24. März 2020 / 16:50 Uhr

Furchners Saisonrückblick: "Ich habe Angst, ganz ehrlich"

Furchners Saisonrückblick: "Ich habe Angst, ganz ehrlich"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Keine Chance mehr, der Saison Glanz zu verleihen. Für Sebastian Furchner, die Grizzlys und die Top Ten der DEL gab es keine Play-Offs.
Keine Chance mehr, der Saison Glanz zu verleihen. Für Sebastian Furchner, die Grizzlys und die Top Ten der DEL gab es keine Play-Offs.
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Eine Eishockey-Saison, die keine war! DEL-Rekordler Sebastian Furchner (über 1000 Spiele) und Kapitän der Grizzlys Wolfsburg berichtet in einer Serie über die Spielzeit der Wolfsburger Eishockey-Profis.

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"Die Sorgen werden nicht weniger, eher mehr"

Das Saison-Aus, gerade zwei Wochen her. Und irgendwie schon lange. Es war richtig, damals die Play-Offs abzusagen. Um ehrlich zu sein, hatte ich schon kurz nach der Absage der Play-Offs befürchtet, dass es so schwierig weitergeht. Die sagen eine Saison, die Play-Offs nicht so einfach ab, oder man nehme Fußball, das wird nicht einfach so nur unterbrochen oder abgesagt, sondern da ist dann schon eine gewisse Dynamik und auch Brisanz dahinter.

Mental ist es schwierig, damit umzugehen, da geht es uns Sportlern wie allen anderen auch. Keiner weiß so richtig, was ist, keiner weiß was kommt. Ich denke die Sorgen werden nicht weniger, sondern schon eher mehr.

"Irgendwann wird wieder gespielt"

Wenn ich an die Zukunft denke, an eine neue Saison – ich habe Angst, ganz ehrlich. Dass wir nicht im August anfangen können. Das mal mit Blick auf Eishockey gesagt. Aber aktuell ist Eishockey zweitrangig für mich. Das Geschehen, was sich aktuell abspielt, ist in erster Linie interessant. Für mich persönlich wird es aber karrieretechnisch natürlich schwierig, wenn die Saison ausfällt. Das beschäftigt mich schon auch. Ich versuche mich auf eine normale Saison vorzubereiten. Und wenn es dann länger dauert, dann dauert es eben. Aber irgendwann wird wieder Eishockey gespielt. Und dann will ich auch dabei sein.

Kraftraum in der Garage

Ich habe mir Sachen aus dem Kraftraum der Eis-Arena ausgeliehen, die keiner brauchen dürfte, wobei ich auch gar nicht weiß, ob da überhaupt einer trainiert. Ein Fahrrad habe ich zuhause, in der Garage habe ich mir ein Fitness-Studio eingerichtet. Am Samstag bin ich 12,5 Kilometer zur Eishalle gelaufen, nicht schlecht, fand ich eine Stunde und fünf Minuten, für einen, der eine Nichtläufer-Figur hat wie ich, eine ganz schöne Strecke. Und der Gegenwind hat mich auf den ersten vier Kilometern immer wieder gefragt: Willst du nicht umdrehen?

Mit den Jungs habe ich im Grizzlys-Chat Kontakt, die, die ins Ausland heim sind, sitzen daheim in Quarantäne, das ist schon Wahnsinn, verrückt, was da jetzt abgeht.

Das letzte Training

Meine Familie und ich gehen jetzt nicht mehr viel raus. Außer meine Frau, die arbeitet bei Netto, hilft dort mit, die Regale aufzufüllen. Vielen Dank an alle, die für uns arbeiten in Medizin und Dienstleistung! Das möchte ich unbedingt loswerden: SUPER, VIELEN DANK!

Etwas Positives könnte man rausziehen

Am Freitag haben wir mal die Garage und Abstellraum alle zusammen aufgeräumt. Man macht jetzt auch Dinge, die sonst auf der Strecke bleiben und spielen unsere Palette Gesellschaftsspiele rauf und runter. Man kann etwas Positives aus der ganzen schlimmen Geschichte herausziehen: dass man sich wieder deutlich mehr miteinander beschäftigt. Und das ist eine schöne Sache. Es ist wirklich schön, wenn alle am Tisch sitzen, auch wenn es etwa beim Monopoly oder Malefiz mal über mehrere Stunden geht.

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Bleibt gesund, macht das Beste aus der Situation und seid sorgsam miteinander!

Man kann aus der Situation das Beste machen. Meine jüngere Tochter Lena hatte gesehen, dass ich einen Trainingsplan habe, da hat sie sich selbst einen geschrieben und eine Stunde mit mir in der Garage geturnt, auch Emma, die ältere, hat mitgemacht. Das ist dann auch schön. Die Umstände nicht, aber die Tatsache, dass wir alle etwas zusammen machen!


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