22. Juli 2021 / 15:46 Uhr

Für die Göttinger Dreispringerin Neele Eckhardt-Noack wird der Traum von Olympia wahr

Für die Göttinger Dreispringerin Neele Eckhardt-Noack wird der Traum von Olympia wahr

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Die Göttinger Dreispringerin Neele Eckhardt-Noack will bei den Spielen in Tokio das Finale der besten zwölf Springerinnen erreichen.
Die Göttinger Dreispringerin Neele Eckhardt-Noack will bei den Spielen in Tokio das Finale der besten zwölf Springerinnen erreichen. © Chai von der Laage/imago
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Wenn Neele Eckhardt-Noack am nächsten Freitag, 30. Juli, im Olympiastadion in Tokio zum Qualifikationswettkampf der Dreispringerinnen antritt, dann erfüllt sich für sie der Traum von Olympia. Die Athletin der LG Göttingen fühlt sich topfit – und hofft auf die Qualifikation für den Endkampf.

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Es ist der Höhepunkt ihrer Karriere: Neele Eckhardt-Noack, Dreispringerin der LG Göttingen, vertritt Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio, die am heutigen Freitag offiziell eröffnet werden. Die 29-Jährige hat jahrelang auf Olympia hingearbeitet, und auch ihre Göttinger Unterstützer blicken gespannt nach Fernost – ist es doch alles andere als selbstverständlich, dass eine Lokalmatadorin die Universitätsstadt bei Olympischen Spielen vertritt.

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Als „freudig gespannt“ bezeichnete Eckhardt-Noack kurz vor der Abreise ihre Gefühlslage. Der Trip nach Japan führte die Bronzemedaillengewinnerin bei der vergangenen Hallen-EM zunächst ins Pre-Camp der deutschen Leichtathleten nach Miyazaki im Süden Japans, wo sich die amtierende Deutsche Meisterin seit vergangenem Montag vorbereitet. Ihren Qualifikationswettkampf bestreitet Eckhardt-Noack am nächsten Freitag, 30. Juli, also eine Woche nach Eröffnung der Spiele.

Ein Kommen und Gehen der Athleten im Pre-Camp

Im Pre-Camp ist es ein Kommen und Gehen – die Athleten bereiten sich in Miyazaki zehn Tage lang auf ihren Einsatz vor, und jene, die wie die LGGerin früh ins Wettkampfgeschehen eingreifen, gehören zur ersten Gruppe, die das Camp quasi einweiht. Danach geht es ins Olympische Dorf nach Tokio.

„Das ist ein Riesenkomplex mit drei Leichtathletik-Anlagen und einem Indoor-Dome“, berichtet Eckhardt-Noacks Trainer Frank Reinhardt, der sie zumindest im Pre-Camp noch betreut – wegen der rigiden Corona-Vorgaben fliegt er im Anschluss jedoch zurück nach Deutschland. Von diesem Zeitpunkt an ist der Bundestrainer, der ehemalige Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek, für die LGGerin zuständig.

„Mit ihm habe ich schon bei der Hallen-EM gute Erfahrungen gemacht“, sagt Eckhardt-Noack. Wenn sie allerdings einen Wunsch frei gehabt hätte, „hätte ich mir natürlich Frank an der Grube gewünscht“. Friedek sei in jedem Fall einer, „mit dem wir seit Jahren eng zusammenarbeiten“, unterstreicht Reinhardt.

Bäume werden trainingstechnisch in Miyazaki nicht mehr ausgerissen. „Die großen Dinge im Training sind geschehen. Die Einheiten im Pre-Camp dienen der Formerhaltung, und es geht auch darum, sich zu akklimatisieren sowie die Zeitumstellung zu verkraften“, erläutert Reinhardt. „Das Camp dient auch dazu, sich den Feinschliff zu holen“, ergänzt Eckhardt-Noack.

Die Dreispringerin befindet sich in einem körperlichen Top-Zustand, zumal sie nach krankheits- und verletzungsbedingten Rückschlägen in der Vergangenheit seit einiger Zeit völlig gesund ist. „Ich habe keinerlei Wehwechen und gehe mit der Gewissheit in den Wettkampf, topfit, erholt und frisch zu sein“, sagt die 29-Jährige. Das kann ihr Trainer nur unterstreichen: Die letzte Technikeinheit in Deutschland sei sehr gut verlaufen, berichtet Reinhardt. „Das merkt der Athlet auch selbst.“

Wenn etwas in den vergangenen Wochen die Vorbereitung gestört hat, dann war es der Papierkram, der obligatorisch ist, sich aber wegen Corona noch mal potenziert hat. Seit einem Dreivierteljahr habe man es mit Datenerhebungen zu tun gehabt. „Das hat sich in den vergangenen zwei Wochen noch mal extrem erhöht, berichtet Reinhardt, der von PCR-Tests und Formularen in japanischen Schriftzeichen berichtet. „Das lief pandemiebedingt anders und war alles in allem ganz schön aufregend“, verdeutlicht Eckhardt-Noack.

Was ist bei Olympia möglich? „Das Niveau ist tatsächlich sehr hoch“, sagt Reinhardt. „In der mittleren Spitze, in der sich Neele befindet, werden 14,50 Meter von vielen gesprungen.“ Ziel sei deshalb die Top zwölf, das Finale – davor steht jedoch die Qualifikation. Reinhardt: „Das ist das größte Hindernis, denn man hat definitiv nur drei Versuche.“ Ein Sprung weiter als 14,30 Meter könnte reichen, um sich direkt zu qualifizieren, ansonsten muss gezittert werden.

Der LGGerin könnte zugute kommen, dass sie mit ihren 29 Jahren über einige Erfahrung bei großen Wettkämpfen verfügt. „Sie ist bei der WM 2017 vor 70.000 Zuschauern gesprungen. Und zudem geht es ihr richtig gut, das gibt auch einen Schub an Selbstbewusstsein“, sagt Reinhardt. „Man sollte nicht in Ehrfurcht erstarren. Neele hat schon vielfach bewiesen, dass sie nervenstark ist, und bis auf einmal die Quali immer überstanden.“

Eckhardt-Noack hätte sich Zuschauer gewünscht

Apropos Zuschauer: Die sind in Tokio nun nicht dabei – trübt diese Aussicht die Vorfreude? „Klar, hätte ich mir Zuschauer gewünscht, weil die Leichtathletik auch von der Stimmung lebt und man sich anstecken lassen kann“, sagt Eckhardt-Noack. „Aber ich war nicht überrascht über die Entscheidung, und ich denke, dass die Athleten professionell genug sind, damit umzugehen.“

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Wenn sie in die Top zwölf kommen sollte, „hätte ich schon ganz viel erreicht“, sagt die Dreispringerin der LG Göttingen, die in erster Linie auf sich blickt und sich keinen Druck macht. „Ich möchte gern einen Wettkampf absolvieren, mit dem ich zufrieden bin. Und wenn dann 14,40 Meter plus x nur zum 13. Platz reichen, dann ist das halt so.“