04. Mai 2021 / 16:19 Uhr

„Für mich ist da kein Druck“ – GFC-Coach Martin Schröder im Interview

„Für mich ist da kein Druck“ – GFC-Coach Martin Schröder im Interview

Alexander Kruggel
Ostsee-Zeitung
Würden am liebsten sofort auf den Platz zurückkehren: der neue GFC-Chefcoach Martin Schröder (r.) und sein Co-Trainer Stefan Kalweit.
Würden am liebsten sofort auf den Platz zurückkehren: der neue GFC-Chefcoach Martin Schröder (r.) und sein Co-Trainer Stefan Kalweit. © Alexander Kruggel
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Seit Kurzem ist er beim Greifswalder FC „der Neue“ an der Seitenlinie: Martin Schröder. SPORTBUZZER sprach mit dem 41-Jährigen über die nahe Zukunft des GFC aus Trainersicht, ob die nächste Saison wieder sportlich entschieden wird und natürlich über die großen Fußstapfen seines Vorgängers, Roland Kroos.

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​Vom U19-Coach zum Cheftrainer der ersten Mannschaft: Seit Kurzem ist Martin Schröder beim Greifswalder FC für das Oberliga-Team verantwortlich. SPORTBUZZER sprach mit dem 41-Jährigen darüber, wie er seine neue Aufgabe angehen will, womit der Klub angesichts der Corona-Pandemie plant und nicht zuletzt, wie er in die Fußstapfen seines Vorgängers treten will, dem Ex-Trainer und Technischen Leiter des GFC, Roland Kroos.

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SPORTBUZZER: Herr Schröder, Roland Kroos hat als Ihr Vorgänger auf dem Trainerposten eine tolle Bilanz abgeliefert. In 97 Pflichtspielen gab es unter seiner Leitung 68 Siege, 13 Unentschieden und nur 16 Niederlagen. Wie gehen Sie als „der Neue“ damit um?

Martin Schröder: Ich habe vor seiner Arbeit natürlich Respekt, aber ich erstarre auch nicht in Ehrfurcht. Die Strukturen, die Roland hier aufgebaut hat, sind schon total professionell. Natürlich kann so eine gute Bilanz des Vorgängers auch eine Belastung sein. Deswegen haben wir [Schröder und Stefan Kalweit, der neue Co-Trainer d. Red.] im Vorfeld des Trainerwechsels auch darüber gesprochen, damit wir die Situation richtig einschätzen: Wir sehen Rolands Arbeit als etwas sehr Positives und wir werden ja auch weiterhin zusammenarbeiten. Ich denke, dass es da den einen oder anderen Moment geben wird, wo man noch voneinander lernen kann. Das ist gut, weil Kalle und ich davon natürlich auch profitieren.

Hinderlich dürfte hingegen die Corona-Pandemie sein. Ist es nicht frustrierend, nicht sofort loslegen zu können?

Jein. Der ursprüngliche Plan war, dass Roland das Team bis zum Sommer betreut und ich mich bis dahin um Organisatorisches kümmere. Von daher ändert sich für mich gerade nicht so viel. Aktuell beschäftigen wir uns mit der Kaderplanung und gehen der Frage nach, wie wir die kommende Saison angehen wollen. Aber es stimmt schon: Am liebsten würden wir jetzt gerne eine Mannschaftsvorstellung machen, das Trainerteam zusammenrufen, etwas dazu sagen, wie wir uns die Arbeit vorstellen und danach auf den Platz gehen und trainieren. Aber das geht nun mal nicht.

Das sind die wichtigsten Transfers im kommenden Sommer in MV (Stand: 13. Mai 2021):

Neubrandenburgs Justus Guth (gelbes Trikot) gegen die Pastower Markus Kunze, Tom Bockholt und Danny Zimmermann in Erwartung einer Ecke. Zur Galerie
Neubrandenburgs Justus Guth (gelbes Trikot) gegen die Pastower Markus Kunze, Tom Bockholt und Danny Zimmermann in Erwartung einer Ecke. ©

Glauben Sie nach den letzten zwei Saisonabbrüchen daran, dass die nächste Spielzeit endlich wieder sportlich beendet werden kann?

Ich weiß nicht, was passieren wird. Es gibt die Virusmutationen und es ist schwer zu sagen, wie sich alles entwickeln wird. Ich hoffe, dass jetzt eine Strategie kommen wird, mit der man dauerhaft wieder Sport treiben kann. Das wäre für alle Fußballer und alle Sportler wichtig. Ob das für die nächste Saison schon der Fall ist, kann ich nicht sagen. Das wäre reine Mutmaßung.

Haben Sie denn schon eine grobe Vorstellung, wann es wieder auf den Platz geht?

Das hängt davon ab, wann der NOFV mit der neuen Saison starten möchte. Aktuell sind wir 17 Teams in der Oberliga und es gibt zwei favorisierte Termine. Das erste oder das zweite Augustwochenende. Danach wird sich alles richten. Davor muss es natürlich eine Vorbereitung geben und wir haben ja auch ein paar Spieler, die von auswärts kommen. Die sollen zuvor natürlich die Gelegenheit bekommen, noch einmal in die Heimat fahren zu können und Urlaub mit der Familie zu machen. Wir würden gerne auf den Platz zurückkehren, sobald das möglich ist. Die ersten Testspiele werden aber erst ein paar Wochen nach Trainingsbeginn stattfinden. Nach so einer langen Pause ist die Verletzungsgefahr hoch und wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den Spielern.

In der Vorstellung durch den Verein sagten Sie, dass Sie gerne offensiv denken. Bleibt das auch Ihre fußballerische Ausrichtung beim GFC, wenn der Betrieb erst einmal wieder angelaufen ist?

Das Spielsystem hängt stark von der Mannschaft und vom Kader ab. Leider haben wir bisher nicht so viel zusammenarbeiten können. Wir müssen uns da erst einmal ein Bild machen. Prinzipiell sind Stefan und ich zwei Trainer, die offensiv denken, die mutig denken, die den Ball haben wollen –, die aber auch eine gewisse Flexibilität mitbringen. Wir können genauso mal tief stehen. Trotzdem haben wir eine klare Vorstellung davon, welchen Fußball wir spielen wollen. Für jede Position haben wir ein Profil, wie der jeweilige Spieler sein sollte. Aber wir wollen nichts erzwingen. Wenn wir den Kader genauer kennen, können wir daran arbeiten, dieses Puzzle zusammenzusetzen. Und wahrscheinlich wird der Fußball anfangs anders sein als ein halbes Jahr später. Gewisse Sachen muss man sich einfach mit der Mannschaft zusammen erarbeiten.

Apropos Mannschaft – gibt es schon Details zur Kaderplanung, über die Sie etwas sagen können?

Roland hat viele Spieler auf dem Zettel, mit denen wir uns beschäftigen. Aber in der aktuellen Situation ist es schwer, Spieler zu sichten. Selbst wenn wir jetzt zum Individualtraining einladen würden, dann ist das natürlich nicht das Gleiche, als wenn ich einen Spieler im Mannschaftskontext sehen kann. Was zukünftig aber eine größere Rolle spielen soll, ist der eigene Nachwuchs. Das sind Jungs, die aus Greifswald kommen und sich mit dem Verein identifizieren. Ich halte das für einen wichtigen Punkt, weil man damit eine Menge bewegen kann. Bisher hatte ich mit den A-Junioren immer zeitgleich Training mit Roland und den Herren. Als Technischer Direktor kann er künftig auch Einheiten der U 19 beobachten und dort die Spieler sichten. Was feststeht, ist, dass es für ein paar Nachwuchsspieler Trainingstage geben wird, wo wir sie mal mit hochnehmen und mittrainieren lassen wollen. In diesem Punkt wird sich die Zusammenarbeit klar verbessern.

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Wo die Reise hingeht, ist ebenfalls klar. Die Regionalliga ist auch für Sie das übergeordnete Ziel. Verspüren Sie angesichts dieser Herausforderung einen gewissen Druck?

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Für mich ist da kein Druck. Zu mir hat niemand gesagt: Das muss genau jetzt passieren. Ich gucke in erster Linie auf das, was ich beeinflussen kann. Das ist die Arbeit auf dem Platz, die Arbeit mit der Mannschaft. Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber wir wollen uns bestmöglich auf jede Situation und jedes Spiel vorbereiten. Und dann gucken wir mal, was am Ende dabei rumkommt. Natürlich gibt es das Ziel Regionalliga und das werden wir mit der Mannschaft auch noch einmal besprechen. Aber wir werden das jetzt nicht alle zwei Wochen zum Thema machen. Wir müssen uns in erster Linie auf die Entwicklung konzentrieren und dann wird der Rest von ganz allein kommen.