28. September 2021 / 18:08 Uhr

Fünfeinhalb Jahre nach dem Tor gegen Real Madrid: Aus Wolfsburgs Talent ist Wolfsburgs Chef geworden

Fünfeinhalb Jahre nach dem Tor gegen Real Madrid: Aus Wolfsburgs Talent ist Wolfsburgs Chef geworden

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Maximilian Arnold vor fünf Jahren und heute: Im April 2016 erzielte der Mittelfeldspieler das letzte Tor in der Champions League für den VfL Wolfsburg.
Maximilian Arnold vor fünf Jahren und heute: Im April 2016 erzielte der Mittelfeldspieler das letzte Tor in der Champions League für den VfL Wolfsburg. © imago/Rust
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Der VfL Wolfsburg hat in der Champions League endlich wieder ein Heimspiel. Am Mittwoch (21 Uhr) kommt der FC Sevilla, ein spanisches Top-Team. Das letzte Spiel in der Königsklasse ist fünfeinhalb Jahre her, aber einer steht damals wie heute im Blickpunkt: Maximilian Arnold.

Endlich wieder Champions League in Wolfsburg - am Mittwochabend (21 Uhr, live bei DAZN) kommt der FC Sevilla zum VfL. Fünfeinhalb Jahre nach dem letzten Heimspiel in der Königsklasse in der VW-Arena gibt es erstmals wieder die bei Spielern, Fans und Verantwortlichen beliebte CL-Hymne zu hören. "Es ist etwas ganz Besonderes, die Champions League wieder in Wolfsburg zu haben", sagt der neue VfL-Rekord-Feldspieler Maximilian Arnold vor dem Duell mit dem spanischen Top-Klub. "Unser bisher letztes Heimspiel in der Königsklasse war ja ganz ordentlich, daran habe ich natürlich noch gute Erinnerungen..."

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Der 6. April 2016, das Viertelfinal-Hinspiel gegen die Superstars von Real Madrid, der VfL führte nach einem Elfmeter von Ricardo Rodriguez (jetzt FC Turin) mit 1:0. Da hatte die Arena zum ersten Mal gekocht, in der 25. Minute war das zum zweiten Mal so gewesen - nach einem Tor von Arnold. Die Szene: Der Ball wurde rechts raus auf Bruno Henrique gespielt, der wiederum brachte die Kugel in die Mitte, da entwischte Arnold Real-Rambo Sergio Ramos (jetzt Paris) - und machte ihn rein. "Ich weiß nicht, ob das noch mal so passiert - aber klar, das war schon ein schönes Highlight damals“, sagte das Wolfsburger Eigengewächs und fügte grinsend hinzu: „Da liegen ja jetzt ein paar Jahre dazwischen und ich bin nicht mehr ganz so schnell..."

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Sein nächstes Champions-League-Tor sei darum nicht unbedingt wahrscheinlich - was aber auch mit seiner Rolle im taktischen Gefüge zu tun habe: "Mein Spiel hat sich ein bisschen mehr auch nach hinten verlagert, ich habe Entwicklungsschritte gemacht, die vielleicht gar nicht abzusehen waren. Ich glaub', ich bin da ganz ordentlich unterwegs." Und die Bezeichnung "Mittelfeld-Chef" sei aus seiner Sicht schon okay, „aber ich bin nicht der Einzige, der das Spiel macht, da haben wir schon auch ein paar andere".

Und dennoch: Aus dem jungen Maxi (damals 22 Jahre alt), wie er damals noch gerufen wurde, ist in der Zeit danach ein gestandener Bundesliga-Profi geworden, aus dem Wolfsburg-Talent der Wolfsburg-Chef im Mittelfeld. Einer, der auf dem Platz Verantwortung übernimmt, der Taktgeber ist. Und mittlerweile zu den erfahrensten Spielern im Kader gehört. Wolfsburger Rekord-Feldspieler in der Bundesliga ist der 27-Jährige schon, gegen Sevilla wird er auch Rekord-Feldspieler des VfL in der Champions League, aktuell liegt er hier mit elf Einsätzen noch gleichauf mit Sportdirektor Marcel Schäfer. Und Torwart Diego Benaglio wird Arnold in beiden Listen demnächst überholen.

Wie damals gegen Real wird Arnold am Mittwoch mit Josuha Guilavogui die Doppel-6 bilden, alle anderen VfLer, die 2016 auf dem Platz gestanden hatten, spielen längst woanders oder haben ihre Karrieren bereits beendet. Der VfL entging nach den Duellen mit Madrid (das Rückspiel ging 0:3 verloren) zweimal nur dank der Relegation dem Abstieg und arbeitete sich dann wieder Richtung Bundesliga-Spitze, wurde zuletzt Vierter. Dass es nun wieder Champions-League-Fußball in Wolfsburg gibt, ist der vorläufige Höhepunkt einer positiven Entwicklung in den vergangenen drei Jahren, in denen viele Spieler kamen und gingen – Arnold jedoch blieb. Und steht damit schon seit Jahren für eine Wolfsburger Kontinuität, die im Hin und Her zwischen rauschenden Europacup-Abenden und wechselhaften Liga-Ergebnissen über Jahre oft vermisst wurde.

Allerdings: Wie seine Kollegen auch wusste er beim 0:0 zum CL-Start in Lille, was das Fußballerische betrifft, nicht wirklich zu überzeugen, auch beim 1:3 am Samstag im Duell mit Hoffenheim war das so. Aber Arnold legte hernach den Finger in die Wunde, analysierte kritisch. Auch vorm Sevilla-Spiel schaute er kritisch auf die erste Saison-Niederlage: „Man hat gesehen, dass wir mit der einen oder anderen Situation zu fahrlässig umgegangen sind. Vielleicht haben wir gedacht, nach fünf Spielen ohne Niederlage, dass wir alles mit halber Kraft oder 80 Prozent machen.“ Aber das gehe „in der Bundesliga nicht“. In der CL könne sich der VfL das ebenfalls nicht erlauben – Arnold: „Wir müssen das lernen. Wir sind keine Spitzenmannschaft, das ist noch ein langer Weg.“


2016 ging es für den VfL bis ins Viertelfinale, wie weit geht es diesmal? „Das Team von damals ist mit dem heutigen schwer zu vergleichen“, sagt der 27-Jährige. „Klar wäre es schön, wenn wir genauso weit kommen könnten. Aber dafür gilt es, am besten gegen Sevilla den Grundstein zu legen.“