19. April 2021 / 19:57 Uhr

„Für den Amateurfußball“: Bovender SV protestiert mit Rabatt-Aktion gegen Super League

„Für den Amateurfußball“: Bovender SV protestiert mit Rabatt-Aktion gegen Super League

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
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Daniel Vollbrecht, Fußball-Abteilungsleiter des Bovender SV, und der Vordruck für den Rabatt bei Heimspielen. © Warda/r/Montage: afu
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Die neuen Pläne für eine europäische Super League sorgen für hitzige Debatten, mächtig Kritik – und beißenden Spott. Auch der Bovender SV (BSV) aus dem Raum Göttingen schaltete sich am Montag in die Diskussion ein und versprach allen BSV-Fans ermäßigten Eintritt, sollten sie sich mit ihrer Unterschrift gegen die Super League aussprechen.

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Sechs Clubs aus England und je drei aus Spanien und Italien, darunter der FC Liverpool, Real Madrid und Juventus Turin, hatten in der Nacht zu Montag so konkret wie nie ihre Pläne für eine eigene Liga veröffentlicht. Diese stünde in direkter Konkurrenz zur Champions League der UEFA, die diese Pläne wie auch der Weltverband FIFA und etliche nationale Ligen und Verbände scharf kritisierte. Deutsche Clubs sind nicht unter den Vereinen, die die Gründung einer Super League angekündigt haben. 

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In einigen Ländern hat die Debatte bereits eine politische Ebene erreicht. So nannte der britische Premierminister Boris Johnson die Super-League-Pläne „schädlich“. Die Fan-Interessenvertretung „Unsere Kurve“ aus Deutschland forderte harte Strafen für die Teilnehmer. Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 scherzte unterdessen auf Twitter, der Klub stehe für ein solches Vorhaben nicht zur Verfügung.

BSV-Aktion: Fans erhalten zwei Euro Rabatt, wenn sie Vordruck an der Kasse vorzeigen

In diese Kategorie fällt auch eine Aktion des Bovender SV, einer der größten Sportvereine im Landkreis Göttingen und mit seiner ersten Mannschaft in der Fußball-Bezirksliga am Start. Fußball-Abteilungsleiter Daniel Vollbrecht veröffentlichte am Montag einen Vordruck, mit dem Fans zwei Euro Rabatt bei den Heimspielen des BSV erhalten, wenn sie diesen unterschrieben an der Kasse vorzeigen. Der Titel des Schreibens: „Für den Amateurfußball – gegen die ’Nicht so Super League’“

In sechs Punkten aufgeschlüsselt, kann der BSV-Fan mit seiner Unterschrift unter anderem bestätigen, dass er keine Spiele der Super League im Fernsehen, auf Streaming-Seiten „oder schlimmstenfalls als zahlender Zuschauer im Stadion“ konsumieren wird. Auch bestätigt er, keine Medienberichte über das neue Format zu lesen sowie keine „überteuerten Fanartikel oder Marketingprodukte“ zu kaufen.

Mehr zur Debatte um die Super League

Außerdem heißt es weiter: „Kostenlose Werbegeschenke werde ich zuverlässig entsorgen und dabei die Vorgaben der Mülltrennung beachten – Super League ist nicht Bio.“ Der Fan unterschreibt ferner, „dass ich alle Gespräche, die sich mit der sogenannten Super League befassen, möglichst in eine andere Richtung lenken werde und notfalls die Konversation abbreche“ und er „alle Fans der sogenannten Super League zwar als Menschen respektiere, aber schon ein bisschen komisch finde“.

Natürlich sei das humorvoll gemeint, sagte Vollbrecht am Montag auf Anfrage. Es stecke aber durchaus ein ernstes Anliegen hinter der Aktion. Der Bovender SV wolle damit ein Statement setzen gegen die weitere Kommerzialisierung des Fußballs.

Schließlich habe bislang noch jeder Verein von der dritten Kreisklasse bis zur Bundesliga zumindest theoretisch die Chance, „ganz nach oben zu kommen und an der Champions League teilzunehmen“. Diese Idee sei nun „erstmals gefährdet“ durch die Pläne für eine Super League.

Kann der Amateurfußball sogar profitieren?

Und noch eine Hoffnung verbinde der BSV mit seiner Aktion, so Vollbrecht: Dass der Amateurfußball nicht unter den neuen Plänen leide, sondern im Gegenteil gegebenenfalls auch davon profitieren könnte. Dann nämlich, wenn der Profifußball durch derlei Vorhaben immer unattraktiver werde für den Normalbürger.

Die Idee zu der Aktion sei ihm spontan gekommen, sagte Vollbrecht. Vor der Veröffentlichung habe er sich mit dem BSV-Vorsitzenden Alexander Schneehain abgestimmt, der sofort seine Zustimmung signalisiert habe. Ferner habe Schneehain zugesagt, mit der Göttinger Anwaltskanzlei sjs Rechtsanwälte die Aktion zu sponsern.

„Einer hat mir das Papier sogar schon unterschrieben zurückgeschickt“

Auch wenn es durchaus scherzhaft gemeint sei, das Angebot des BSV mit dem Rabatt auf den Eintrittspreis gelte natürlich, sagte Vollbrecht. Die Aktion sei allerdings vorerst auf die nächste Saison begrenzt, die hoffentlich im Sommer beginnen werde. „Mehrere Jahre könnten wir die Einnahmeverluste nicht verkraften.“

Und positive Rückmeldungen gibt es auch schon. „Das kommt gut an“, sagte Vollbrecht. „Einer hat mir das Papier sogar schon unterschrieben zurückgeschickt.“