30. Juni 2020 / 14:39 Uhr

Fünf Highlights in elf Jahren beim VfL: Auf Wiedersehen, Rüdiger Ziehl!

Fünf Highlights in elf Jahren beim VfL: Auf Wiedersehen, Rüdiger Ziehl!

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Elf Jahre beim VfL Wolfsburg: Eine seiner größten sportlichen Erfolge als Cheftrainer war für Rüdiger Ziehl der Gewinn der Regionalliga-Meisterschaft 2019.
Elf Jahre beim VfL Wolfsburg: Eine seiner größten sportlichen Erfolge als Cheftrainer war für Rüdiger Ziehl der Gewinn der Regionalliga-Meisterschaft 2019.
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Am Dienstag war sein letzter Tag in Diensten des VfL Wolfsburg, jetzt ist für den bisherigen U23-Trainer Rüdiger Ziehl Schluss beim Fußball-Regionalligisten. Nach elf Jahren im Verein blickt der 42-Jährige auf eine intensive und spannende Zeit zurück.

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Elf Jahre beim VfL Wolfsburg, drei als Spieler, acht als Trainer - doch jetzt ist die Ära von Rüdiger Ziehl beim Fußball-Regionalligisten vorbei. Am Dienstag war sein letzter Arbeitstag. Für den SPORTBUZZER ließ der sympathische U23-Coach seine Zeit in der VW-Stadt noch einmal Revue passieren und berichtet von fünf Highlights, die er im Verein erlebt hat.

1. Ungewöhnliche Verpflichtung als Spieler

Anfang August 2009 war Ziehl vom damaligen Zweitligisten TuS Koblenz nach Wolfsburg in die Regionalliga gewechselt. Doch der Transfer lief etwas ungewöhnlich ab - und hatte mit einem Zufall zu tun. "Lorenz-Günther Köstner war damals Cheftrainer der U23. Mein Wechsel lief über seinen ehemaligen Co-Trainer aus Köln, Colin Bell, die zwei sind bei einem Geburtstagsplausch auf mich gekommen", berichtet Ziehl. "Die beiden hatten telefoniert, und Köstner sagte, dass er noch einen erfahrenen Spieler sucht. Da hat Bell gesagt, ich kann dir einen empfehlen. Dann hat sich Köstner noch bei einem guten Freund von mir über mich informiert – so ist der Transfer letztlich zustande gekommen." Der defensive Mittelfeldspieler Ziehl feierte sein VfL-Debüt am 22. August 2009 beim 0:0 in Babelsberg.

Regionalliga: VfL Wolfsburg II - VfB Lübeck

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Regionalliga: VfL Wolfsburg II - VfB Lübeck © Roland Hermstein

2. Premiere als Interims-Cheftrainer

Am 27. Oktober 2012 war es so weit, Ziehl bestritt sein erstes Pflichtspiel als Interimstrainer, nachdem Köstner zusammen mit seinem Co-Trainer Alexander Strehmel die Nachfolge von Felix Magath bei den Bundesliga-Profis angetreten war. "Zu dem Zeitpunkt habe ich eine Umschulung angefangen und war parallel als zweiter Co-Trainer auf 400-Euro-Basis bei der U23 dabei. Das war fast eine Halbtagsstelle – ich war mal da und mal nicht", erinnert sich der Coach. "Dann ging es von null auf hundert." Da blieb auch eine gewisse Anspannung nicht aus. Ziehl: "Ich war aufgeregt vor dem ersten Spiel, weil ich vorher nur zwei Drittel dabei war. Dann Cheftrainer zu sein, war mit Nervosität verbunden. Bis dahin war ich eher in der Beobachterrolle."

Aber das Debüt lief erfolgreich, es gab ein 2:0 beim FC Oberneuland (die Partie wurde später annulliert, Oberneuland meldete Insolvenz an). Anschließend folgten drei Siege, zwei Unentschieden und nur eine Niederlage (0:1 beim TSV Havelse). "Wir haben aus sieben Spielen 14 Punkte geholt, das war schon ganz ordentlich", sagt Ziehl heute. "Zwar wurde das erste Spiel gegen Oberneuland annulliert, aber für mich waren es sieben Spiele und 14 Punkte."

3. Florida-Cup-Sieger

Im Oktober 2016 übernahm Ziehl den Posten des U23-Cheftrainers dann komplett. Er folgte auf Valérien Ismael, der bei den Profis die Nachfolge von Dieter Hecking angetreten war. Dort sollte der Franzose das Team vor dem Abstieg bewahren - und genau dieser Abstiegskampf war der Grund dafür, wieso im Januar 2017 nicht der Bundesligist, sondern die zweite Mannschaft ins Trainingslager nach Amerika flog und am Florida-Cup teilnahm. "Das war für alle ein Highlight", so Ziehl. Aber es kam noch besser: Die U23 kehrte mit der Trophäe nach Wolfsburg zurück. "Wir haben gegen Tampa Bay gewonnen und anschließend im Finale gegen den brasilianischen Erstligisten EC Bahia nach Elfmeterschießen auch. Wir waren als krasser Außenseiter erfolgreich. Das war untypisch für eine U23", betont Ziehl.

Party! Der VfL Wolfsburg II bejubelt den Regionalliga-Nord-Titel 2019. Zur Galerie
Party! Der VfL Wolfsburg II bejubelt den Regionalliga-Nord-Titel 2019. © Boris Baschin

4. Gewinn der Meisterschaft 2019

Mit 77 Punkten, einer Tordifferenz von 86:28 und drei Zählern Vorsprung auf den VfB Lübeck sicherte sich der VfL II in der Saison 2018/19 den Gewinn der Regionalliga-Meisterschaft. "Das war eine schöne Sache, auch weil ich als Cheftrainer dazu beitragen konnte", freut sich Ziehl. Den Titel hatten die Wolfsburger zwar schon 2014 und 2016 eingeheimst, allerdings agierte Ziehl dort noch als Co-Trainer. Und was war mit ihm als Chefcoach ausschlaggebend für den Erfolg? Ziehl: "Die mannschaftliche Geschlossenheit. Es gab einige Spiele, in denen wir kurz vor Schluss aufgedreht haben. Die Jungs wollten die Spiele unbedingt gewinnen."

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5. Aufstiegsspiele gegen den FC Bayern II

Es war wohl das schwärzeste Ereignis in der Ziehl-Ära, wenngleich auch das aufregendste als Cheftrainer der U23: In der Relegation zur 3. Liga musste der VfL II gegen die U23 des FC Bayern ran - und nach einem 3:1 im Hinspiel sah alles nach Aufstieg aus. Doch im Rückspiel gab's die kalte Dusche. Die Münchner gewannen mit 4:1 und schafften damit den Gang in die dritte Liga. "Hinspiel top, Rückspiel Flop", beschreibt es Ziehl heute. "Trotzdem war es gerade für mich als Cheftrainer eine neue Situation, die einmal richtig gut funktioniert hat und einmal nicht funktioniert hat."

Und der 42-Jährige denkt an dieses Ereignis auch heute noch manchmal zurück. "Es ärgert mich heute noch. Wenn man sieht, dass der FC Bayern II die Drittliga-Tabelle anführt, wird man schon daran erinnert. Es ist aber nicht so, dass ich daran verzweifle. Ich denke, dass wir in der 3. Liga auch eine ordentliche Rolle hätten spielen können."