26. Mai 2021 / 22:03 Uhr

Fürs Finale: Eintracht setzt gegen die VfL-Frauen auch auf die FFC-Historie

Fürs Finale: Eintracht setzt gegen die VfL-Frauen auch auf die FFC-Historie

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Frankfurts Frauenteams: Heute geht die Eintracht mit Coach Niko Arnautis gegen den VfL Wolfsburg auf Titeljagd (l. Bild l.), früher war es der FFC (r. Bild M.). 
Frankfurts Frauenteams: Heute geht die Eintracht mit Coach Niko Arnautis gegen den VfL Wolfsburg auf Titeljagd (l. Bild l.), früher war es der FFC (r. Bild M.).  © Roland Hermstein/Boris Baschin/Imago Images
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Am Sonntag steigt das DFB-Pokal-Finale der Frauen: Seriensieger VfL Wolfsburg ist der klare Favorit in Köln, aber Gegner Eintracht Frankfurt ist gierig, was auch an der FFC-Historie liegt. Denn hier sind in der Vergangenheit neun Pokalsiege zu finden. Rekord!

Es ist das Duell der deutschen Pokal-Gigantinnen! Am Sonntag steigt im Kölner Rhein-Energie-Stadion das DFB-Pokal-Finale der Frauen zwischen Titelverteidiger VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt (Anpfiff ist um 16 Uhr, die Partie wird live im Ersten übertragen). Nicht dabei sein wird beim VfL Katarzyna Kiedrzynek. Für die polnische Torfrau ist die Saison vorzeitig beendet.

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Saison-Aus für VfL-Torfrau Kiedrzynek

Anfang Mai hatte sich Kiedrzynek im Training eine Fingerverletzung zugezogen, die noch nicht hinreichend ausgeheilt ist. „Sie kann im Training weiter keine spezifischen Torwartübungen machen“, so VfL-Trainer Stephan Lerch. Darum sei es sinnvoll, dass für die Keeperin quasi jetzt schon die Sommerpause beginnt, sie dafür möglicherweise vor der kommenden Spielzeit wieder früher mit dem Training beginnt.  Und so wird Almuth Schult im Pokalfinale und gegen Bremen im Tor stehen

Die Wolfsburgerinnen gewannen zuletzt sechs Mal in Folge (sieben Mal insgesamt) den Pokal, den Rekord für die meisten Triumphe hält aber weiter der FFC Frankfurt - der nach der Fusion mit Eintracht Frankfurt im vergangenen Jahr als deren Frauenabteilung fungiert - mit neun gewonnenen Finals. Und: Gegen Frankfurt kassierte der VfL seine letzte Niederlage im Pokal.

Diese liegt aber schon Jahre zurück. Am 16. November 2013 unterlag die Mannschaft des damaligen Trainers und heutigen Sportlichen Leiters Ralf Kellermann mit 0:1 im Achtelfinale, das Siegtor erzielte Kerstin Garefrekes.

Mehr heimischer Sport

Frankfurt gehörte neben Turbine Potsdam und dem FCR Duisburg (jetzt MSV Duisburg) zu den Top-Adressen für Spielerinnen. Die reinen Frauenfußball-Vereine duellierten sich jahrelang um die nationalen Titel, sorgten aber auch international für Ausrufezeichen. Mit der Zeit erkannten auch andere Vereine das Potenzial und investierten fleißig in ihre Mannschaften, wie etwa der VfL Wolfsburg und FC Bayern München - seit der Saison 2012/2013 machen die beiden Vereine die Meisterschaft unter sich aus.

Schnell wurde klar, dass es reine Frauenfußball-Vereine ohne eine finanzstarke Männerabteilung im Rücken, in der Spitze nicht mehr zwingend mithalten können. Der FCR Duisburg wurde insolvent und schloss sich 2014 dem MSV an, der FFC fusionierte vergangenes Jahr mit der Eintracht. Potsdam erhält dank einer Kooperation mit Hertha BSC finanzielle Unterstützung.


FFC als Fundament

Seit dem 1. Juli 2020 agiert der FFC unter dem Dach der Frankfurter Eintracht. Cheftrainer Niko Arnautis zieht eine positive Bilanz: "Wir haben als FFC ein tolles Fundament mitgebracht und sind jetzt als Eintracht noch einmal gewachsen. Wir haben ein professionelles Trainerteam, unsere Spielerinnen sind Profis und als Verein haben wir Möglichkeiten und Potenzial, wo wir uns nachhaltig noch weiterentwickeln wollen." Die Fusion sei für alle Beteiligten ein riesiger Gewinn. "Wir sind sehr glücklich, ein Teil der Eintracht zu sein."

Auch Top-Torjägerin Laura Freigang, die 2020 nach Frankfurt kam und seitdem in 72 Partien 49 Tore erzielte, lobt die neuen Arbeitsbedingungen und die "Professionalisierung. Wir haben das Trainerteam vergrößert, unsere medizinische Betreuung hat sich verbessert und generell merkt man den ganzen Aufschwung, der mit der Eintracht kam", so Freigang. Sie weiß: "Hinter so einem großen Verein steckt ganz viel Power und die ganze Stadt unterstützt den Verein. Es sind viele Aspekte, die wir Spielerinnen da so mitbekommen und uns in der Entwicklung helfen."

Wolfsburg gewann seit 2015 jedes DFB-Pokal-Finale

In der Liga stehen die Frankfurterinnen einen Spieltag vor Saisonende auf dem sechsten Tabellenplatz - die Qualifikation für die Champions League ist nicht mehr möglich. Arnautis: "Zwei, drei Spiele mehr hätten wir noch gewinnen können. Das versuchen wir, im nächsten Jahr zu schaffen. Insgesamt sind wir als Mannschaft gewachsen und haben eine gewisse Reife dazugewonnen." Deshalb gibt sich der Eintracht-Coach kämpferisch: "Wir wollen die Historie des FFC weitertragen und am Sonntag die Überraschung schaffen." Die Wolfsburgerinnen gehen aber als Favorit in das Pokal-Duell - und das nicht nur, weil sie seit 2015 jedes Finale für sich entscheiden konnten. In der Liga gab es zudem ein deutliches 3:0 und zuletzt ein knappes 3:2 gegen die SGE.

"Das gibt Mut"

Für Arnautis spielt das alles fürs anstehende Finale keine Rolle: "Wir wissen, was wir verbessern müssen, haben aber gleichzeitig schon gezeigt, was wir können - und das gibt uns Mut." Er verspricht einen harten Fight. "Was uns auszeichnet ist die Gier nach Erfolg. Mit dem Erreichen des Pokalfinales konnten wir ein klares Ausrufezeichen setzen."

Die Ambitionen und Ziele sind langfristig jedenfalls hoch gesteckt, die finanziellen Möglichkeiten auf dem Transfermarkt mittlerweile ganz andere als noch vor ein paar Jahren. So sollen die Hessinnen unter anderem an dem Wolfsburg-Duo Lena Goeßling und Fridolina Rolfö interessiert sein.

Zu verdanken haben die Frankfurterinnen ihre stetige Entwicklung auch ihrem langjährigen Sportdirektor Siegfried Dietrich, der aus gesundheitlichen Gründen nicht beim Pokalfinale sein wird. "Wir werden als Mannschaft für ihn mitspielen und uns sehr freuen, wenn er nach seiner Auszeit wieder mit dabei ist", so Arnautis.