27. April 2021 / 11:04 Uhr

Für zusätzliche Einnahmen: Warum Erzgebirge Aue verstärkt auf Talente setzt

Für zusätzliche Einnahmen: Warum Erzgebirge Aue verstärkt auf Talente setzt

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Florian Krüger
Aues Florian Krüger könnte dem Verein bei einem Verkauf eine stattliche Summe einbringen. © PICTURE POINT
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Beim FC Erzgebirge Aue laufen bereits die Planungen für die kommende Saison. In Corona-Zeiten muss auch der Zweitligist immer mehr auf das Geld schauen und nach neuen Einnahmequellen suchen.

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Aue. Den Klassenverbleib hat der FC Erzgebirge Aue vorzeitig gesichert. Um auch in der kommenden Saison in der 2. Fußball-Bundesliga wieder eine gute Rolle zu spielen, arbeiten die Verantwortlichen im Hintergrund an den Rahmenbedingungen. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen machen eine verlässliche Kalkulation allerdings nur schwer möglich.

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"Nach jetzigem Stand planen wir mit einem Etat in Höhe von rund 17,2 Millionen Euro", sagt Geschäftsführer Michael Voigt. Doch die Unsicherheit, dass die Zahl noch nach unten korrigiert werden muss, ist hoch. "Sollten auch in der kommenden Saison weiterhin keine Zuschauer zu den Spielen zugelassen werden, verringert sich der Etat entsprechend. Jedes Spiel ohne Fans kostet den Verein etwa 200.000 Euro, so dass in Summe 3,4 Millionen Euro auf der Kippe stehen", erklärt Voigt.

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Die Lizenz für die kommende Saison hat der FC Erzgebirge zwar ohne Auflagen erhalten, bis Mitte September muss der Club der Deutschen Fußball Liga (DFL) aber einen Liquiditätsnachweis in Höhe von 2,8 Millionen Euro erbringen. Die Zahl hat Voigt nicht überrascht. "Wir hatten diese Summe bei der Erstellung der Lizenzunterlagen bereits selbst ausgerechnet", betont der Geschäftsführer.

"Das ist utopisch"

Durch eine weitere Reduzierung bei den Ausgaben und Einnahmesteigerungen soll der Nachweis erbracht werden. Eine Möglichkeit, um zusätzliche Mittel zu generieren, wäre die Inanspruchnahme staatlicher Corona-Hilfen. "Wir haben bislang noch nicht davon Gebrauch gemacht, werden uns aber auch mit diesem Thema auseinandersetzen", sagt Voigt.

Dass die Mannschaft mit einer guten Platzierung am Saisonende für hohe Mehreinnahmen sorgen könne, sei nur bedingt richtig, erklärt Voigt. "Um in der sogenannten Fernsehgeld-Tabelle auf Basis der klassischen Fünf-Jahres-Wertung noch einen großen Sprung nach oben zu machen, müssten wir am Saisonende zwei Plätze vor dem FC St. Pauli und vier Plätze vor Jahn Regensburg rangieren. Das ist utopisch", meint der 48-Jährige. Mehr Potenzial für Einnahmen sieht Voigt zukünftig in Einsätzen von jungen Spielern, die in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet wurden und unter die U23-Regelung fallen.

Die DFL honoriert die Spielzeiten dieser Talente mit anteiligen Zahlungen zum TV-Geld. "Aus dem ab der kommenden Saison gültigen TV-Vertrag erhalten wir pro Spieljahr rund eine Million Euro weniger. Daher ist es umso wichtiger, dass wir die Zahlungen für die Einsätze von Nachwuchsspielern bekommen", sagt Voigt. Für die laufende Saison hat der FC Erzgebirge auf diese Weise bereits mehr als 570.000 Euro generiert.

Transfererlöse als zweiter Baustein

Den größten Anteil daran hat U21-Nationalspieler Florian Krüger, der es in dieser Saison bislang auf 2595 Einsatzminuten brachte. Voigt hält es für denkbar, dass der 22-Jährige dem Verein in der Sommerpause eine noch viel größere Summe in die Kassen spülen könnte. Denn der Stürmer, der 2018 vom FC Schalke 04 kam und in Aue einen Vertrag bis 2023 besitzt, hat mit elf Toren und sechs Vorlagen auf sich aufmerksam gemacht und soll dem Vernehmen nach auf den Zetteln einiger Erstligisten und ambitionierter Zweitligisten stehen.

"Wir haben immer betont, dass neben dem Fernsehgeld die Transfererlöse der zweite Baustein werden sollen, um den FC Erzgebirge finanziell weiterzuentwickeln. Sollte sich ein Verein melden und ein ernsthaftes Interesse an Florian haben, werden wir uns zusammensetzen und reden", sagt Voigt.

Krüger selbst hat aus seinem Traum von einem Wechsel in die erste Liga nie einen Hehl gemacht. Auch eine Rückkehr zu Bundesliga-Absteiger FC Schalke 04 schließt er nicht aus. "Wenn es irgendwann passen sollte - ja klar, warum soll das nicht mein Traum sein? Das war als Kind mein Verein, mit dem ich noch immer sympathisiere. Aber die Umstände müssen passen", sagte Krüger Ende März während der U21-EM in Ungarn.

dpa