24. Mai 2018 / 20:34 Uhr

Fünf Tore in der Verlängerung! VfL Wolfsburg verliert Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon mit 1:4

Fünf Tore in der Verlängerung! VfL Wolfsburg verliert Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon mit 1:4

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
24.05.2018, Ukraine, Kiew: Fußball, Frauen: Champions League, VfL Wolfsburg - Olympique Lyon, K.o.-Runde, Finale im Lobanovskyi Dynamo Stadium. Wolfsburgs Alexandra Popp (l) gegen Lyons Ada Hegerberg in Aktion. Foto: Ina Fassbender/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bitter: Die VfL-Frauen verloren das Champions-League-Finale gegen Lyon mit 1:4. Alexandra Popp (l.) flieg mit Gelb-Rot vom Platz. © dpa
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Es sollte nicht sein: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben das Finale der Champions League in Kiew gegen Olympique Lyon mit 1:4 nach Verlängerung verloren. Knackpunkt des Spiels war ein Platzverweis unmitelbar nach der Wolfsburger Führung.

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Es war ein am Ende kurios-dramatisches und aus Wolfsburger Sicht tragisches Finale. Alle fünf Tore fielen in der Verlängerung! Das erste erzielte der VfL durch Pernille Harder - aber als unmittelbar danach Alexandra Popp vom Platz flog, nutze Lyon mit drei Tore in sieben Minuten gnadenlos aus. Angetrieben vom Tempo der eingewechselten holländischen Europameisterin Shanice van de Sanden trafen Amel Majri, Eugenie Le Sommer und Ada Hegerberg, später legte Camile Abily noch nach. Am Ende war es ein verdienter Sieg der Französinnen, die die Trophäe zum dritten Mal nacheinander gewannen. Für den VfL, CL-Sieger 2013 und 2014, war es nach 2016 die zweite Finalniederlage gegen Lyon - damals entschied ein Elfmeterschießen.

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Die erste Chance des Spiels hatte Lyon, Amadine Henry blieb mit einem Nachschuss aus guter Position in der VfL-Abwehr hängen. Die Französinnen agierten zunächst etwas druckvoller, hatten mehr Ballbesitz, während der VfL auf schnelle Pässe in die Spitze setzte - die aber zunächst zu unpräzise waren. Die nächste Lyon-Chance vereitelte Anna Blässe mit einer starken Grätsche gegen die in Richtung Tor stürmende Amel Majri. Szenen, die Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs und VfL-Geschäftsführer Tim Schumacher knapp verpassten - ihr Flieger hatte Verspätung, beide trafen zusammen mit der Ehefrau von VfL-Trainer Stephan Lerch erst während der ersten Halbzeit ein. Sie waren nicht die einzigen, das Valerij-Lobanowski-Stadien füllte sich erst während der ersten Spielminuten, am Ende waren 14.300 Zuschauer da - ukrainischer Rekord für ein Frauenfußball-Spiel.

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Als es dann Mitte der ersten Halbzeit beim VfL etwas präziser wurde, gab's auch gleich Gefahr: Selma Bacha musste nach starkem Pass von Pernille Harder gegen Ewa Pajor klären, die anschließende Ecke hielt Torfrau Sarah Bouhaddi erst im Nachfassen fest. Auf der Gegenseite brachte Ada Hegerberg aus gefährlicher Position einen Kopfball Richtung Tor, den aber Almuth Schult mühelos parierte.

Auf der Tribüne diskutierte zur Pause viel Fußball-Prominenz die torlose erste Halbzeit. Bundestrainer Horst Hrubesch hatte den VfL schon am Nachmittag im Mannschafshotel besucht und mit Ralf Kellermann (Sportlicher Leiter der VfL-Frauen) geplaudert; anschließend war er mit den Wolfsurgern ins Stadion gefahren. Dort traf er auf seine bereits feststehende Nachfolgerin Martin Voss-Tecklenburg, die ebenso auf der Tribüne saß wie DFB-Präsident Reinhard Grindel und Ex-VfL-Fußballerin Nadine Keßler (jetzt UEFA-Frauenfußball-Chefin). Ebenfalls dabei: Jan-Aage Fjörthoff, Ex-Bundesliga-Star und jetzt TV-Experte unter anderem in England, sowie der einstige polische Stürmerstar Zbigniew Boniek.

Champions-League-Finale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und Olympique Lyon Zur Galerie
Champions-League-Finale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und Olympique Lyon ©

Nach dem Seitenwechsel kam beim VfL Tessa Wullaert für die angeschlagen wirkende Caroline Hansen ins Team. Für die erste brenzlige Situation sorgte Lena Goeßling, nach deren Fehlpass Alexandra Popp an der Strafraumgrenze gegen Eugenie Le Sommer retten musste. Schrecksekunde dann nach knapp einer Stunde: Sara Gunnorsdottir knickte im Mittelfeld um, musste ausgewechselt werden. Für sie kam Abwehrtalent Joelle Wedemeyer, Goeßling rückte ins Mittelfeld vor.

Das bis dahin vor allem von taktischer Disziplin geprägte Spiel nahm Fahrt auf, die Situationen in Tornähe häuften sich - vor allem für Lyon. Hegerberg wurde beim Abschluss aus spitzem Winkel von Nilla Fischer geblockt, nach der anschließenden Ecke köpfte Griedge M'bock-Bathy übers Tor. Kurz darauf rettete Popp gegen Henry. Wenn es auf deren anderen Seite mal Richtung Tor ging, war spätestens bei den starken Olympique-Innenverteidigerinnen Endstation.

Ganz, ganz eng wurde es in der 69. Minute: Henry fälschte einen Le-Sommer-Kopfball per Kopf ab, Schult war geschlagen, Noelle Maritz rettete - der Ball war dabei hinter der Linie, aber einen Videobeweis oder Torlinien-Technik gab es in diesem Spiel nicht. Die Partie blieb offen, Pernille Harder hatte mit einem Schuss von halbrechts die beste VfL-Chance, zielte aber etwas zu hoch. Sieben Minuten vor Schluss dann fast die Entscheidung für Lyon, als Delphine Cascarino rechts durch war und den Ball präzise in die Mitte spielte, wo Le Sommer aus kurzer Distanz an der stark parierenden Schult scheiterte.

In der Verlängerung war dann das zweite Mal das Glück auf Wolfsburgs Seite; Harder hielt aus 22 Metern einfach mal flach drauf, Renard fälschte unglücklich ab - und der Ball war drin. Bitter für den VfL: Unmittelbar nach der Führung sah Popp Gelb-Rot - die bereits verwarnte Nationalspielerin hatte an der Seitenlinie Cascarino umgegrätscht. Und dann entschieden die drei schnellen Tore das Spiel.

Den ersten Trost für den VfL, der mit Meisterschaft und Pokalsieg eine überragende Saison spielt, gab es vom Oberbürgermeister. Klaus Mohrs: "Unsere großartige Frauenmannschaft hat eine absolut fantastische Saison gespielt und kann riesig stolz auf sich sein. Vorzeitig die Deutsche Meisterschaft festgemacht, den fünften DFB-Pokalsieg in einem kräftezehrenden Herzschlagfinale erspielt, erneut im Finale der Champions League gestanden. Wer hätte das alles zu erwarten gehofft? Es hat sich gezeigt, dass ein Team mit ehrgeizigen Zielen, einer hohen Fachkompetenz auf allen Ebenen und einem ausgeprägten Teamgeist Herausragendes erreichen kann. Ein ganz besonderer Glückwunsch muss auch an den Trainer Stephan Lerch gehen, der es mit seinem gesamten Team geschafft hat, die Erfolgsstory nahtlos fortzuschreiben. Diese großartige Frauenmannschaft ist ein exzellenter Imageträger, in nicht immer einfachen Zeiten für unsere Stadt."

VfL: Schult - Blässe, Fischer, Goeßling, Maritz - Popp, Gunnarsdottir (57. Wedemeyer) - Hansen (46. Wullaert), Harder, Dickenmann (89. Kerschowski) - Pajor.

Lyon: Bouhaddi - Bronze, M'Bock-Bathy, Renard, Bacha (64. Cascarino) - Kumagai (95. van de Sanden), Henry - Le Sommer (114, Abily), Marozsan, Majri - Hegerberg.

Tore: 1:0 (93.) Harder, 1:1 (95.) Henry, 1:2 (99.) Le Sommer, 1:3 (102.) Hegerberg, 1:4 (116,) Abily.

Schiedsrichterin: Jana Adamkova (Tschechien). - Zuschauer: 14.300.

Gelb-Rot: Popp (95.).