15. Dezember 2020 / 12:02 Uhr

Für Oberliga-Fußballerinnen aus der Region Göttingen ist Flexibilität das Zauberwort

Für Oberliga-Fußballerinnen aus der Region Göttingen ist Flexibilität das Zauberwort

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kevin Martin und der ESV Rot-Weiß Göttingen haben im gesamten Jahr 2020 nur acht Pflichtspiele ausgetragen.
Kevin Martin und der ESV Rot-Weiß Göttingen haben im gesamten Jahr 2020 nur acht Pflichtspiele ausgetragen. © Filip Donth
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Wenig Wettkampfpraxis, lange Lockdown-Phasen. Das sportliche Jahr 2020 war für die Oberliga-Fußballerinnen aus der Region ein ungewöhnliches. Wie es weitergehen wird, ist noch nicht endgültig geregelt – Flexibilität ist in diesen Tagen das Zauberwort.

Keine Rückrundenpartien in der Saison 2019/20 im Frühjahr und nur ein kleines Programm zum Start in die neue Spielzeit: Die Oberliga-Fußballerinnen in der Region waren – wie so viele andere Sportler in diesem Jahr – eher Trainingsweltmeister. Ihre Coaches blicken ganz unterschiedlich zurück auf dieses besondere Jahr zurück, in dem viel improvisiert werden musste.

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ESV Rot-Weiß Göttingen

„Ich betrachte 2020 fußballerisch als ein verlorenes Jahr“, sagt Kevin Martin, Trainer des Tabellendritten ESV Rot-Weiß. Gerade einmal acht Pflichtspiele hat seine Mannschaft in den vergangenen zwölf Monaten ausgetragen. In dieser neuen Saison hätte man, nach Ansicht des ESV-Coaches, „schon ein Stückchen weiter sein können, wenn die Saison zwei, drei Wochen früher losgegangen wäre“.

Nur fünf Begegnungen haben die Frauenteams ausgetragen, bevor der zweite sportliche Lockdown des Jahres kam. Bis Mitte Dezember hätten es eigentlich schon zwölf sein müssen – sieben werden also noch nachgeholt. „Jetzt ist ja quasi Winterpause. Mit der sportlichen Entwicklung bin ich zufrieden. Wir überwintern im Pokalwettbewerb und stehen im Viertelfinale, haben nur ein Spiel gegen Braunschweig verloren. Das Unentschieden gegen den Tabellenletzten BSC Acosta ärgert mich allerdings“, sagt Martin, der seinen Spielerinnen Laufpläne gegeben hat. Es hat Zoom-Meetings gegeben „und im Januar geht es hoffentlich wieder raus“.

Über die frühzeitige Absage der Hallenturniere war der Übungsleiter nicht böse. „Wir haben mit dem Kreuzbandriss von Marie-Theres Kamp genug Verletzungspech, da muss nicht noch mehr dazu kommen“, sagt Martin.

Der ESV Rot-Weiß Göttingen hat sich in der Frauenfußball-Oberliga mit 2:1 beim FFC Renshausen durchgesetzt. Zur Galerie
Der ESV Rot-Weiß Göttingen hat sich in der Frauenfußball-Oberliga mit 2:1 beim FFC Renshausen durchgesetzt. © Jan-Helge Schneemann

Gespannt ist er darauf, ob die Saison so ausgetragen werden kann wie geplant. „Ich vermute, dass es – angesichts der vielen Nachholspiele – schwierig werden wird, die restlichen neun Partien und anschließend noch eine zusätzliche einfache Meister- oder Abstiegsrunde mit noch einmal sieben Spielen durchzuziehen. Das wären für jede Mannschaft noch 16 Spiele. „Es ist eine spannende Zeit. Ich habe mal gelernt, das Wort ,spannend’ zu benutzen, wenn man irgendetwas nicht gut findet.“

FFC Renshausen

Seit Anfang Oktober ist Wendelin Biermann offiziell wieder Trainer des FFC Renshausen, beim Training dabei war er schon seit den Sommermonaten. Mit vier Punkten und Platz fünf in der der Achter-Staffel ist er zufrieden. „Das ist sehr gut. Wir haben eine unfassbar junge Mannschaft, fünf Mädchen spielen noch B-Jugend. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so mithalten können.“ Der Kader ist klein, die Trainingsbeteiligung sei spitzenmäßig. „Die kommen alle zweimal in der Woche zum Training und arbeiten sehr hart an sich, das hatte ich sonst nicht.“


Der Saisonstart sei schwierig gewesen, inzwischen hätten sich die Spielerinnen aber an das Niveau gewöhnt. Sehr zufrieden ist das FFC-Urgestein, das sich eine längere Pause an der Seitenlinie gegönnt hatte, mit dem Torverhältnis von 10:12. Sorgen bereitet ihm die erneute Unterbrechung des Trainingsbetriebs. „Ich hoffe, dass alle dabei bleiben.“ Die Betreuerinnen der Mannschaft organisieren virtuelle Treffen und Challenges, er selbst telefoniert regelmäßig mit den Spielerinnen. „Wir hatten uns zum letztmöglichen Termin vor der Trainingspause noch einmal getroffen und alles besprochen. Da hat es viele positive Rückmeldungen gegeben“, sagt Biermann, der aber vor allem im regelmäßigen Trainingsbetrieb die Möglichkeit sieht, „eine Mannschaft wirklich zusammenzuhalten“.

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Zum Saisonverlauf sagt er, dass er lieber eine längere Vorbereitung im Frühjahr hätte, um dann die normale Runde – also die noch verbleibenden neun Spiele auszutragen. „Ein Grund, für mich wieder als Trainer einzusteigen, war die Tatsache, dass die Staffeln so klein waren und die Zahl der Spiele damit übersichtlich blieb. Von einer Auf- und Abstiegsrunde mit noch einmal jeweils acht Mannschaften halte ich nichts.“

Sparta Göttingen

Für die Greitweg-Elf ging es vor allem darum, sich nach vielen personellen Veränderungen erst einmal zu finden. Einige Leistungsträgerinnen haben die Mannschaft verlassen, Torfrau Nina Hall kuriert einen Kreuzbandriss aus. Viele Neuzugänge müssen langsam an das Oberliga-Niveau herangeführt werden. „Wir hatten einige enge Spiele. Insgesamt ist die Stimmung gut, wir haben Fortschritte gemacht“, berichtet Bastian Geisler, der während der Begegnungen an der Seitenlinie die Verantwortung hat, sich ansonsten aber mit den Spielerinnen Charlotte Buch und Friederike Stahl die Traineraufgaben teilt.

Die Zwangspause im Trainingsbetrieb haben die Spielerinnen im November mit einer Lauf-Challenge überbrückt, zweimal pro Woche werden Online-Trainingseinheiten angeboten. Ein sportlicher Adventskalender fordert die Spielerinnen nicht nur zum Mitmachen auf, sondern verlangt auch, dass sie sich sportliche und kreative Aufgaben ausdenken. Online habe es auch schon einen Mannschaftsabend gegeben, eine Weihnachtsfeier ist auch virtuell geplant. „Es sind immer relativ viele Spielerinnen dabei, viele haben sich auch nach den Übungen noch viel zu erzählen“, hat Geisler beobachtet.