, dass etwas nicht funktioniert. Sondern mir und sich selbst das Gefühl zu geben, dass man daran arbeitet, dass es besser wird“, fordert der RB-Coach in den verbleibenden drei Spielen von seinem jungen Team.

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